17. Juni 2008 Der Preisauftrieb bei Energie- und Rostoffen der vergangenen Jahre sorgt für Diskussionen. Auf der einen Seite lassen sich genügend Gründe finden, die steigende und hohe Preise rechtfertigen mögen.
Dazu zählen Argumente wie der schwache Dollar, Unterinvestitionen, niedrige Lagerbestände, steigende Nachfrage und politische Friktionen. Im Falle von Öl würden immer mehr Ölstaaten protektionistischer als in der Vergangenheit werden. Sie schränkten den Zugang internationaler Investoren ein oder sie schöpften ihre Gewinne zu einem großen Teil ab. Aus diesen Gründen werde zu wenig investiert, was mittel- und langfristig zu Engpässen in der Förderung führen könne.
Was haben Pensionsfonds eigentlich am Ölmarkt zu suchen?
Heute zehrten viele große Ölfirmen an ihren Reserven, da die geförderten Mengen größer seien als das, was sie an neuen Quellen finden und erschließen könnten. Das schränke angesichts steigender Kosten die Wachstums- und Gewinnerwartungen dieser Unternehmen und mache sie für Anleger weniger interessant als den Ölmarkt selbst.
Diese Konstellation haben in den vergangenen Monaten dazu geführt, dass immer mehr institutioneller Anleger Gelder direkt in die Energie- und Rohstoffmärkte investierten. Sie erwarben im Ölmarkt länger laufende Kontrakte und trieben auf diese Weise die Terminkurve nach oben. Die Verkäufer dieser Kontrakte wiederum mussten sich am so genannten Spotmarkt absichern. Das trug zum Preisauftrieb bei, der in den vergangenen Monaten sowohl an den Spot- und Terminmärkten als auch indirekt an den Zapfsäulen zu beobachten war.
Kritische Analysten weisen jedoch schon länger darauf hin, dass es kurzfristig bei der Ölversorgung keinerlei Engpässe gebe. Das heißt, trotz aller Gerüchte und exotischer Preisprognosen gebe es von dieser Seite kaum Gründe, wieso der Ölpreis so stark nach oben laufen sollte. Sie machen Finanzanleger für die Preisentwicklung verantwortlich und stellen die Frage: Was haben Pensionsfonds eigentlich am Ölmarkt zu suchen? oder wer hat ihnen den Kauf solcher Kontrakte erlaubt? Selbst die Rekordpreisprognosen verschiedener Analysten sehen sie kritisch. Es handle sich um Aussagen von Insidern, die wüssten, dass ihre Häuser zu Absicherungszwecken Ölkontrakte kaufen müssten, heißt es. Grundsätzlich liege der Ölpreis 50 bis 60 Dollar über dem Niveau, auf dem der Ölmarkt normalerweise sein Gleichgewicht finden sollte, heißt es weiter (siehe auch die Kritik von Michael Masters: Argumente für eine stärkere Regulierung der Rohstoffmärkte und Testimony of Michael Masters (pdf)).
Die Finanzanleger spielen nicht nur am Ölmarkt eine wesentliche Rolle, sondern auch bei Nichteisen-Metallen (NE). Das erklärte Eugen Weinberg, Senior Commodity Analyst der Commerzbank beim Dow Jones NE-Metalle-Tag 2008 am Dienstag in Frankfurt. Denn diese Rohstoffe stellten eine lukrative Anlageklasse für die Finanzinvestoren dar, erklärte er.
Als Gründe dafür nannte er unter anderem die heterogenen Entwicklungen innerhalb des Rohstoffmarktes sowie die Möglichkeit, stärker an Preissteigerungen partizipieren zu können. Je länger sich die Rohstoffmärkte von den Aktien- und Rentenmärkten abkoppelten, desto stärker werde der Trend der Investoren zu den Industriemetallmärkten gehen, glaubt der Experte. Weinberg verwies in diesem Zusammenhang auf die massiv zunehmende Investmentnachfrage insgesamt: So erhöhten sich die direkten Investments von fünf Milliarden Dollar im Jahr 2001 inzwischen auf rund 250 Milliarden Dollar.
Einfluss von Spekulanten auf NE-Metallmärkten stärker bemerkbar als beim Öl
Nach Weinbergs Ansicht macht sich der Einfluss der Spekulanten auf den NE-Metallmärkten stärker bemerkbar als beim Öl. Denn die Metallmärkte seien aufgrund ihrer mangelnden Transparenz dafür besonders anfällig, sagte er. Zum Beleg verweist er darauf, dass Informationen in der Regel erst mit zweimonatiger Verspätung zu erhalten sind. Zudem bemängelte er, dass die LME-Statistik leicht manipuliert werden könne und oft keine Positionierungsdaten verfügbar seien.
Die weitere Entwicklung bei den NE-Metallen wird nach Einschätzung des Experten sehr heterogen verlaufen. Sie hänge wesentlich von den jeweiligen Lagerbeständen sowie den Nettoimporten Chinas ab. Die aufstrebende asiatische Wirtschaftsmacht entwickele sich zunehmend zum Nettoimporteur wichtiger NE-Metalle.
Dieser Trend sowie die zunehmende Konzentration auf Seiten der Rohstoffanbieter und die historisch sehr tiefen Lagerbestände werden nach Ansicht Weinbergs zur Folge haben, dass die NE-Metallmärkte weiterhin auf hohem Niveau volatil bleiben, jedoch mit deutlich geringeren Ausschlägen nach unten als zuvor.
Weiter rechnet der Analyst damit, dass China in der zweiten Jahreshälfte zum Nettoimporteur von Aluminium wird. Angesichts der Preissteigerungen im Energiebereich gehe die chinesische Produktion voraussichtlich zurück, sagte er. Vor diesem Hintergrund dürften die Aluminiumpreise nach seiner Einschätzung bis zum Jahresende um rund 15 Prozent auf 3.500 Dollar je Tonne steigen.
Bei Kupfer sind die Notierungen nicht so deutlich gefallen, wie erwartet, stellte der Experte fest. Hier rechnet er für das Jahr 2008 mit einer Stabilisierung der Preise zwischen 7.000 und 7.500 Dollar je Tonne. Den Zinkmarkt bezeichnete Weinberg als relativ unterbewertet. Für dieses Jahr geht er hier von einer Preisspanne zwischen 2.200 und 2.400 Dollar je Tonne aus.
Für Nickel erwartet er ebenfalls steigende Nettoimporte Chinas und damit auch steigende Preise auf ein Niveau von 25.000 bis 27.000 Dollar je Tonne. Vor dem Hintergrund eingeschränkter Exporte Indonesiens rechnet der Commerzbank-Experte bei Zinn von Notierungen zwischen 20.000 und 25.000 Dollar je Tonne.
Ob solche Prognosen eintreffen werden, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Denn die Konjunktur in den Vereinigten Staaten und in weiten Teilen Europas ist schwach. Das dürfte sich früher oder später direkt und indirekt in den restlichen Teilen der Welt bremsend bemerkbar machen. Spätestens dann dürfte eine ausgeprägte Korrektur an den Energie- und Rohstoffmärkten nicht überraschen.
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Text: @cri
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