13. August 2007 Nach einigen Tagen mit Kursturbulenzen scheint am Montag die Welt der internationalen Anleger zumindest kurzfristig wieder schön zu sein. Wer will es ihnen verdenken, angesichts optimistischer Äußerungen von Vermögensverwaltern, Anlagestrategen und gar Zentralbankern?
Was soll schon passieren an den Finanzmärkten, wenn gerade letztere angesichts auch nur leichter Anzeichen einer Korrektur der vergangenen Exzesse im Kreditbereich in den Markt kommen und Milliarden und Abermilliarden frischer Liquidität in den Markt pumpen als ob es kein Morgen gäbe, werden sich viele Anleger fragen?
Lädt der Trichet-Put zu neuen Spekulationen ein?
Oder - was soll das Geschwätz über den angeblich hohen Risikoappetit der Anleger, risikoreiche Carry Trades, niedrige Volatilitäten und Risikoprämien et cetera, wenn man sich nicht nur auf den Bernanke-Put sondern nun in noch ausgeprägterem Maße auch auf den Trichet-Put verlassen kann? Also darauf, dass keynesianisch-populistische Zentralbanker offensichtlich beinahe alles tun werden, um eine gesunde und überaus notwendige Konsolidierung an den spekulativ und inflationär überhitzen Vermögensmärkten zu verhindern?
Es wäre kaum verwunderlich, wenn gerade kurzfristig orientierte und aggressive Anleger sowie dilletantische Institute mit Quasi-Staatsgarantie die Lehren aus den Ereignissen zögen und die Interventionen der Zentralbanken als Einladung dazu betrachteten, wieder ohne Rücksicht auf fundamentale Daten voll auf Risiko zu setzen. Prompt geben die Rentenpapiere zumindest einen Teil der erzielten Kursgewinne ab, der Yen neigt wieder zur Schwäche und die Aktien erholen sich mit zum Teil deutlichen Kursgewinnen von der jüngsten Schwächen.
Es scheint nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich zu sein, dass gerade die Börsen zumindest an einzelnen Tagen förmlich nach oben schießen werden. Die Wahrscheinlichkeit dafür lässt sich zumindest mit Blick auf die amerikanischen Börsen aus der so genannten Short-Interest-Ratio ableiten. Sie zeigt das Verhältnis zwischen der Anzahl der Aktien eines Unternehmens, die von Anlegern ausgeliehen und im Markt in der Hoffnung auf fallende Kurse leer verkauft wurden und dem täglichen Handelsvolumen. Die Strategie geht auf, wenn sich die Differenz zwischen hohem Verkaufs- und tiefem Rückkaufspreis als Gewinn verbuchen lässt.
Ausgeprägte Neigung zu Leerverkäufen
Eine Analyse der Werte im S&P 500 zeigt, dass die Anzahl der Leerverkäufe in den vergangenen Wochen deutlich zu genommen hatte (siehe auch: Anzahl der Leerverkäufe auf Rekordniveau). Das zeigt sich am Beispiel der Aktie des Hausbauunternehmens Beazer Homes überdeutlich. Das so genannte Short Interest, also die Anzahl der Aktien des Unternehmens, die leer verkauft wurden, liegt nach jüngsten Daten bei 21,5 Millionen Stücken. Das sind knapp 60 Prozent des gesamten Free Floats, also der frei handelbaren Aktien - ein Rekordwert.
Generell dürfte die auf diese Weise markttechnisch ausgedrückte Skepsis gegenüber amerikanischen Hausbauunternehmen angesichts der Krise der Branche kaum überraschen. Allerdings kann eine hohe Short-Interest-Ratio auch zu massiven Kursgewinnen führen, sobald der Markt zu einer deutlichen Bewegung nach oben ansetzen und auch die an sich schwachen Aktien mit nach oben nehmen sollte. In diesem Falle wären die Shorties, also die Anleger, die die Papiere leer verkauft hatten, zu Rückkäufen gezwungen, um ihre Risiken zu reduzieren Genau das kann zu einer explosiven, allerdings nur technisch getriebenen Kursbewegung nach oben führen. Mit Fundamentaldaten hat das absolut nichts zu tun.
Grundsätzlich zeigt der Blick auf die S&P-Werte jedoch, dass Unternehmen, deren Aktien am stärksten geshortet wurden, grundsätzlich operative Probleme haben oder schwachen Branchen zugeordnet werden können: So befindet sich die New York Times mitten in der anzeigenschwachen Medienkrise und Vulcan Materials, MBIA, Pulte Homes, Countrywide Financial und andere haben mit dem schwachen Häusermarkt zu kämpfen. Auch diese Papiere mögen kurzfristig immer wieder nach oben springen. Allerdings dürften das eher Gelegenheiten sein, frisch zu verkaufen, statt auf eine nachhaltige Kurserholung zu setzen. Denn dafür ist ihre fundamentale Lage nicht gut genug.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET