Strategie

Der amerikanische Häusermarkt bleibt schwach

25. Mai 2007 Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten ist weitgehend positiv, da die Marktteilnehmer offensichtlich an die so genannte „Abkoppelungstheorie“ glauben. Diese geht davon aus, dass das amerikanische Wachstum zwar schwach ist und aufgrund der anhaltenden Krise am Häusermarkt vorerst auch schwach bleiben, sich aber bald erholen werde.

In diesem Sinne werden in der Tendenz die nach und nach hereinkommenden Konjunkturdaten aus Amerika interpretiert. Egal wie schwach sie auch ausfallen mögen, so lauten die Headlines der Agenturen „Indikator XY ging zwar zurück, aber er fiel besser als erwartet aus“. Oder „die Anzahl der verkauften Neubauten in den Vereinigten Staaten ist im April im Vergleich mit dem Vormonat um 16,2 Prozent gestiegen - das war der stärkste Zuwachs seit 14 Jahren.“

Amerikanische Immobilienkrise schon vorbei?

Solche Schlagzeilen werden nicht selten verbunden mit gut gewählten Analystenaussagen, die argumentieren, das „Schlimmste am amerikanischen Immobilienmarkt sei längst vorbei und da die restliche Wirtschaft gut laufe, stehe die Erholung unmittelbar bevor.“ Von solchen Argumenten scheinen sich auch die Börsianer tragen zu lassen. Denn die Kurse an der Wall Street zeigen schon seit Wochen eine Eigendynamik nach oben, insbesondere nach positiv interpretierten Gewinn- oder Konjunkturdaten.

Allerdings fällt eines auf: Die amerikanischen Aktien können immer öfter ihre Kursgewinne im Tagesverlauf nicht halten und treffen im späten Handel eines Tages auf Verkaufsorders. Für europäische Werte - insbesondere für deutsche - scheint gerade das Gegenteil zu gelten. Aufgrund der anhaltend guten Stimmung in der europäischen Wirtschaft sind sie bei den internationalen Anlegern offensichtlich beliebt, obwohl die Konjunktur vor allem exportgetrieben ist. Der Binnenkonsum dagegen dümpelt unter anderem aufgrund der dreisten Mehrwertsteuererhöhung vor sich hin. Ähnliches scheint für Japan zu gelten.

Generell ist ein großer Teil der konjunkturellen Entwicklung weltweit auf die Exportindustrie in den jeweiligen Staaten zurückzuführen. Viele Schwellenländer exportieren vor allem Rohstoffe und die Industrieländer Maschinen, während die asiatischen Staaten als Produktionsplattform für Massengüter fungieren. Ihre Produkte wiederum landen in Europa und vor allem auch in den Vereinigten Staaten. Dort ist die Konsumneigung noch hoch. Allerdings fragt sich, wie lange.

.... wohl kaum!

Längst läuft die amerikanische Wirtschaft nicht mehr rund. Früher oder später dürfte sich das auch beim Konsum bemerkbar machen. Denn die Haushalte sind stark verschuldet und aufgrund der anhaltenden Krise am Häusermarkt lässt sich längst nicht mehr auf steigende Hauspreise und damit verbundene Kapitalgewinne - direkt oder über die Refinanzierung - spekulieren. Im Gegenteil: Sowohl die Hauspreise als auch die Aktivitäten in diesem Bereich tendieren weiter nach unten. Angesichts der Bestände an unverkauften Häusern dürfte der Markt Jahre benötigen, bis er bereinigt ist (siehe auch die Charts).

Zum ersten Mal seit langem sind die Preise für neu gebaute Häuser unter jene für bestehende gefallen. So dürften diese kaum so hoch bleiben können, wie sie sind. Denn üblicherweise liegen sie 20 Prozent tiefer. Die sich absehbar fortsetzende Preisspirale nach unten dürfte nicht nur alle mit der Baubranche zusammen hängende Bereiche noch mehr als bisher bremsen, sondern über einen schwächelnden Arbeitsmarkt auch den Konsum. Damit fragt sich, wohin die Exporteure in letzter Instanz ihre Produkte exportieren wollen.

In diesem Sinne und mit Blick auf die schwachen amerikanischen Invetitionen und auf die deutlichen Ungleichgewichte weltweit - massives Leistungsbilanzdefizit in den Vereinigten Staaten und riesige, zum großen Teil sinnlose Währungsreserven in Überschussländern - dürfte sich der gegenwärtige Optimismus zumindest mittel- und längerfristig hinterfragen lassen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: Calculated Risk, Kennedy-Modell, FAZ.NET, Lombard Street Research, Northern Trust, S&P/Case-Shiller Grafik: FAZ.NET

 

Strategie

Das globale Wachstum ist exportlastig

Spezial Die Anleger weltweit sind und bleiben wirtschaftsoptimistisch. Dabei schwächelt die amerikanische Konjunktur und die Immobilienkrise dürfte noch lange nicht ausgestanden sein. Alle bauen auf den Export.

