Richard Olsen

Im Chaos der Devisenkurse eine Ordnung suchen

Von Thomas Schmitt

Richard Olsen öffnet Devisenspekulation für Privatanleger

Richard Olsen öffnet Devisenspekulation für Privatanleger

Richard Olsen hütet einen Datenschatz. Seit über einem Jahrzehnt sammelt er 10.000 Daten pro Tag und Währung. Mit einer Internetplattform für jedermann lässt er jetzt seine Kunden an Devisenprognosen teilhaben.

Der Mensch

Schon in der Schule fragte sich Richard Olsen: „Warum arbeiten die Banken so unwissenschaftlich?“ Der Schweizer studierte Jura und Wirtschaft, um Banker zu werden. Doch dann siegte der Forscherdrang. Früh entdeckte er die Devisenmärkte, den größten Handelsplatz der Welt - mehr als 1.000 Milliarden Dollar werden hier täglich um den Globus gejagt. Olsen gründete in Zürich eine kleine Forschungsgemeinschaft, die seit Ende der achtziger Jahre zuerst nur alle Devisenkurse sammelte, die zu bekommen waren. Diesen Datenschatz - 10.000 Daten pro Tag und Währung - pflegte und analysierte Olsen. Schon bald formulierte er Devisenprognosen, die er an Banken verkaufte. Später entwickelte er Handelsmodelle für Profis. Heute betreibt er mit Oanda eine Devisenplattform für jedermann.

Das Konzept

Der Devisenmarkt ist für Olsen das Herzstück einer gesunden Wirtschaft. Die Kurse und ihre Entwicklung hält er nicht für gottgegeben oder zufällig. Sie werden von Menschen gestaltet, und deshalb finden seine Mathematiker und Physiker in dem scheinbar chaotischen Datensalat Muster und Ordnungsprinzipien. Das Rüstzeug dafür liefert die Chaostheorie. Über Milliarden von Einzeldaten analysiert er das Verhalten verschiedener Investoren. Er erhält Reaktionsreihen, die Basis für Prognosemodelle und Computervorhersagen sind.

Die Lehre

Olsen möchte, daß jedermann am Devisenmarkt mitmischt. Über www.oanda.com ermöglicht er das seit ein paar Jahren. Schon mit 20 Dollar Einsatz gelingt es, Devisen im Wert von 400 Dollar zu handeln. Solche Hebel benutzen sonst nur Profis. Noch brauchen Anleger einen Internetanschluß, in ein paar Jahren soll das auch über Handys gehen.

Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Bildmaterial: F.A.Z.

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