09. März 2007 Der Markt für strukturierte Produkte in Deutschland boomt. Dabei sind viele der angebotenen Produkte aufgrund der mangelnden Vergleichbarkeit nicht nur intransparent, sondern auch teuer. Als ob das nicht genug wäre, gibt es oft auch keinen liquiden Markt, da man als Anleger oft auf die Preisstellung der Emissionsbank angewiesen ist.
Professionelle Händler handeln aus diesem Grund gerne mit standardisierten Produkten, wie sie von Terminbörsen wie der Eurex angeboten werden. Diese Märkte sind nicht nur relativ transparent, sondern auch liquide, da Angebot und Nachfrage gebündelt werden und weil der Markt auf eine Felhbewertung sofort reagieren und sie korrigieren würde.
Werden die Finanzmärkte zu Trader-Märkten mit rasch wechselnden Trends?
In diesem Sinne könnten es auch den einen oder anderen Privatanleger interessant werden. Immerhin ist es angesichts der relativ schwachen Konjunktur in den Vereinigten Staaten und leicht schwächelnden vorlaufenden Indikatoren in Europa alles andere als sicher, ob die Börsen wieder in die relativ stabilen Aufwärtstrends der vergangenen vier Jahre übergehen können werden. Denn wenn die Wirtschaft nicht richtig rund läuft, werden die Unternehmen ihre Gewinnmargen kaum auf dem gegenwärtigen Rekordniveau halten können.
Sollten sich die Märkte so entwickeln wie in den vergangenen Tagen, so dürften davon eher kurzfristig orientierte Trader profitieren. Sie setzen nicht auf längere Trends, sondern sind jederzeit bereit, ihre Positionen wieder zu verkaufen oder gar ins Gegenteil zu drehen. Dazu nutzen sie nicht selten auch aggressive Instrumente wie Optionen und Futures.
Sie sind für sie deswegen aggressiv und damit auch spekulativ interessant, da sie die Möglichkeit für den Leverage oder eine Hebelwirkung bieten. Darunter versteht man die Tatsache, daß sich mit einer Option, einem Future oder einem ähnlichen Konstrukt unter Verwendung eines vergleichsweise geringen Kapitaleinsatzes ein relativ großer Teil des Marktes bewegen läßt.
Aus diesem Grund verzeichnen sie in der Regel auch deutlich größere Kursauschläge, als die zu Grunde liegenden Basisinstrumente. Das zeigt sich unter anderem am Vergleich der relativen Wertenwicklung einer Dax-Kaufoption wie sie an der Eurex gehandelt wird, mit der Wertentwicklung des Index selbst (siehe Chart). Wer sich im vergangenen September einen Call mit Verfall im September des laufenden Jahres ins Depot legte, konnte zwischenzeitlich Kursgewinne von mehr als 250 Prozent realisieren, während der Dax im selben Zeitraum gerade einmal auf ein Plus von etwa 20 Prozent kam.
Optionspreise reagieren stark auf Veränderungen des Marktes
In den vergangenen Tagen zeigte sich aber auch das andere Extrem. Denn während der Dax in der bisherigen Korrektur im Maximum knapp sieben Prozent verlor, ist der September-Eurex-6.800-Call im selben Zeitraum von 573 auf bis zu 289 Euro gefallen. Das entspricht einem Kursverlust von knapp 50 Prozent in gerade einmal einer Woche. Das heißt, Optionen reagieren sehr stark auf Kursänderungen des Underlyings. Die Kursreaktion fällt um so deutlicher aus, je kürzer die Restlaufzeit ist und je stärker sie im Geld ist. Das heißt, je größer das Delta ist. Das Delta ist nichts anderes, als eine Kennzahl für die Kurssensitivität einer Option mit Bezug auf den Basispreis. Das Vega bezieht sich in der Regel auf Änderungen der Volatilität.
Setzt der Anleger den gleichen Betrag für den Kauf eines Futures oder einer Option ein, den er sonst für den Erwerb von Aktien verwenden würde, so fällt der resultierende Gewinn deutlich höher aus. Unter der Bedingung natürlich, daß er auf die richtige Seite gesetzt hat. Wettet er auf steigende Kurse und sie steigen tatsächlich, so geht die Rechnung auf. Fallen sie statt dessen, so fährt er mit einem Future natürlich einen um so größeren Verlust ein. Darin liegt das Risiko. Andererseits bietet sich die Möglichkeit, mit reduziertem Kapitaleinsatz von boomenden oder auch von fallenden Märkten überproportional profitieren zu können.
Insgesamt bieten solche Produkte und Märkte handelsorientierten Anleger deutliche Reize. Allerdings ist ein hohes Risikobewusstsein notwendig. Denn sollte der Markt in die falsche Richtung laufen, sind rasche, konsequente Positionsbeschneidungen notwendig, um das rasche Auflaufen hoher Verluste zu vermeiden.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Bloomberg, Bloomberg , FAZ.NET