Studie

Vermögenspreisblasen bringen nichts als Ärger

04. Februar 2008 Der ehemalige amerikanische Notenbankchef Alan Greenspan war inkonsequent. Er hatte die Kursentwicklung an den Börsen in den späten 90er Jahren zwar als irrationalen Überschwang bezeichnet. Allerdings hat er nichts gegen weiter steigende Kurse unternommen. Er habe dem größten Aktiencrash seit den dreißiger Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts untätig entgegengesehen, argumentieren inzwischen seine Kritiker.

Auf der anderen Seite stehen jedoch seine Befürworter. Sie argumentieren, es könne nicht das Ziel einer Zentralbank sein, die Vermögenspreisentwicklung zu beeinflussen. Denn erstens ließen sich „Blasen“ nicht eindeutig erkennen. Und selbst wenn, dann hätten die Notenbanker nicht die nötigen Instrumente, um steuernd einzugreifen, heißt es entschuldigend. Dabei wird unter anderem auf das angebliche Fehlverhalten der Zentralbanken in den Jahren der Weltwirtschaftskrise des vergangenen Jahrhunderts verwiesen.

Fehlverhalten der Zentralbanken in der Weltwirtschaftskrise?

Die Zentralbanken wären damals zu restriktiv gewesen, heißt es heute vielfach verklärend. So seien sie letztlich zumindest mit schuld gewesen an der realwirtschaftlichen Malaise und nicht zuletzt auch am Aufkommen extremer politischer Kräfte wie den Nazis. Selbst heute hält sich beharrlich die Ansicht, Zentralbanken könnten dem Entstehen von Vermögenspreisblasen an den Finanzmärkten nicht rechtzeitig entgegen steuern. Einer Befragung von rund 270 Finanzmarktexperten durch das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung im Februar 2007 zufolge hat ein solches Unterfangen wenig Aussicht auf Erfolg.

Nach Ansicht einer Mehrheit von 68 Prozent der befragten Experten sei es wenig aussichtsreich, wenn die Zentralbank bereits beim Entstehen einer Vermögenspreisblase mit leicht steigenden Zinsen gegensteuert. Denn da die Blasen durch irrationalen Überschwang der Investoren begründet seien, wirkten geldpolitischer Maßnahmen kaum. Zudem könnten Zentralbanken ungerechtfertigte Preissteigerungen nicht besser identifizieren als alle anderen Marktteilnehmer. Aus diesem Grund könnten sie gar nicht im Voraus handeln.

Nach Boomphasen an den Immobilien- und Aktienmärkten steigt das Stagflationsrisiko

Und selbst wenn, so werde sich ein geringer Zinsanstieg von ein oder zwei Prozentpunkten zwar negativ auf Inflation und Konjunktur auswirken. Andererseits würde das massive Aktienkurssteigerungen trotzdem nicht verhindern. Lediglich rund 32 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass eine richtige Diagnose von Blasen oder eine geldpolitische Prävention möglich sei.

Diese Aussage wird neuerdings unterstützt vom Ergebnis einer Studie (http://www.bis.org/publ/work243.pdf), die Professorin Maria Socorro Gochoco Bautista von der University of the Philippines School of Economics am Beispiel der asiatischen Staaten durchgeführt hat. Sie zeigt im Ergebnis, dass nach Boomphasen an den Immobilien- und Aktienmärkten die Wahrscheinlichkeit für unterdurchschnittliches Wachstum und eine überdurchschnittliche Inflationsentwicklung in einem Land zunimmt.

Aus diesem Grund sei es ratsam, bei der Gestaltung der optimalen Geldpolitik eines Landes oder eines Wirtschaftsraums nicht simplen Regeln zu folgen, sondern das Risiko extrem negativer Szenarien von vorneherein zu vermeiden. Die Preisstabilität als Ziel im Sinne einer Inflationskontrolle alleine sei nicht hinreichend, um für Finanzstabilität und eine nachhaltige Preisentwicklung bei den Vermögenswerten zu sorgen. Vermögenspreisblasen brächten einer Volkswirtschaft nicht nur keine Vorteile, sondern sie könnten die geldpolitischen Ziele eines Wirtschaftsraumes sogar konterkarieren, zeigt die Studie weiter.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: BIZ

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