Charttechnik

Die Talfahrt der Aktien ist noch nicht vorbei

Von Mark Arbeter

08. März 2007 Die Marktausschläge der vergangenen Woche haben in der englischsprachigen Finanzwelt für zahlreiche mehr oder weniger flotte Schlagzeilen gesorgt, wie: „The China Syndrome“, „Emerging Markets Meltdown“, „The Return of Volatility“, „Deep VIXed“ (in Anspielung auf den kurz VIX genannten Volatilitätsindex der Chicago Board Options Exchange), „Crash and Carry“, „When China Sneezes U.S. Catches Cold“ und viele mehr.

Am 27. Februar hatte der S&P-500 mit einem Kursrutsch von 3,74 Prozent seinen schlechtesten Tag seit dem 24. März 2003. Weitaus erstaunlicher ist allerdings, dass er zuvor über einen Zeitraum von 45 Monaten - oder 949 Tagen - an keinem Tag Kursverluste von mehr als zwei Prozent einfuhr. Mit seinem Rückgang von 2,2 Prozent im Februar ist zudem seine acht aufeinander folgende Monate andauernde Strähne monatlicher Kursgewinne abgerissen.

Kein Grund zum feiern

Leider haben wir damit wahrscheinlich das Ende der einschläfernden Kursveränderungen gesehen, an die wir uns gewöhnt und die uns verwöhnt hatten. Unserer Ansicht nach wird uns die Volatilität begleiten, bis sich die gegenwärtige Korrektur totgelaufen hat. Lange Intervalle ohne Kursrückgänge um mindestens zwei Prozent an einem Tag werden häufig von Zwölfmonatsperioden mit erhöhter Abwärtsvolatilität abgelöst werden.

Für den S&P-500 war dies der erste Monatsverlust seit Mai 2006, als der Index um 3,09 Prozent absackte. Für den Index, der am 4. März 2007 seinen 50. Geburtstag beging, war der Abriss dieser langen Gewinnsträhne wahrlich kein Grund zum Feiern. Die seit 1970 längste Gewinnsträhne des S&P-500 dauerte übrigens neun Monate, von August 1982 bis April 1983. Daneben gab es drei weitere Strähnen, die jeweils acht Monate währten: 1980, von der zweiten Jahreshälfte 1994 bis 1995 sowie 1996.

Wenn dies der Auftakt zu einer Korrektur war, dann deutet die bisherige Kursentwicklung jedenfalls nicht auf den üblichen Beginn einer Abwärtsbewegung hin. Den am 27. Februar eingetretenen starken Einbruch bei großem Volumen trifft man üblicherweise eher nach einer längeren Korrektur oder gegen Ende eines Rückgangs an. Es ist sehr selten, dass ein deutlicher Kursrutsch so nah bei jüngsten Erholungshochs oder Allzeithochs einsetzt. Wir gehen daher davon aus, dass viele Fundamentalanalysten und Charttechniker in gewisser Weise wie der Ochs vorm Berg stehen.

Passable Unterstützung gefunden

Glücklicherweise sind wir nicht der Auffassung, dass die Regeln der Marktanalyse für die Katz' sind. Vielleicht müssen nur die Lehrbücher aktualisiert werden. Wir denken, dass uns der S&P-500 auf kurze Sicht genügend Beweise geliefert hat, um auf ein kleineres Tief schließen zu können. Einschließlich des Intraday-Tiefs vom 27. Februar fand der Index eine passable Unterstützung im Bereich zwischen 1.380 und 1.400 Punkten. Hier sind einige technische Unterstützungen angesiedelt, die nach unserer Meinung den Rückgang aufgehalten haben, zumindest auf sehr kurze Sicht.

Darüber hinaus verläuft eine Trendlinie genau in der Nähe von 1.400 Punkten, die aus den seit 2004 verzeichneten Höchstständen abgeleitet ist. Diese Trendlinie war einst die Obergrenze eines Haussekanals und zunächst ein Widerstand. Als der S&P-500 die Grenze dieses Kanals nach oben durchbrach, wurde aus der oberen Trendlinie eine potentielle Unterstützung. Ferner kam bei 1.404 Punkten das erste wichtige Fibonacci-Retracement von 23,6 Prozent der 19,3-prozentigen Rally seit Juni ins Spiel.

Neue Tiefs drohen

Eine weitere wichtige Information, die uns zu der Überzeugung einer sehr kurzfristigen Bodenbildung gelangen lässt, gründet sich auf die Kursentwicklung vom 1. März. Der S&P-500 bildete eine ziemlich große Hammerformation aus, die häufig ein wichtiges Tief markiert. Der Markt stieg von den Tiefs dieses Tages wieder stark an, was darauf hindeutete, dass Anleger ihre Short-Positionen deckten und wieder zurück in den Ring traten, um die Chancen auszuloten. Diese nach einem Rückgang auftretenden scharfen Intraday-Kehrtwenden werden noch mehrere Male zu Kurssteigerungen führen.