Kreditkrise in Amerika

Immobilienkrise - noch ist sie nicht ausgestanden

Spezial Die Anleger weltweit sind und bleiben wirtschaftsoptimistisch. Dabei schwächelt die amerikanische Konjunktur und die Immobilienkrise dürfte noch lange nicht ausgestanden sein. Es ist fraglich, ob sich die Weltwirtschaft abkoppeln kann.

Branchenanalyse

Fasergeschäft zeigt den Wahn der chinesischen Börse

Mit der Herstellung von Fasern scheint sich gutes Geld verdienen zu lassen. Dieser Eindruck vermittelt sich, wenn man den Blick auf die Kursentwicklung der Aktien weltweit wirft. Nur wenige Unternehmen können aber operativ überzeugen.

Hypothekenanleihen

Abkühlung am spanischen Immobilienmarkt bringt Finanzmärkte in Turbulenzen

Der Dienstag ist mal wieder kein guter Tag an den Börsen. Ausgangspunkt für die Kursverluste ist die Furcht vor einem Krach am spanischen Immobilienmarkt. Doch die Gerüchte sind derzeit erheblich schlimmer als die Fakten.

Studie

Europas Immobilienmärkten stehen unruhige Zeiten bevor

Amerikas Häusermarkt macht derzeit keine Freude. In Europa könnte es noch schlimmer kommen, heißt es in einer neuen Studie. Denn die Märkte seien keineswegs so unabhängig voneinander wie häufig angenommen.

Hypothekenkrise

Was ist los am Subprime-Markt?

Spezial Die steigende Zahl der Ausfälle im Markt für zweitklassige Hypothekenkredite hat viele Anleger verwirrt. Standard & Poor's hat einige Antworten auf die häufigsten Fragen.

Umfrage

Müssen Stimmungshochs konträr interpretiert werden?

Der ZEW-Index zeigt: Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Stimmungshoch. Gleichzeitig sind die Erwartungen an die Kursentwicklung des Euro hoch. Es stellt sich die Frage, ob der Markt solche Erwartungen nicht längst vorweggenommen hat.

Gewinnentwicklung

Ruhe sanft, zweistelliger Ertragszuwachs

Standard & Poor's gedenkt den mehr als zehnprozentigen Ertragszuwächsen des S&P-500, die nach langen 18 Quartalen sanft entschlafen sind. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres forderte ein schwierigeres Umfeld sein Tribut ein.

Strategie

Wie robust ist der amerikanische Konsum?

Spezial Der amerikanische Häusermarkt habe seinen Boden gefunden, hieß es in den vergangenen Wochen immer wieder. Bisher waren solche Aussagen falsch. Die wahre Krise kann erst noch kommen und über den Arbeitsplatzverlust den Konsum dämpfen.

Strategie

Führt die Häusermarktkrise zur Kreditklemme?

Immer mehr Zahlungsausfälle bei amerikanischen Hypotheken und zunehmende Pleiten bei Immobilienfinanzierern führen zu einem unguten Gefühl. Immer öfter kommt die Frage auf, ob die Häusermarktkrise zur Kreditklemme führen kann.

Strategie

Schwacher Häusermarkt: Wie lange boomt die Wall Street noch?

Spezial In den Vereinigten Staaten boomen Börse und Rentenmarkt. Einer der beiden Märkte muß falsch liegen. Sehr wahrscheinlich ist es die Wall Street. Denn die Krise am amerikanischen Häusermarkt dürfte noch nicht ausgestanden sein.

Strategie

Erfolgreiche Anleger vermeiden Verluste

„Anleger, die langfristig eine gute Durchschnittsrendite erzielen wollen, kommen am Kauf von Aktien nicht vorbei“, heißt es mit Verweis auf langfristige Renditerechnungen. Clevere Anleger vermeiden oder begrenzen jedoch Verluste.

Kreditkrise in Amerika

Angst vor Hypotheken-Crash drückt Aktienbörsen

Spezial Das Problem des Ausfalls von Hypothekenkrediten schlechter Bonität in Amerika spitzt sich immer weiter zu. Die drohende Insolvenz der Nummer Zwei der Kreditgeber, New Century, nährt Sorgen um Konjunktur und Rentenmarkt und drückt die Aktienkurse weltweit ins Minus.

F.A.Z. Electronic Media GmbH 2001 - 2008

Quellen: IS.eFinance Solutions using Deutsche Börse AG, Morningstar und weitere. IS.eFinance Solutions implemented and powered by Interactive Data Managed Solutions AG, ©  1999-2007. Alle Börsendaten werden mit 15 Minuten Verzögerung dargestellt.