Charttechnik

Aktienkurse: Berg- oder Talfahrt?

Von Mark Arbeter

27. Februar 2007 Die Blue-Chip-Indizes legten vergangene Woche eine Pause ein, während die Nasdaq Boden gutmachte und am Ende den Durchbruch zu einem neuen Erholungshoch schaffte. Nebenwerte markierten neue Allzeithochs. Die Rohölpreise überwanden den maßgeblichen Widerstand von 60 Dollar pro Barrel, während die Renditen der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen im Bereich von 4,7 Prozent lagen.

Das Verhalten der Blue-Chip-Indizes seit November zeigt auffällige Gemeinsamkeiten. Der S&P-500 und der Dow Jones Industrial Average konnten auf kleinere neue Hochs vorstoßen und verzeichneten anschließend minimale Rückkehrbewegungen zur Trendlinienunterstützung sowie zum exponentiell gleitenden 30-Tage-Durchschnitt. Im Verlauf der weiteren Entwicklung folgen daraufhin kleinere neue Hochs.

Was tun, wenn an sich zuverlässigen Indikatoren den Dienst versagen?

Beim S&P-500 verliefen die letzten beiden Bewegungen ebenfalls beinahe identisch, während der Markt den Anschein erweckt, als wolle er uns in den Schlaf wiegen. Der Index steigt drei Tage lang auf ein kleines neues Hoch, gefolgt von einer fünf Tage andauernden unspektakulären Seitwärtsbewegung, ehe er dann in zwei Tagen genau bis zur Trendlinienunterstützung zurücksinkt. Wenn dieses kurzfristige Muster anhält, sollte die derzeitige Rückkehrbewegung im Bereich von 1.440 Punkten zum Stehen kommen, wo sich der exponentiell gleitende 30-Tage-Durchschnitt und die Trendlinienunterstützung befinden.

Äußerst geringe Kursschwankungen sowie Volatilitätsindizes auf Rekordtiefständen oder in deren Nähe förderten Spekulationen über eine bevorstehende größere Abwärtsbewegung. Anfang diesen Jahres warteten wir auf eine kleine Korrektur, und leider warten wir noch immer. Was ist also zu tun, wenn unsere in der Vergangenheit so zuverlässigen Indikatoren den Dienst versagen? Das Übliche: wir schürfen ein wenig tiefer und versuchen, eine alternative Sichtweise zu finden.

Wir warfen also einen Blick auf die jüngere Geschichte und suchten im S&P-500 nach einem ähnlichen Muster eines starken Anstiegs in engen Grenzen, dem ein weniger steiler Anstieg folgt. Daneben hielten wir Ausschau nach historischen Marktperioden mit äußerst engem Aufwärtstrend- oder Kurskanal und niedriger Volatilität zwischen den Hochs und Tiefs. Wir suchten zudem nach Fällen eines auf Wochenbasis stark überkauften Index' und nach einem Markt, der in der jüngsten Vergangenheit überkaufte Niveaus auf Tagesbasis aufwies.

Interessanterweise stießen wir auf zwei Perioden, die sich exakt nach dem Tief des Vierjahreszyklus einstellten. Die erste trat 1995 genau nach dem Tief eines Vierjahreszyklus ein, das keinen Baissemarkt aufwies. Dies ist der aktuellen Periode sehr ähnlich, da 2007 das erste Jahr nach einem Tief des Vierjahreszyklus ist, in dem es keinen Baissemarkt gab. Im Verlauf des Jahres 1995 erfolgte ein Anstieg in extrem engen Grenzen, während sich der Markt das ganze Jahr hindurch nach oben entwickelte. Im Dezember 2005 kam es zu einem kleinen Shake-Out, in dessen Verlauf der S&P-500 in fünf Tagen 3,7 Prozent einbüßte. Der Index stabilisierte sich anschließend, stieg wieder an und endete in einem Ausbruch nach oben mit einer kleinen Kursexplosion von 10,5 Prozent in nur 23 Handelstagen. Daraufhin folgte eine mehrere Monate andauernde Seitwärtsbewegung, gefolgt von einem weiteren Durchbruch nach oben, der allerdings fehlschlug. Anschließend verzeichnete der S&P-500 eine ausgeprägte Rückwärtsbewegung und gab in knapp anderthalb Monaten 7,4 Prozent ab.

Die zweite Periode, die die meisten dieser Merkmale aufweist, fanden wir 2003 und Anfang 2004. Während das Tief des Vierjahreszyklus im Jahr 2002 auftrat, befand sich das letzte Tief des Baissemarktes im Frühjahr 2003. Von dort stieg der Markt bis zur Jahresmitte ziemlich steil an, während der Kursanstieg des S&P-500 daraufhin etwas abflachte. Im September kam es zu einem kleinen Shake-Out, der den S&P-500 in acht Handelstagen 4,2 Prozent nach unten zog. Erneut stabilisierte sich der Markt und verzeichnete eine kleine Kursexplosion von 12 Prozent in 55 Handelstagen. Der Index zeigte anschließend eine deutliche Abwärtsbewegung von 8,9 Prozent und markierte damit die Augusttiefs 2004.

