06. August 2007 Die Zeiten an den internationalen Finanzmärkten sind volatiler geworden als in den vergangenen vier Jahren. Das zeigt sich sowohl an den Konsolidierungstendenzen der vergangenen Tage als auch an der Volatilität.
Im Gegensatz zu früheren Korrekturen ist der VDax diesmal nicht plötzlich und impulsartig nach oben geschossen, sondern er bewegt sich schon seit Jahresbeginn nach oben und erreichte am Montag im frühen Handel mit 28,2 Prozent ein neues Mehrjahreshoch.
Konzentration auf ausschüttungsstarke Unternehmen
Diese Tatsache widerspricht Argumenten, die gegenwärtige Korrektur sei rasch wieder vorbei, da sich fundamental nichts geändert habe. Neben der veränderten Volatilitätslage sprechen jedoch auch zunehmende Spreads im Kreditbereich für eine veränderte Lage und für ein verändertes Risikobewusstsein der internationalen Anleger. Das führt dazu, dass viele Kredit finanzierte Strategien nicht mehr so leicht wie in der Vergangenheit umzusetzen sein dürften. Entsprechende Impulse werden künftig im Markt fehlen.
Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, sich defensiv zu positionieren. Wie geht das? Anleger können sich stärker als bisher auf ausschüttungsstarke Unternehmen konzentrieren. Allerdings ist es ratsam, die einzelnen Werte genauer zu betrachten. Denn zieht man gegenwärtig eine Liste dividendenstarker Werte, so fällt sie nicht nur sehr umfangreich aus, sondern die ausgewiesenen Dividendenrenditen sind zum Teil ausgesprochen hoch.
Das hat jedoch damit zu tun, dass viele Unternehmen in den vergangenen Jahren sehr gut verdienten oder sich restrukturierten und dass sie ihre Aktionäre haben an den Resultaten in Form von Sonderausschüttungen teilhaben lassen. Genau diese sollte man jedoch herausrechnen, wenn man sich für die längerfristige Ausschüttungskompetenz eines Unternehmens interessiert. Das ist ein großer Aufwand. Dieser lässt sich umgehen, indem man sich auf eine Branche konzentriert, die für starke und stetige Cashflows bekannt ist. Dazu zählen neben den Versorgern und den Herstellern von Basisgütern die Telekommunikationswerte.
Dazu zählen viele der Telekommunikationsunternehmen
Sie mögen aufgrund der zum Teil verheerenden Kursverluste der vergangenen Jahre und der harten Konkurrenz sowie abnehmender Wachstumsmöglichkeiten bei Anlegern einen schlechten Ruf haben. Die Dividenden und deren Stetigkeit jedoch können sich zumindest bei den Marktführern sehen lassen. Während man die Aktie der Compania Anonima Nacional Telefonos de Venezuela mit einer Dividendenrendite von knapp 58 Prozent aufgrund der unberechenbaren politischen Rahmenbedingungen und die Papiere der Telefonica del Peru mit einer Rendite von 12,5 Prozent aufgrund der jüngsten Sonderausschüttungen der verhaltenen Gewinnentwicklung kritisch betrachten sollte, so sehen die Papiere der Bezeq Israeli Telecommunication Corporation schon interessanter aus.
Immerhin zeigen sowohl die Umsatz- als auch die Gewinnentwicklung nach oben. Ähnliches gilt auch für die Papiere der Eesti Telekom, die eine Dividendenrendite von 7,5 Prozent ausweisen, der Magyar Telekom und nicht zuletzt auch der Telecom Italia, der Belgacom, und der Alaska Communications Systems. Selbst die Papiere der France Telekom, der Deutschen Telekom und der BT Group bieten mit Dividendenrenditen zwischen 5,3 und 5,9 Prozent gewisse Reize. Wer sich solche Aktien bei Kursschwächen ins Depot legt, dürfte längerfristig nicht viel falsch machen können. Denn aufgrund der hohen Ausschüttungen dürften die Kurse nach unten abgefedert sein. Ändern dürfte sich das nur, wenn der Preiswettbewerb noch intensiver als bisher werden sollte. Daran scheinen jedoch die Anbieter insgesamt nur bedingtes Interesse haben, da das Preisniveau für Telekommunikationsdienste in Europa trotz des angeblichen Wettbewerbs immer noch sehr hoch ist. und kramphaft hoch gehalten wird.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
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