09. Juni 2005 Das Jahr 2004 war durchaus erfreulich für die Gilde der Millionäre - jedenfalls solange sie nicht aus Europa oder gar Deutschland stammen. Begünstigt durch das starke Wachstum des weltweiten Sozialproduktes sowie leicht anziehende Aktienmärkte, ist die Zahl der Millionäre im vergangenen Jahr weltweit um rund 7 Prozent gestiegen, und das Vermögen dieser Reichen hat um 8,2 Prozent auf 30,8 Billionen Dollar zugenommen. In Europa und speziell in Deutschland war das Wachstum sowohl der Anzahl der Millionäre als auch ihres Vermögens allerdings unterdurchschnittlich. Das sind die Ergebnisse des World Wealth Reports 2005, einer umfangreichen Studie über die Entwicklung des weltweiten Reichtums von Einzelpersonen, welche die Investmentbank Merrill Lynch zusammen mit der Unternehmensberatung Capgemini angefertigt hat.
Eine weitere Erkenntnis der Studie: Wohlhabende - das sind in der Sprache der Investmentbanker als "high net worth individuals" (HNWI) klassifizierte Menschen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar in Finanzaktiva - folgen nicht den Investmenttrends, sie antizipieren sie. "Während normale Anleger eher dem Herdentrieb folgen, haben HNWIs Trends frühzeitig erkannt und auch das Endes solcher Trends gut vorausgesehen", sagt Achim Küssner, Geschäftsführer Merrill Lynch Investment Managers.
Weniger Hedge-Fonds im Portfolio
So sind Hedge-Fonds in den Portfolios der Reichen dem Report zufolge auf dem Rückzug - tatsächlich hat ihre Wertentwicklung in diesem Jahr bereits nachgelassen. Statt dessen machen die Experten von Merrill Lynch als einen großen Trend in den Portfolios der Reichen "Private Equity" aus - ein Trend, dessen Potential noch lange nicht ausgereizt sei. Vor allem unter den Ultra-HNWIs - Menschen mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar in Finanzwerten - erfreuen sich diese Investments zunehmender Beliebtheit.
Insgesamt sind die Reichen in ihrer Anlagestrategie aber vorsichtiger geworden: Die Aktienquote wurde leicht von 35 auf 34 Prozent zurückgenommen, dafür investierten die Reichen verstärkt in Anleihen, die jetzt 27 Prozent der Portfolios ausmachen (2003: 25 Prozent). Den Bargeldanteil haben die HNWIs von 10 auf 12 Prozent erhöht, den Anteil der Immobilien im Portfolio von 17 auf 13 Prozent gesenkt. Leicht zugenommen hat hingegen der Anteil alternativer Investments - von 13 auf 14 Prozent.
Deutschland macht es Reichen schwer
Eindeutig auch der Befund für die deutschen und europäischen Millionäre: In Europa waren die Zuwächse sowohl der Zahl der HNWIs (plus 4,1 Prozent) als auch ihrer Vermögen (plus 3,7 Prozent) verglichen mit dem Rest der Welt unterdurchschnittlich. So stieg die Zahl der HNWIs in Amerika um 9,7 Prozent, in Asien um 8,2 Prozent, in Lateinamerika um 6,3 Prozent und in Mittleren Osten um 9,5 Prozent. Auch die Vermögenszuwächse fallen in Amerika (plus 10,2 Prozent), in Asien (plus 8,5 Prozent), in Lateinamerika (7,9 Prozent) und im Mittleren Osten (28,9 Prozent) höher aus. In Deutschland stieg die Zahl der HNWIs 2004 um 4400 auf 760000 Personen. "Dieses unterdurchschnittliche Wachstum erklärt sich mit dem schlechten Wachstum der deutschen Wirtschaft, dem komplizierten und restriktiven Steuersystem und dem schwachen deutschen Immobilienmarkt", erklärt Rainer Wilken von Capgemini.
Laut Report haben 2004 insgesamt 8,3 Millionen Menschen ein Vermögen von mehr als einer Million Dollar in Finanzaktiva gehalten; das sind 7,3 Prozent mehr als 2002. Diese Menschen finden sich vor allem in den Vereinigten Staaten (2,7 Millionen Menschen) und in Europa (2,6 Millionen Menschen), doch die gemessen an der Zahl der HNWIs größten Zuwächse verzeichneten Singapur, Hongkong, Australien und Indien. Die Anzahl der Reichsten unter den Reichen - die sogenannten Ultra-HNWIs mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Dollar in Finanzwerten - ist im vergangenen Jahr um 6300 Personen auf 77500 gestiegen; die meisten von ihnen finden sich in Amerika und Europa. In den kommenden fünf Jahren, so prognostiziert der Report, wird das Vermögen dieser Reichen um jährlich 6,5 Prozent steigen auf dann 42 Billionen Dollar im Jahr 2009.
Text: hbe., F.A.Z., 10.06.2005, Nr. 132 / Seite 19
Bildmaterial: AP
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