26. Oktober 2006 Bei den europäischen Bankaktien werden die Anleger zunehmend auf die Qualität der Einzelwerte schauen. Nach dem kurzfristigen Schock an den Kapitalmärkten im Frühsommer sind in den vergangenen Monaten die Banken- und Finanzwerte zwar allgemein wieder zu einer tragende Säule des Aktienmarktaufschwungs geworden. Doch nach Ansicht von Fachleuten nehmen auch die Risiken wieder zu und könnten bei manchen Banken einen Rückschlag zur Folge haben.
Beflügelt von einem Aufwind in fast allen Geschäftsfeldern, ist der Dow Jones Stoxx Banks, der die wichtigsten europäischen Werte der Branche umfaßt, seit Jahresbeginn um 17,6 Prozent gestiegen. Der Dow Jones Stoxx Financials mit Versicherungen und Finanzdienstleistern ist - vor allem angetrieben durch die Börsenkonsolidierung - gar um 33,4 Prozent nach oben geklettert. Dagegen konnte der breit gefaßte Dow Jones Stoxx 600 nur ein Plus von 15 Prozent verbuchen. Auch am deutschen Aktienmarkt haben die Bankenwerte besser abgeschnitten als der Gesamtmarkt.
Schlußlichter HSBC und Commerzbank
Die europaweit beste Bankaktie im Stoxx-600-Index ist die österreichische Raiffeisen International. Der Kurs der auf Osteuropa spezialisierten Bank ist nach einer zweimaligen Anhebung der Gewinnprognose seit Jahresbeginn um mehr als 60 Prozent gestiegen.
Zu den Schlußlichtern zählen dagegen die unter Abschreibungen im heimischen Privatkreditgeschäft leidenden britischen Banken wie die HSBC und die Royal Bank of Scotland sowie die Commerzbank, deren Kurs nach dem starken Anstieg des Vorjahres 2006 lediglich um etwa 7,5 Prozent zugelegt hat.
Zweifel, ob das weiter so steigt
Europas Banken hatten in diesem Jahr vom glänzenden Kapitalmarktumfeld und von den zuletzt noch moderaten Zinsen profitiert. Doch der Wind könnte sich schon bald drehen: Im zweiten Halbjahr und noch viel mehr im kommenden Jahr könnten sich die Banken in einem weniger angenehmen Umfeld wiederfinden, heißt es in einer Analyse der Ratingagentur Standard & Poor's: Die Zinsen im Euro-Raum werden weiter steigen, das Wachstum in Europa könnte abflachen und die Finanzstärke der Unternehmen schwächer werden.
Auch der florierende Markt für Fusionen und Übernahmen, eine wichtige Einnahmequelle für die großen Investmentbanken, könnte in einem Umfeld steigender Zinsen wieder abflauen. Das gleiche gilt für die Kreditnachfrage der Beteiligungsfonds und das Prime-Brokerage-Geschäft mit den Hedge-Fonds. Ich habe meine Zweifel, ob das weiter so steigt wie in der Vergangenheit, sagt Konrad Becker von Bankhaus Merck Finck & Co.
Erwartungen der Märkte überflügelt
In Amerika ist dieser Trend schon ersichtlich. Dort hatte die weltgrößte Citigroup im dritten Quartal einen schwächeren Gewinnanstieg vermeldet als vom Markt erwartet. Die drittgrößte amerikanische Bank JP Morgan Chase hatte zudem mitgeteilt, sie stelle sich auf ein schwächeres Kreditgeschäft ein.
In Europa ist dies jedoch noch nicht zu sehen. Im Gegenteil haben beispielsweise große spanische Banken wie Santander oder BBVA im dritten Quartal die Erwartungen der Märkte überflügelt. Zudem können die europäischen Großbanken nach Ansicht von S&P-Analyst Alberto Buffa di Perrero die Folgen einen leichten Abschwungs größtenteils abfedern. Die Banken hätten eine breitere Einnahmebasis und ein besseres Risikomanagement als früher, schreibt di Perrero in einer Studie.
Die Deutsche Bank spielt in einer anderen Liga
Diese Aussage gilt jedoch nicht unbedingt für die deutschen Banken, die in den nächsten Wochen die Zahlen des dritten Quartals präsentieren werden. In den kommenden beiden Jahren wird es viel schwieriger werden, ähnliche Gewinnsteigerungen zu erreichen wie in den Jahren davor, sagt Becker.
Das gelte vor allem für Banken wie die Commerzbank, Dresdner Bank und Hypo-Vereinsbank. Die Deutsche Bank spielt in einer anderen Liga. Deutschlands größte Bank, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2007 von 9,5 viel niedriger bewertet ist als die europäischen Wettbewerber, habe in den vergangenen Jahren nicht nur die Kosten gesenkt, sondern auch die Einnahmebasis verbreitert.
Zwar erwarten die Analysten im dritten Quartal nach dem sehr guten ersten Halbjahr keinen weiteren Gewinnsprung. Aber das ist im Kurs schon eingepreist, sagt Becker.
Historische Tiefstände
Von steigenden Zinsen profitieren werde die Deutsche Postbank, die sehr stark von den Einlagen ihrer Kunden lebt, sagt Thomas von Lüpke, Analyst der Ratingagentur Fitch. Bei den anderen deutschen Großbanken stellt sich nach Ansicht Beckers aber die Frage, wo die Ertragssteigerungen künftig herkommen sollen.
Zumal die in den vergangenen Jahren auf historische Tiefstände gesunkene Risikovorsorge eher wieder steigen werde. Vorreiter ist hier die Commerzbank, die vor kurzem eine zusätzliche Risikovorsorge von rund 300 Millionen Euro ankündigte.
Text: da. / F.A.Z., 27.10.2006, Nr. 250 / Seite 23
Bildmaterial: F.A.Z.
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|---|---|---|---|
Aktien-Index10.11.2009 13:00 |
1348,03 | 1324,81 | 1261,80 |
Performance-Index10.11.2009 17:35 |
296,14 | 292,84 | 274,43 |
Euro-Aktien-Index10.11.2009 17:35 |
142,02 | 136,71 | 125,07 |
| Tops & Flops | Kurs | in % |
| E.ON | 27,60 € | +2,49% |
| Volkswagen | 104,15 € | +2,11% |
| Dt. Boerse | 57,05 € | +1,51% |
| Daimler | 34,30 € | +1,37% |
| RWE | 61,55 € | +1,28% |
| FMC | 35,74 € | +0,20% |
| Linde | 77,70 € | +0,05% |
| Lufthansa | 11,12 € | −0,09% |
| Henkel Vz | 32,25 € | −0,46% |
| K+S | 38,21 € | −1,01% |
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| DAX | 5.662,89 | +0,89% |
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| S&P500 | 1.093,01 | −0,01% |
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| Rohöl Brent Crude | 77,65 $ | +0,19% |
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