Behavioral Finance

Disziplin heißt das Erfolgsrezept

17. März 2001 Wer sich mit Behavioral Finance beschäftigt und die Erkenntnisse dieser Theorie plausibel findet, wird sich schnell fragen, was er in der Praxis davon hat. Einsichtige Anleger werden sich vornehmen, die anderen Marktteilnehmer zu beobachten, weniger selbstgefällig zu handeln, die Handelsaktivitäten zurückzuschrauben, sich mehr Zeit bei der Entscheidungsfindung zu lassen und sich nicht an Verliereraktien zu klammern.

Schon wer diese Punkte beherzigt, wird vermutlich in der Lage sein, seine Performance zu verbessern. Doch da der Mensch, und ganz besonders die Männer (lesen Sie dazu den Link: „Frauen machen weniger Anlagefehler als Männer“), offenbar nicht dazu geboren ist, rational vorzugehen, handelt es sich bei der Einhaltung der Vorsätze um ein schwieriges Unterfangen.

Es ist zu befürchten, dass trotzdem immer wieder Fehler passieren. Deshalb ist es zumindest überlegenswert, ob es für viele Anleger nicht das Beste wäre, sich die Vorgehensweise von Terrance Odean (siehe dazu den Link. „Menschen wollen keine Fehler zugeben“) zu übernehmen. Den zu den Vordenkern in der Behavioral Finance Forschung zählenden Professor der University of California haben seine eigenen Forschungsergebnisse praktisch zur Kapitulation getrieben.

Indexfonds als Alternative

Odean legt mit dem Wissen, wie unwahrscheinlich es ist, eine Überrendite zu erzielen, sein Geld nur noch in Indexfonds an. Damit nimmt er sich zwar den spekulativen Kitzel von Einzelanlagen, doch gleichzeitig ist er besser gefeit gegen eigene Fehleinschätzungen. Wahrscheinlich schläft er mit dieser Strategie auch besser als die meisten Zocker.

Und denjenigen, die auf den Adrenalinkick der Anlage in Einzelaktien nicht verzichten wollen, denen rät er dazu, 90 Prozent in Indexfonds zu investieren und mit den restlichen zehn Prozent den Spieltrieb auszuleben. Selbst wenn dieses Geld dann verzockt würde, schneiden aus Odeans Sicht die meisten Anleger noch immer besser ab, als wenn sie mit ihrem gesamten Kapital versucht hätten, den Gesamtmarkt zu schlagen.

Aber auch das gelingt vermutlich nur, wenn man die Devise von Joachim Goldberg, den in Deutschland bekanntesten Behavioral Finance-Vertreter beherzigt. Dessen einfaches Erfolsrezept lautet: Disziplin, Disziplin und nochmals Disziplin. Denn nur so kann die eigene Psyche, und damit das größte Hindernis auf dem Weg zum Börsenglück, aus dem Weg geräumt werden.

Text: @jüb

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