25. Februar 2008 Optimistische Strategen und andere Verkäufer finden immer Gründe, um Anlegern ihre Produkte schmackhaft zu machen. Entsprechend kritisch sollten sie betrachtet werden.
Das gilt auch für Empfehlungen, sich nach den Kursverlusten der vergangenen Wochen nun Aktien ins Depot zu legen, da sie inzwischen sehr günstig geworden seien. Denn günstig wären sie nur, wenn die Unternehmen die hohen Gewinn- und Umsatzerwartungen des Marktes erfüllen könnten. Daran gibt es jedoch Zweifel.
Zu hohe Wachstums-, Umsatz- und Gewinnerwartungen ...
In einer Studie weisen die Analysten vom Schweizer Bankhaus Sarasin darauf hin, dass eine Rezession in Amerika aufgrund hoher Energie- und Rohstoffpreise, einem schwachen Arbeitsmarkt, fallenden Häuserpreisen und dem schwächelnden Konsum kaum vermeidlich sei. Deswegen werde sich das negative Gewinnwachstum im Finanzsektor im Verlauf des Jahres auf die übrigen Branchen und auf andere Regionen ausweiten.
In das gleiche Horn stoßen die Aktienstrategen der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim. Die fallenden Renditen an den Rentenmärkten sowie die Korrektur im Baltic Dry-Index deuteten darauf hin, dass noch zu viele Anleger vom so genannten Decoupling ausgingen. Aus diesem Grund rechneten sie mit einer zu robusten Konjunktur in Europa und in den Schwellenländern. Genau diese Erwartung habe zu einer hohen Renditedifferenz zwischen amerikanischen und europäischen Staatsanleihen sowie relativ hohen Umsatz- und Gewinnerwartungen bei europäischen Unternehmen geführt.
Gerade auch in Deutschland sind die Unternehmen noch sehr optimistisch. Das zeigte sich in den vergangenen Tagen sowohl an den Ausblicken, die im Rahmen der Berichterstattung gegeben wurden, als auch an den Insiderkäufen an den Börsen. Sowohl Anleger als auch Unternehmen scheinen auszublenden, dass die Schwellenländer in der vergangenen Rezession deutliche Wachstumseinbußen hinnehmen mussten, obwohl sie nicht direkt oder kaum von der Korrektur im Technologiebereich betroffen wurden.
Im jetzigen Umfeld dagegen dürften sie die Folgen eines abnehmenden Konsums in den Vereinigten Staaten und anderen Regionen mit platzenden Immobilienblasen direkt in Form einer abflauenden Nachfrage nach ihren Produkten zu spüren bekommen können. Sollten die Volkswirtschaften der Schwellenländer sich weniger robust entwickeln als erwartet, dürfte das an den europäischen Unternehmen nicht spurlos vorbei gehen. Schon gar nicht an den deutschen, die stark exportlastig sind.
... im Vergleich mit den sich abzeichnenden Wachstumsrisiken
Die Analyse von Sal. Oppenheim zeigt, dass sie rund 20 Prozent ihrer Umsätze in den Schwellenländern erzielen. In den vergangenen zehn Jahren haben die Exporte nach Mittel- und Osteuropa ihren Anteil an der Gesamtheit mehr als verdoppelt auf zuletzt zehn Prozent. Auf diese Weise wurden die Effekte des schwachen Dollars mehr als überkompensiert, da gleichzeitig die Exporte nach Asien wenigstens leicht gesteigert werden konnten. Auf der anderen Seite liegen die Hauptexportmärkte der deutschen Unternehmen bisher in Westeuropa. Hielten sich die Ausfuhren nach Spanien, Großbritannien und Frankreich in den vergangenen Jahren robust auf hohem Niveau, so sieht die Zukunft weniger rosig aus.
Sowohl in Großbritannien als auch in Spanien sowie in Teilen Frankreichs, Italiens und Irlands sind die Konsumenten schon stark verschuldet, die Hauspreise fallen und das Kreditangebot geht deutlich zurück. Sehr wahrscheinlich geht aus diesen Gründen die wirtschaftliche Dynamik in diesen Regionen zurück und schwächt indirekt die Nachfrage nach deutschen Exportgütern. Selbst über den Exportmärkten in Mittel- und Osteuropa sowie in Asien ziehen leichte bis stärkere Wolken auf (siehe auch: Ungarn: Schwaches Wachstum - angeschlagene Börse). Sie zeigen sich in Form steigender Inflationsraten, die die Zentralbanken zu einer restriktiveren Politik zwingen können.
In diesem Umfeld seien die Wachstumserwartungen vielfach noch zu hoch, und die daraus abgeleiteten Umsatz- und Gewinnprognosen noch zu optimistisch, so Sal. Oppenheim. Sie senken deswegen ihre Gewinnschätzungen für die deutschen Unternehmen im zyklischen Sektor deutlich. Dagegen betrachten sie den Konsumbereich vergleichsweise positiv. Immerhin würden die deutschen Konsumenten nicht mit fallenden Häuserpreisen konfrontiert, während sie von hohen Lohnabschlüssen profitieren könnten.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Sal. Oppenheim, Thomson Financial, Sarasin
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