Doch nun die schlechte Nachricht. Sobald sich der kurze Wiederanstieg nach etwa ein bis zwei Wochen totgelaufen hat, wird der Markt nach unserer Einschätzung auf neue Tiefs vorrücken. Korrekturen benötigen sowohl Kursrückgänge als auch einen angemessenen Zeitraum, um einige der sich seit Sommer vergangenen Jahres aufgebauten Exzesse zu beseitigen.

Die gute Nachricht: aufgrund des unerbittlichen Anstiegs des S&P-500 und vieler anderer Indizes sowie durch das Fehlen von Handelsspannen oder Konsolidierungen in den Charts könnte die Korrektur relativ schnell ablaufen. Bis hinunter in den Bereich von 1.300 bis 1.326 Punkten bietet sich für den S&P-500 nur äußerst minimale Chartunterstützung. Bei 1.326 befand sich im vergangenen Mai das letzte mittelfristige Top des Index.

Potential für einen raschen Rückgang

Wir gehen also davon aus, dass Potential für einen raschen Rückgang bis zu dieser ersten Chartunterstützung vorhanden ist. Auf der Suche nach weiteren potentiellen Unterstützungsniveaus fällt der Blick auf die Fibonacci-Retracements: das Retracement von 38,2 Prozent liegt bei 1.369, das von 50 Prozent bei 1.342 und das von 61,8 Prozent verläuft bei 1.314 Punkten.

Weitere mögliche Unterstützungen kommen von dem exponentiell gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei 1.365, dem einfachen 200-Tage-Durchschnitt bei 1.344 und dem exponentiellen 65-Wochen-Durchschnitt bei 1.335 Punkten. Zudem verhilft eine von den Tiefs der vergangenen Jahre abgeleitete Trendlinienunterstützung zu einer langfristigen Unterstützung genau unterhalb der Grenze von 1.300 Punkten.

Abwärtspotential bei Schwellenländern

Am meisten Sorge bereiten uns die Schwellenmärkte. Börsengehandelte Fonds mit Aktien mexikanischer, brasilianischer und natürlich chinesischer Unternehmen sind ins Visier der Anleger und ihrer Finanzmittel geraten. Trotz der jüngsten starken Verluste gehen wir von weiterem Abwärtspotential aus.

Unsere Anfang Januar durchgeführte Analyse leuchtete den iShares FTSE/Xinhua China 25 Index Fund aus („Chinese Correction“ der Aktienmärkte?). Zu dieser Zeit erreichte der FXI gerade seinen Höchststand, nachdem er seit Juni um 76 Prozent und in einem Monat um 24 Prozent nach oben schoss. Es handelte sich hier um ein klassisches Blow-Off-Top mit einem parabolischen Anstieg am Ende - in unseren Augen ein klarer Fall von aggressiver Spekulation mit bevorstehendem bösen Erwachen.

Seit dem Höchststand vom 3. Januar hat der FXI fast 18 Prozent verloren. Das nach unserer Auffassung aus technischer Sicht auftretende Problem besteht darin, dass aufgrund fehlender Chartunterstützung infolge des parabolischen Anstiegs praktisch keine Unterstützung im Abwärtsbereich zwischen 80 und 85 vorhanden ist, was ausgehend vom gegenwärtigen Kursniveau einen Rückgang um weitere 11 bis 17 Prozent bedeutet.

Amerikanische Staatsanleihen profitieren

Profiteur dieser Instabilität der Aktien ist nach unserer Ansicht der amerikanische Staatsanleihenmarkt. Die Rendite der als Benchmark verwendeten zehnjährigen Staatsanleihen befindet sich bei einem wichtigen Chart- und Trendlinienwiderstand im Bereich zwischen 4,4 und 4,5 Prozent. Ein Ausbruch unter diesen Bereich könnte der Auftakt zu einem weiteren Renditerückgang in die Zone zwischen 4,0 und 4,2 Prozent sein. Diese Abwärtsbewegung der Renditen hängt stark von der Entwicklung des Aktienmarkts im kommenden Monat ab.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.



Text: Business Week Online
Bildmaterial: FAZ.NET

 
IndexPunkteProzent
Europa
Dax 5.472,91 -32,68
STOXX 50 2.953,73 -35,61
FTSE 100 4.712,42 -30,42
CAC 40 3.823,27 -36,47
Welt
DowJones 10.079,99 -29,22
Nasdaq 1.855,46 -32,99
Nikkei 225 10.155,90 -40,49
Hang Seng 16.803,76 -39,62
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Länder Performance
Top Indizes1 Jahr
I.G.P.A. INDEX -21,45
MEXICO IPC INDEX -26,27
KUALA LUMPUR KLSE COMPOSITE IN -27,37
IBEX 35 INDEX -27,98
SWISS MARKET INDEX(SMI) -28,83
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Branchen Performance
Top CDax Branchen1 Jahr
DAXSECTOR TELECOMMUNICATION -12,97
DAXXSECTOR PHARMA & HEALTHCARE -12,99
DAXSECTOR CHEMICALS -22,12
DAXSECTOR UTILITIES -22,31
DAXSECTOR CONSUMER -29,91
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Fonds Performance
Top Kategorien1 Jahr
Renten CZK +15,97
Renten USD Hypotheken +7,26
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Renten Europa Emerging Market +5,03
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