Anlage-Strategie

Steigender Inflationsdruck ist eine Last für die Börsen

29. Februar 2008 Nach den deutlichen Verlusten in den Monaten zuvor haben die Notierungen an den europäischen Börsen in den vergangenen Wochen einen Versuch unternommen, auf dem tieferen Niveau einen Boden auszubilden. Tatsächlich gibt es einige stützende Faktoren, wie die zumindest auf den ersten Blick optisch niedrige Bewertungen, die Aussicht auf weiter fallende Leitzinsen in Amerika und der weit verbreitete Pessimismus unter den Anlegern.

Doch von fundamentaler Seite gibt es auch Belastungsfaktoren für den Aktienmarkt, wie die Analysten der Unicredit in einer aktuellen Researcharbeit feststellen. An den zu Grunde liegenden Triebkräften der Krise, die sich in der Form einer breit angelegten Verschlechterung der Kreditqualitäten angesichts der jüngsten Daten zum amerikanischen Immobiliensektor (Preisrückgang von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr) sowie der weiteren Erosion der Kaufkraft der privaten Haushalte durch den Anstieg des Ölpreises über 100 Dollar je Barrel manifestieren, hat sich bisher nichts geändert.

Ölpreis und Dollar verschlechtern die Gewinnaussichten

Die neuerliche Stärke des Euro unterstreicht zudem die Risiken für den Konjunkturausblick und die Entwicklung der Unternehmensgewinne. Die Euro-Aufwertung hat in den vergangenen beiden Jahre zwar laut Unicredit bsiher noch kaum auf die Exporterwartungen durchgeschlagen. Da die Triebfedern der Euro-Stärke (divergierende Geldpolitik in Euroland und Amerika) intakt sind und verbale Interventionen von Seiten der Unternehmen oder der EZB bislang Mangelware sind, besteht allerdings die Gefahr, dass sich die Euro-Stärke noch solange fortsetzt, bis eine erkennbare Schmerzgrenze erreicht ist. Aufgrund des über die vergangenen 15 Jahre feststellbaren Zusammenhangs mit der Entwicklung der Gewinnschätzungen ist daher zunehmend von einer Belastung für die Aktienmärkte auszugehen (siehe Grafik).

Im bisherigen Verlauf des Zyklus war die zu Grunde liegende Gewinndynamik hoch genug, um Belastungsfaktoren zu verkraften. Die Persistenz der Euro-Stärke trifft nun jedoch auf einen zunehmend reifen Gewinnzyklus, wodurch die Anfälligkeit gegenüber Währungseffekten zunimmt. Die Gewinnschätzungen für die kommenden zwölf Monate sind in den vergangenen sechs Monaten nur noch um rund vier Prozent gestiegen, was das niedrigste Niveau der vergangenen vier Jahre markiert, wie Unicredit-Analyst Gerhard Schwarz vorrechnet. Da die Entwicklung der Gewinnschätzungen typischerweise der Währungsentwicklung hinterherhinkt, rechnet Schwarz in den nächsten Monaten mit weiteren Gewinnrevisionen. Vor diesem Hintergrund sehen die Analysten bei der Unicredit die Gefahr, dass die derzeit noch günstig erscheinende günstige Bewertung durch fallende Gewinnschätzungen relativiert wird.

Weiter steigende Inflationsraten würden eine Erholung in den Bewertungsrelationen begrenzen

Unter Bewertungsgesichtspunkten stellt auch der anhaltende Aufwärtsdruck in den globalen Inflationsraten einen Belastungsfaktor dar. Für den Aktienmarkt wäre ein nachhaltigerer Inflationsanstieg (Inflationsrate länger deutlich über zwei Prozent) negativ zu werten. Denn wie Schwarz herausgearbeitet hat, lässt sich im längerfristigen Vergleich zeigen, dass strukturelle Verschiebungen in den Inflationsraten invers korreliert waren mit der Bewertung des Aktienmarktes (siehe Grafik). „Sollte sich der Aufwärtstrend in den nächsten Monaten fortsetzen, würde dies gegen eine nachhaltige Erholung der Bewertungskennzahlen sprechen und das Erholungspotenzial der Aktienmärkte daher limitieren“, lautet die Befürchtung von Schwarz.

Die zuletzt veröffentlichten Inflationszahlen deuten auf einen anhaltenden globalen Teuerungsdruck hin. Die breit angelegten Preissteigerungen bei Rohstoffen (Öl, Industriemetalle, Agrarprodukte) schüren zunehmend Befürchtungen vor Zweitrundeneffekten, was sich in einer anhaltend restriktiven Inflationsrhetorik der Europäischen Zentralbank sowie in einem deutlichen Anstieg der impliziten Inflationserwartungen ablesen lässt. Aufgrund der aufgezeigten historischen Erfahrungen ist es sinnvoll, die weitere Entwicklung der Inflationsraten genau im Blick zu behalten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @JüB
Bildmaterial: UniCredit

 
IndexPunkteProzent
Europa
Dax 5.363,64 -32,68
STOXX 50 2.872,70 -35,61
FTSE 100 4.573,36 -30,42
CAC 40 3.735,48 -36,47
Welt
DowJones 9.955,50 -29,22
Nasdaq 1.862,96 -32,99
Nikkei 225 10.155,90 -38,63
Hang Seng 16.803,76 -39,62
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Länder Performance
Top Indizes1 Jahr
I.G.P.A. INDEX -21,45
MEXICO IPC INDEX -26,27
KUALA LUMPUR KLSE COMPOSITE IN -27,37
IBEX 35 INDEX -27,98
SWISS MARKET INDEX(SMI) -28,83
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Branchen Performance
Top CDax Branchen1 Jahr
DAXSECTOR TELECOMMUNICATION -12,97
DAXXSECTOR PHARMA & HEALTHCARE -12,99
DAXSECTOR CHEMICALS -22,12
DAXSECTOR UTILITIES -22,31
DAXSECTOR CONSUMER -29,91
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Fonds Performance
Top Kategorien1 Jahr
Renten CZK +15,97
Renten USD Hypotheken +7,26
Renten JPY +6,17
Renten Kurzläufer CHF +5,07
Renten Europa Emerging Market +5,03
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
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