11. Dezember 2006 Wir schaffen für Yale 16 Prozent Rendite - jedes Jahr, erklärt David Swensen im folgenden Interview und erzählt weiter, wie er der Universität Yale zu Milliarden verhilft und warum Privatanleger keine Chance haben, ihm nachzueifern.
Swensen verwaltet den Stiftungsfonds der amerikanischen Yale University. Dem Yale-Absolventen und Schützling des Nobelpreisträgers James Tobin wurde das Kapital 1985 mit 31 Jahren anvertraut. Zuvor hatte Swensen sechs Lehrjahre an der Wall Street verbracht, drei bei Lehman Brothers, drei bei Salomon Brothers. Seither hat er das Geld Jahr für Jahr um durchschnittlich 16 Prozent vermehrt. Das macht ihn zu einem der erfolgreichsten institutionellen Vermögensverwalter der Welt. Swensen hat zwei Bücher geschrieben, davon eines für Privatanleger: Erfolgreich investieren.
Herr Swensen, wo kommt das Geld für die Yale-Universität her?
Unsere wichtigste Einnahmequelle sind die Erträge, die die Anlage der Stiftungsgelder bringt. Hinzu kommen Studiengebühren, staatliche Gelder und Spenden.
Sie haben die Stiftungsgelder in den vergangenen 20 Jahren erfolgreich vermehrt. Wie haben Sie das gemacht?
Wir schaffen für Yale durchschnittlich 16 Prozent Rendite im Jahr. Der wichtigste Grund für die hohen Gewinne: Wir haben den Anteil von Aktien und Anleihen im Portfolio erheblich reduziert und statt dessen verstärkt in alternative Anlageklassen investiert. Unser Ziel war dabei eine große Streuung des Portfolios und die Möglichkeit, unabhängig von den Bewegungen der Aktien- und Anleihemärkte stabile Renditen zu erzielen.
Funktioniert Ihre Strategie?
In den vergangenen 21 Jahren gab es nur ein Jahr mit Verlusten - das war 1987, als es an Wall Street einen Crash gab. Wir haben noch nicht mal ein Prozent eingebüßt.
Wie genau sieht Ihr Portfolio aus?
Zwölf Prozent stecken in amerikanischen und 15 Prozent in internationalen Aktien, nur vier Prozent in amerikanischen Staatsanleihen. Das meiste Geld haben wir in alternativen Anlagen investiert: 25 Prozent in Absolute-Return-Anlagen wie Hedge Fonds, die unabhängig vom Aktien- und Anleihemarkt Gewinne erzielen, und 27 Prozent in Immobilien, Nutzholz, Öl und Gas. Weitere 17 Prozent entfallen auf Private Equity.
Welche Anlage hat sich am meisten rentiert?
Private Equity hat sehr viel und sehr beständig zu unseren Erträgen beigetragen: rund 30 Prozent.
Als Sie vor 20 Jahren in Hedge Fonds und Private Equity investierten, war das noch ungewöhnlich. Heute macht es jedermann. Sinken da nicht die Renditen?
Diese Märkte waren in den vergangenen 25 Jahren außergewöhnlich gewinnbringend. Ich kann mir schwer vorstellen, daß es so weitergeht. Wenn wir auch in Zukunft eine überragende Wertentwicklung sehen wollen, dann nicht wegen der Struktur unseres Portfolios, sondern weil wir die besten Manager für Private Equity, Hedge Fonds und Immobilien finden.
Welche Anlageklasse wird künftig die größten Chancen bieten?
Das ist schwer zu sagen. Ich sehe heute keine Anlageklasse, die man unbedingt haben muß, nur weil sie so attraktiv bewertet ist.
In einem Artikel für die New York Times haben Sie gefordert, einfachen Anlegern den Kauf von Hedge Fonds zu verbieten. Warum?
