Aktien

Schwacher Dollar zehrt an Auslandserträgen

30. Dezember 2003 Erstmals seit drei Jahren haben Aktien wieder die Nase vorn. In keiner anderen Anlageklasse konnten Anleger im Jahr 2003 höhere Renditen erzielen. Damit wurde die wieder gewachsene Risikofreude der Anleger belohnt. Nach drei Jahren, in denen das Bedürfnis nach Sicherheit die Kapitalmärkte dominierte, erleben nun renditestarke Anlagen eine Wiederkehr. Und dennoch hat sich im abgelaufenen Jahr nicht jedes Engagement in Aktien für die Anleger ausgezahlt.

Für den Anlageerfolg war die Wahl der richtigen Märkte und Währungen entscheidend. Investitionen im außereuropäischen Ausland haben nur in seltenen Fällen Freude gemacht: Die starke Aufwertung des Euro hat die Erträge zum großen Teil aufgezehrt. Diese Erfahrungen machen europäische Anleger in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge.

Gute Bilanz in Europa

Der Euro ist in den vergangenen Monaten von einem Rekordhoch zum nächsten geeilt und kostet derzeit rund 1,25 Dollar, nach 1,04 Dollar zu Jahresbeginn. Entsprechend hat sich der Dollar seitdem um rund 17 Prozent verbilligt. Deshalb bleibt für Anleger, die in Euro abrechnen, von den zum Teil erheblichen Kursgewinnen der amerikanischen Aktien nur wenig übrig. Die Dollar-Preise der Wertpapiere sind zwar noch stärker gestiegen als die Kurse europäischer Aktien. Aber in Euro gerechnet verzeichnen S&P-500 und Dow Jones nur ein kleines Plus von gut 5 Prozent. Lediglich amerikanische Technologieaktien bieten auch in Euro gerechnet eine hohe Rendite von mehr als 20 Prozent.

Deutlich besser sieht die Bilanz in Europa aus. Dort haben Aktien durch die Bank gut abgeschnitten. Im Schnitt sind die Kurse der Dividendentitel in der Eurozone um knapp 10 Prozent gestiegen. Auf dem deutschen Aktienmarkt freuen sich die Anleger sogar über ein Plus von 37 Prozent. Nur exotische Börsen wie die brasilianische haben noch größere Zuwächse verzeichnet. In Europa führt der Dax die Liste der Gewinner an. Allerdings zählten deutsche Aktien in den Jahren der Baisse auch zu den größten Vermögensvernichtern. Allein im Jahr 2002 ist der Dax um 44 Prozent gefallen. Dieser Verlust wird durch den Anstieg im Jahr 2003 lediglich zur Hälfte ausgeglichen. Auf der Liste der renditestärksten Börsen des Jahres 2003 folgen in Europa die Aktienmärkte in Spanien und Schweden mit Zuwächsen von jeweils knapp 30 Prozent. Vergleichsweise enttäuschend war dagegen die Wertentwicklung bei niederländischen Aktien und bei britischen Aktien, die in Euro gerechnet nur knapp 5 Prozent Rendite abwarfen.

Fallende Renditen und hohe Kursgewinne

Wohl dem, der auch in anderen Anlageklassen als den Aktien erfolgreich investiert hat. Bei Anleihen ist dies allerdings im Jahr 2003 nicht leicht gewesen. Zinstitel, die eigentlich verläßliche Erträge versprechen, zeichneten sich durch hohe Kursschwankungen aus. Zudem scheinen die fetten Jahre der Rentenmärkte vorerst vorbei zu sein. Das erste Halbjahr brachte noch einmal stark fallende Renditen und damit hohe Kursgewinne.

Doch inzwischen hat sich die Situation auf den Rentenmärkten normalisiert. Die Furcht vor Deflation ist gewichen. Die meisten Anleger blicken mit vorsichtiger Zuversicht auf die wirtschaftliche Entwicklung. Das führte in der zweiten Jahreshälfte zu Kursverlusten. Die Renditen sind auf das Niveau zurückgekehrt, das sie Anfang Januar erreicht hatten. Die Erträge aus Bundesanleihen von durchschnittlich gut 4 Prozent stammen daher im Jahr 2003 im wesentlichen aus den Kuponzahlungen.

Dickes Minus

Anders als in den Vorjahren reichten diese bei Anlagen in den wichtigsten Fremdwährungen nicht aus, um die Wechselkursverluste auszugleichen oder zumindest auf ein erträgliches Maß zu begrenzen. Wer erstklassige Pfund-, Yen- oder Dollar-Titel gekauft hat, beklagt nun ein dickes Minus. Amerikanische Staatsanleihen bescheren Euro-Anlegern zum Beispiel einen durchschnittlichen Wertverlust von gut 13 Prozent.

Nur bei hochverzinsten Titeln, zum Beispiel riskanten amerikanischen Unternehmensanleihen oder Dollar-Staatsanleihen aus Schwellenländern, bleibt ein ansehnlicher Gewinn übrig. In Euro denominierte Zinstitel derselben Schuldner warfen dagegen deutlich höhere Renditen ab.

Währungsverluste verhageln Ergebnis

Der Währungseffekt verhagelt auch das Ergebnis bei Edelmetallen. So stieg zwar der Dollar-Preis für eine Feinunze (31,104 Gramm) Gold um weitere 20 Prozent und erreichte kürzlich mit 416 Dollar den höchsten Stand seit Februar 1996. Doch von dieser Rally haben Anleger aus dem Euroraum nur wenig. Für sie ging der Wert einer Feinunze wegen des Devisenverlustes in diesem Jahr sogar um gut 3 Prozent zurück. Wenigsten bei anderen Edelmetallen ließ sich auch für Euro-Anleger Geld verdienen, weil die Preise stark genug gestiegen sind, um den Währungsverlust auszugleichen. Besonders groß ist der Zuwachs bei Platin. Der Preis für eine Feinunze stieg in Euro gerechnet um knapp 15 Prozent.

Weiterhin gering sind die Erträge bei deutschen Immobilienfonds. Sie verzeichnen für das Jahr 2003 eine durchschnittliche Rendite von rund 3 Prozent. Dabei sind die zum Teil sehr hohen Ausgabeaufschläge, die die Rendite für den Anleger senken, nicht berücksichtigt. Besonders trostlos ist der Blick ins lange bewährte Sparbuch. Deutsche Banken boten schon zu Jahresbeginn im Durchschnitt eine Verzinsung von 0,95 Prozent. Bis Juni fiel dieser Wert sogar auf 0,7 Prozent.

Text: ruh., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2003, Nr. 303 / Seite 27
Bildmaterial: F.A.Z.

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