16. Mai 2008 Die Preise für Agrarrohstoffe steigen. Und inzwischen geht die Mehrheit der Experten auch davon aus, dass dies so bleiben wird. Denn die Gründe, die dafür bisher verantwortlich waren, haben voraussichtlich auch in den kommenden Jahren Bestand.
Im Einzelnen handelt es sich dabei um folgende Faktoren: Niedrige Lagerbestände an Lebensmitteln, anhaltendes weltweites Bevölkerungswachstum, steigender Wohlstand, der für höhere Nachfrage nach Getreide, Gemüse, Geflügel und Vieh sorgt, eine zunehmende Urbanisierung, was zu einer Reduzierung der Anbauflächen für Agrarrohstoffe führt, diesen Effekt haben auch Verwüstungen und Naturkatastrophen und zu guter Letzt kommt auch noch eine wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen hinzu.
Günstiges Geschäftsumfeld für asiatische Agrarunternehmen
Diese Faktoren sind weltweit zu beobachten, aber in Asien treten sie noch einmal in verstärkter Form auf. Denn dort wächst der Konsum noch stärker als anderswo, während gleichzeitig die landwirtschaftlichen Nutzflächen schneller sinken. Hinzu kommt die Tatsache, dass die asiatische Landwirtschaft im internationalen Kontext im Effizienzvergleich deutlich hinter Amerika und Europa zurückliegt. Das lässt viel Raum für Effizienzverbesserungen und das zusammen mit einer steigenden Nachfrage und anziehenden Preisen beschert den Agrarunternehmen ein sehr günstiges Geschäftsumfeld.
Den Börsianern ist das natürlich nicht verborgen geblieben. Deutlich wird das an dem von Standard & Poor´s berechneten Asia Agribusiness TR Index. Wie eine der Grafiken zeigt, ist der Index, der die 13 größten asiatischen Agrartitel enthält (die Bereiche Agraranbau und Vertrieb sowie die Agrarchemie bilden mit 50 und 41 Prozent die Schwerpunkte), seit Anfang 2000 um stolze 500 Prozent gestiegen. So eine überzeugende Wertentwicklung weckt wenig überraschend Begehrlichkeiten. Und zwei Emittenten haben inzwischen mit der Auflage von Zertifikaten auch auf diesen Aufwärtstrend reagiert.
Branchenzertifikate von ABN Amro und Merrill Lynch
So hat ABN Amro ein Open End Zertifikat auf den Asia Agribusiness-Index (Isin DE000AA0ZCR4, Managementgebühr ein Prozent p.a., Geld-/Briefspanne 2,50 Prozent (1,50 Prozent bis 10 Uhr morgens) Dividenden werden angerechnet) aufgelegt, das an den Börsen Frankfurt und Stuttgart börsentäglich bereits handelbar ist. Noch bis zum 23. Mai in der Zeichnungsphase befindet sich dagegen das von Merrill Lynch aufgelegte Asia Agriculture Index Zertifikat (Isin DE00ML0DJR9). Am 6. Juni wird das Zertifikat dann zum Preis von 100 Euro zuzüglich 1,5 Prozent Ausgabeaufschlag emittiert und danach im Freiverkehr der Börsen Stuttgart und Frankfurt gehandelt. Die Laufzeit endet am 31. Mai 2011.
Die Berechnung des Ertrags ist hier relativ kompliziert. Das hat auch damit zu tun, dass das Ergebnis an die Entwicklung der beiden Indizes ML Commodity Index eXtraAgriculture Excess Return (ein diversifizierter Korb von Agrarrohstoffen) und Merrill Lynch Asia Agriculture (ein Korb asiatischer Agrarrohstoffaktien) gekoppelt ist. Notieren die offiziellen Schlusskurse beider Indizes am Beobachtungstag über ihrem Startwert, so wird das Zertifikat automatisch gekündigt und der Anleger erhält den Nennbetrag von 100 Euro zuzüglich eines Kupons von fünf Prozent pro Quartal ausgezahlt. Wird das Zertifikat nicht gekündigt, erhält der Anleger im Dreimonatsrhythmus die nächste Chance zur Kündigung. Mit jedem weiteren Bewertungstag erhöht sich der Kupon um fünf Prozent. Wurde das Zertifikat nicht vorzeitig gekündigt und notieren beide Indizes bei Fälligkeit über ihrem Startwert, so erhält der Anleger 160 Euro. Notiert mindestens einer der Indizes unter seinem Startwert und wurde während der gesamten Laufzeit nie die Schwelle von 65 Prozent der jeweiligen Startwerte berührt oder unterschritten, so erhält der Investor einen Bonusbetrag von 115 Euro. Andernfalls erfolgt eine Rückzahlung auf Basis der Performance des Index mit der schlechten Wertentwicklung im Vergleich zum jeweiligen Startwert.
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, drängt sich da Beobachtern fast automatisch als Fazit auf. Nicht zuletzt deshalb dürften Anleger, die sich für diese Investmentidee interessieren, tendenziell eher zum ABN-Produkt greifen. Allerdings zeigt die Auflistung der im Index enthaltenen Unternehmen und die dabei genannten Kurs-Gewinn-Verhältnisse, dass die einbezogenen Werte nach den bereits eingefahren starken Kursgewinnen durchaus bereits ihren Preis haben.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @JüB
Bildmaterial: Abn Amro, Merrill Lynch
| Top Indizes | 1 Jahr |
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| +2,39 | |
| -1,49 | |
| -5,02 | |
| -6,80 | |
| -13,57 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
| Top CDax Branchen | 1 Jahr |
|---|---|
| -0,76 | |
| -1,71 | |
| -10,23 | |
| -13,66 | |
| -14,73 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
| Top Kategorien | 1 Jahr |
|---|---|
| +23,51 | |
| +6,69 | |
| +6,60 | |
| +3,53 | |
| +3,26 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
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