Die Welt der Hedge Fonds ist eine Arena, in der unbedarfte Anleger nichts zu suchen haben. Ihnen fehlen einfach die nötige Zeit und die Mittel, um aktive und anspruchsvolle Investmententscheidungen zu fällen. Ich sähe es deshalb lieber, wenn die Hürde für Investitionen in diesen unregulierten Markt für Privatanleger außerordentlich hoch ist - so hoch, daß die überwältigende Mehrheit nicht an Hedge Fonds herankommt. Das Risiko, daß sie am Ende nur enttäuschende Erträge verbuchen, ist extrem hoch. Die Chance, daß es gut ausgeht, ist verschwindend gering.
Aber es gibt doch ganz konservative Hedge Fonds, die mit geringem Risiko stabile einstellige Renditen erzielen. Warum sollten Privatanleger die nicht kaufen dürfen?
Privatanlegern fehlen die fachlichen und finanziellen Ressourcen, über die professionelle Investoren verfügen. Die brauchen sie aber, um erstklassige Anlageentscheidungen zu treffen. Durchschnittlichen Anlegern fehlt die Ausbildung. Die meisten haben einen Job, der den Großteil ihrer Aufmerksamkeit erfordert. Sie denken vielleicht am Wochenende ein paar Stunden über Geldanlage nach. Das genügt aber nicht, um die komplizierten Hedge Fonds zu verstehen.
Damit rauben Sie Privatanlegern die Chance auf hohe Renditen!
Ich glaube nicht, daß Privatleute Zugang zu den besten Hedge Fonds hätten - und das noch zu einem fairen Preis. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist praktisch gleich Null. Die besten Hedge-Fonds-Manager wollen Kunden, die verstehen, was sie tun.
Und was ist mit Dach-Hedge-Fonds, sind die auch tabu?
Da haben sie eine adverse Selektion: Der Dachfonds kann nur in minderwertige Hedge Fonds investieren, weil die besten Hedge-Fonds-Manager das Geld der Dachfonds gar nicht haben wollen. Dann kommen noch die Gebühren hinzu: Hedge Fonds verlangen schon außerordentlich hohe Gebühren, der Dachfonds-Manager will auch Geld sehen. Das Ergebnis: die Renditen der Dach-Hedge-Fonds werden mit Sicherheit enttäuschen.
Wie sollen Privatanleger denn ihr Geld investieren?
Sie können kein aktiv gemanagtes Depot zusammenstellen wie Yale. Die beste Strategie für Privatleute ist, nur in Anlageklassen zu investieren, für die es Indexfonds gibt. Die geben zu niedrigen Kosten und meist steuergünstig die Erträge von Aktien und Anleihen weiter. Es gibt eine genügend große Auswahl, um ein Portfolio gut zu diversifizieren. Man kann mühelos in den heimischen Aktienmarkt, andere etablierte Aktienmärkte, Emerging Markets, Staatsanleihen und Immobilienaktien investieren.
Mehr ist nicht drin?
Nein, Sie können nur dann aggressiv und aktiv investieren, wenn Sie Profi sind und die nötigen Ressourcen besitzen. Als Privatmann müssen Sie passiv am Markt teilnehmen. Wer in der Mitte landet, und da treffen Sie die meisten Privatanleger, hat einen sehr unbequemen Platz erwischt: Er trifft aktive Anlageentscheidungen - ohne den nötigen professionellen Background. Das kostet Rendite.
Warum haben Privatleute keine Chance, den Markt zu schlagen?
Sehen Sie sich den Fondsmarkt an: Nach Abzug aller Gebühren und Provisionen verdient ein privater Anleger weniger als der Markt. Das erste Problem: Investmentfonds für Privatanleger sind schlecht gemanagt und zu teuer. Deshalb schneiden die meisten Fonds schlechter ab als der Markt.
Und das zweite Problem?
Anleger erzielen mit Fonds nur einen Bruchteil der Erträge, die der Fonds in jedem Jahr macht, weil sie immer erst kaufen, wenn ein Fonds schon gut gelaufen ist, und verkaufen, wenn er enttäuscht hat.