Historische Vergleichsperioden machen Kursrückschläge denkbar

Zwar würden wir eine kleine Korrektur zum jetzigen Zeitpunkt noch immer vorziehen, da sie in unseren Augen eine Vorhersage der Marktentwicklungen im verbleibenden Jahr erleichtern würde, eine kleine Kursexplosion von 10 Prozent in den kommenden ein bis zwei Monaten brächte den S&P-500 jedoch in die Nähe von 1.600 Punkten, was genau unserer Schätzung des Indexstands gegen Jahresende entspräche.

Der Nikkei 225 stieß in der vergangenen Woche auf neue Erholungshöchststände vor, womit sich der Index auf seinem höchsten Niveau seit Mai 2000 befindet. Der Nikkei ist seit dem Bärenmarkttief im April 2003 um 139 Prozent gestiegen. Seit Verlassen dieser Talsohle bewegte sich der Index innerhalb eines volatilen Haussekanals. Wenn dem japanischen Markt der Anstieg an die Obergrenze dieses Kanals gelingen kann, würde dies eine Bewegung in die Zone von 21.000 Punkten bedeuten. Diese Zone ist deswegen wichtig, weil sie dem letzten großen Charthoch vom April 2000 entspricht.

Der neuerliche Ausbruch auf ein höheres Niveau könnte von Bedeutung sein, da er eine seit 1996 bestehende Abwärts-Trendlinie überwunden hat. Seit der zweiten Novemberhälfte hat der Nikkei die Wertentwicklung des S&P-500 übertroffen, während er zuvor seit April 2006 schlechter abschnitt. Über weite Teile der 1990er-Jahre blieb der Nikkei weit hinter der Performance des S&P-500 zurück, hat in den vergangenen sieben Jahren jedoch eine anscheinend äußerst konstruktive Basis auf dem Relative-Stärke-Chart aufgebaut. Wir warnen davor, dass der Nikkei auf Tages- und Wochenbasis überkauft ist, was letztlich allerdings auf beinahe jeden bedeutenden Index zutrifft.

Die Rohölpreise schafften vergangene Woche schließlich den Sprung über die Grenze von 60 Dollar pro Barrel und verharrten auf diesem Niveau, wobei wir mit einem gewissen weiteren Aufwärtspotenzial rechnen. Mit der Stärke dieser Woche durchbrachen die Kurse den mittelfristigen Trendlinienwiderstand, der sich aus dem Höchststand des vergangenen Sommers ableitet. Rohöl verzeichnet zudem ein Retracement von mehr als 38,2 Prozent des Bärenmarktes, weshalb der nächste Fibonacci-Widerstand bei 50 Prozent oder im Bereich von 64 Dollar liegt. Zwischen 60 Dollar und 64 Dollar sind einige Chartwiderstände angesiedelt, während der exponentiell gleitende 325-Tage-(65-Wochen)-Durchschnitt bei 61,80 Dollar sitzt, der im Dezember einen starken Widerstand darstellte.

Der Rohölchart scheint eine äußerst komplexe inverse Kopf-Schulter-Formation auszubilden, deren Ausformung man in Lehrbüchern zur Charttechnik sicherlich vergeblich sucht. Das tägliche Momentum ist bislang noch nicht überkauft, sodass ein Anstieg auf die jüngsten Höchststände im Bereich von 64 Dollar durchaus möglich ist. Sollte dies eintreten, würden wir von einer weiteren Pause in der Rally ausgehen. Der „Commitments of Traders Report“ zeigt nach wie vor, dass die kommerziellen Hedger am Terminmarkt netto „long“ positioniert sind (also auf steigende Notierungen setzen), während die Großspekulanten auf Netto-Shortpositionen sitzen. In der Vergangenheit hatte diese oft positive Auswirkungen auf die Rohölpreise.

Mark Arbeter ist Charttechniker und technischer Chefstratege bei Standard & Poor's.



Text: Business Week Online
Bildmaterial: FAZ.NET

 
IndexPunkteProzent
Europa
Dax 4.544,31 -43,10
STOXX 50 2.421,87 -45,52
FTSE 100 3.932,06 -40,48
CAC 40 3.176,49 -45,59
Welt
DowJones 8.451,19 -39,97
Nasdaq 1.649,51 -41,33
Nikkei 225 8.276,43 -51,82
Hang Seng 14.796,87 -48,21
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Länder Performance
Top Indizes1 Jahr
I.G.P.A. INDEX -31,31
KUALA LUMPUR KLSE COMPOSITE IN -32,03
MEXICO IPC INDEX -36,13
TEL AVIV TA - 100 INDEX -39,27
IBEX 35 INDEX -39,47
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Branchen Performance
Top CDax Branchen1 Jahr
DAXXSECTOR PHARMA & HEALTHCARE -29,08
DAXSECTOR TELECOMMUNICATION -29,83
DAXSECTOR AUTOMOBILE -32,47
DAXSECTOR CHEMICALS -34,02
DAXSECTOR CONSUMER -37,47
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Fonds Performance
Top Kategorien1 Jahr
Renten CZK +14,69
Renten JPY +13,79
Renten USD Hypotheken +6,99
Renten Kurzläufer CHF +6,90
Renten HKD +6,68
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
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