19. März 2003 Die jüngsten Kursgewinne können Marc Faber nicht aus der Reserve locken. Der mit dem Status eines Anlage-Gurus versehene Chef der von ihm gegründeten Fondsgesellschaft Marc Faber Limited bleibt skeptisch, was die Aussichten für die Aktienmärkte angeht.
Die jüngsten Kursaufschläge an der Wall Street werden nicht von Bestand sein, so seine Annahme. Zur Begründung verweist er darauf, dass es bisher keinen klaren Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung gebe. Eine derartige Konstellation sei aber eine ungünstige Zeit, um Aktien zu kaufen und Anleihen zu verkaufen.
Optimistischer für Anleihen
Für Anleihen kann ich derzeit nicht richtig bärisch sein, lautet sein Urteil. Einige Anleger hätten zuletzt zwar Kapital von Anleihen in Aktien umgeschichtet, was möglicherweise auch einige Wochen lohnend sein könne. Aber danach werde sich das Kräfteverhältnis vermutlich wieder umdrehen, vermutet Faber.
In diesem Jahr haben es zehnjährige amerikanische Anleihen auf ein Plus von 0,6 Prozent gebracht, während der S&P 500 Index um 1,5 Prozent gefallen ist. Die skeptische Haltung von Faber in Sachen Konjunktur wird durch Meldung wie die vom Vortag untermauert, wonach der Baubeginn neuer Häuser in Amerika im Februar so stark wie seit neun Jahren nicht mehr gefallen ist.
Keine einfache Lösung im Irak
Faber zweifelt auch daran, ob die Rechnung aufgeht, dass ein schnelles Kriegsende im Irak die negativen Auswirkungen auf die Konjunktur gering ausfallen lässt. Die Konsensmeinung geht derzeit von einer Widerholung der Ereignisse des Jahres 1991 aus: Die Amerikaner ziehen in den Krieg, Saddam wird abgelöst, die Ölproduktion steigt, der Ölpreis kollabiert und alles ist in Ordnung, fasst er die Grundhaltung der Anleger zusammen. Doch er ergänzt: Dies sehe ich anders. Bush hat keine Idee wie komplex die Probleme im Nahen Osten sind.
Die Chinesen und die Russen wollten nicht, dass die Amerikaner die Ölfelder im Nahen Osten und die Nachbarländern wie die Türkei oder der Iran könnten intervenieren und so den Konflikt noch verschärfen. In den nächsten fünf bis zehn Jahren könnte der Ölpreis steigen, anstatt wie erwartet zu fallen. Wir sprechen hier nicht über ein Abwärtsrisiko von 20 Prozent beim Öl und ein Aufwärtsrisiko von 20 Prozent. Wir reden über ein Risiko von 20 Dollar nach unten oder über eine Preisverdoppelung oder -verdreifachung.
Text: Bloomberg
Bildmaterial: Faber
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