Ein Beispiel bitte!
Nehmen Sie die zehn Technologieaktienfonds, die 1996 bis 2003 die beste Wertentwicklung aufwiesen. Sie schossen hoch und fielen tief. Im Durchschnitt haben sie eine jährliche Rendite von 1,5 Prozent erzielt. Das ist keine große Sache. Aber was haben die Anleger daraus gemacht? Minus 72 Prozent. Die Anleger haben so viel mehr verloren als die Fonds, weil das meiste Geld erst 1999 und 2000 in die Fonds floß.
Manager von Private Equity oder Hedge Fonds werden oft für ihre hohen Gehälter kritisiert. Sind die noch zu rechtfertigen?
Ich kann mich darüber nicht aufregen, auch wenn einige außergewöhnlich viel verdienen. Es ist ja nicht so, daß sie mit Drogen dealen oder gesetzeswidrig handeln. Anleger geben ihnen die Gelegenheit, viele Millionen Dollar im Jahr zu verdienen.
Aber sind die Gebühren, also die Gehälter, nicht oft absurd hoch?
Mir gefällt die Gebührenstruktur der großen Private-Equity- und Hedge Fonds natürlich nicht. So wie sie gebaut sind, werden die Manager reich, selbst wenn der Fonds jämmerliche Renditen abwirft. Aber lächerlich hohe Gebühren sind ja kein Verbrechen. Die Anleger geben den Managern das Geld ja freiwillig. Das mag nicht besonders schlau sein. Aber warum sollte der Staat hier intervenieren?
Das regelt sich selbst?
Ja, ich glaube an die Selbstheilungskraft des Marktes.
Das Gespräch führte Catherine Hoffmann.
Yale schlägt Harvard
Amerikanische Eliteuniversitäten leben vor allem von ihren Stiftungen. Genauer gesagt: Sie leben davon, daß die vielen Milliarden, die ihnen zur Verfügung stehen, gewinnbringend angelegt werden. Das ist die Aufgabe des Chief Investment Officer, einer Art Geldanlage-Chef. Unter ihnen ist ein wahrer Wettbewerb entbrannt, wer am meisten für seine Universität gewinnt. Es sind zwei Dinge, die sich die Universitäten von ihrem obersten Geldverwalter wünschen: hohe Rendite und hohe Sicherheit. Weil beides zusammen so schwer zu bekommen ist, genießen die wenigen Investoren, denen das Kunststück gelingt, einen Kultstatus in der Welt der institutionellen Anleger. Im vergangenen Jahr hatte die Yale Universität mit einem Wertzuwachs von 22,9 Prozent die Nase vorn. Stanford erzielte 19,4 Prozent und Harvard 16,7. Auch langfristig ist Yale der Sieger. Der Chef des Stiftungsfonds, David Swensen, hat in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt mehr als 17 Prozent Gewinn erwirtschaftet - mehr als seine Konkurrenten und deutlich mehr, als am Aktienmarkt zu verdienen gewesen wäre. Der Standard & Poor's Aktienindex der 500 größten amerikanischen Unternehmen beispielsweise gewann in der gleichen Zeit lediglich acht Prozent. Wie das möglich ist? Swensen und seine Kollegen von Stanford oder Harvard bescheiden sich nicht mit den Renditen von Staatsanleihen. Auch Aktien spielen im Portfolio nur eine Nebenrolle. Ein großer Teil der Stiftungsgelder wird in alternative Anlagen wie Beteiligungsfonds (Private Equity), Hedge- Fonds, Immobilien und andere reale Vermögenswerte wie Rohstoffe investiert. Das macht unabhängig vom Auf und Ab am Aktienmarkt und ermöglicht höhere Erträge.
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 10.12.2006, Nr. 49 / Seite 51
Bildmaterial: F.A.Z.-Jan Roeder
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