29. August 2005 Die unübersichtliche Masse an Investment-Zertifikaten wird von der Raiffeisen Centrobank (RCB) um ein weiteres Papier ergänzt. Das Wiener Institut, das unter anderem mit seinem Zertifikaten auf den osteuropäischen CeCe-Index sehr erfolgreich ist, hat sich für das Produkt unter den Aktien von Wettanbietern umgesehen. Acht dieser Dividendenpapiere hat die RCB gleichgewichtet in einen Korb gepackt und daraus das Lucky Basket-Zertifikat gebastelt.
Diese Schachzug erscheint auf den ersten Blick clever, sind doch einige der Wettanbieter-Titel phantastisch gelaufen. So hat sich Betandwin.com, eine der ausgewählten Aktien, binnen Jahresfrist um 450 Prozent verteuert. Dies und die Aussicht auf eine Flut von Wetten rund um die Fußball-Weltmeisterschaft im nächsten Jahr dürfte Anleger anlocken. Derzeit läuft die Zeichnungsfrist. An der Börse soll Lucky Basket (ISIN: AT 00 00 45 38 73) erstmals am 23. September gepreist werden. Während der Zeichnungsfrist kostet ein Schein 10,20 Euro.
Acht Aktien aus fünf europäischen Ländern
Außer der österreichischen Betandwin.com finden sich die schwedischen Boss Media und Unibet Group, die deutsche Fluxx, die italienische Lotteriegesellschaft Lottomatica sowie die britischen Papiere Partygaming, Sportingbet und William Hill in dem Aktienkorb. Großbritannien ist nicht von ungefähr am stärksten vertreten: Schließlich wetten besonders die Briten gerne auf alles Mögliche (und Unmögliche). Beim Start des Zertifikats kommt allen Papieren ein Gewicht von 12,5 Prozent zu. Dabei wird es aber nicht lange bleiben. Denn das Gewicht und damit der Anteil im Korb ändern sich mit der Performance des jeweiligen Titels.
Die beste Jahres-Performance darf dabei nicht mit dem größten aktuellen Schwung verwechselt werden: So läuft Betandwin.com seit drei Monaten nur noch seitwärts, während die mit einem Jahresplus von 0,5 Prozent schwache William Hill im selben Zeitraum ein Plus von 13,5 Prozent erzielt hat; diese Notiz ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 15,4 auch der am günstisten bewertete Titel unter den acht. Betandwin ist mit einem KGV von 275 der teuerste, gefolgt von Fluxx (56). Am besten sieht derzeit Sportingbet mit einem Aufschlag von 38 Prozent im jüngsten Vierteljahr aus, am schwächsten Boss Media, die seit Ende April im Abwärtstrend läuft.
Hohe Bewertung
Die addierten Bewertungen der sieben Titel bis auf Unibet - für den Titel ist kein KGV genannt - ergeben ein KGV von 62. Das bedeutet: In den meisten Aktien im Korb ist eine Menge Ertragsphantasie eingepreist, am meisten wohl bei Betandwin.com. Damit ist das Zertifikat hoch bewertet. Insofern stellt sich die Frage, wie hoch (oder niedrig) die Kurschancen sind. Für Anleger, die mehr Wert auf Berechenbarkeit als auf kaum prognostizierbare Umsatzphantasie legen, taugt das Papier sicher nicht.
Zugute halten muß man dem Zertifikat, daß es ähnlich wie Fonds die Risiken im Vergleich zum Kauf einer einzelnen Aktie streut. Und die Anleger dürfte auch freuen, keine Verwaltungsgebühr berechnet zu bekommen. Dafür behält die RCB die anfallenden Dividenden ein, wie es bei Zertifikaten üblich ist.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @thwi
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