06. März 2007 Da in den vergangenen Tagen mit zum Teil deutlich fallenden Kursen an den Börsen die Volatilität und damit die Unsicherheit der Anleger zugenommen hat, sind Absicherungsstrategien wieder gefragter geworden als in den Monaten zuvor, als die Börse im beinahe unbeirrten Trend nach oben lief.
So dürfte es kaum verwundern, dass auch entsprechende Empfehlungen herumgereicht wurden. Allerdings sollte man sie mit einer gewissen Portion Skepsis betrachten. Denn es stellt sich immer die Frage, ob das auch stimmt, was über die verschiedensten Kanäle kursiert.
Bei Gefahr einer ausgeprägten Korrektur schlägt keinesfalls die Stunde der Discount-Zertifikate
So hieß es beispielsweise bei der Gefahr von Kursrückschlägen oder langen Seitwärtsbewegungen am Aktienmarkt schlägt stets die Stunde der Discount-Zertifikate. Discounter ermöglichen einen Einstieg in den Aktienmarkt mit einem Preisnachlass oder neudeutsch: Discount, der als Puffer für begrenzte Kursrückschläge wirkt. Bei einem Discount etwa auf die Allianz-Aktie von zehn Prozent verliert das Zertifikat nicht an Wert, solange die Aktie diesen Verlust nicht überschreitet.
Eine nähere Betrachtung solcher Argumente macht jedoch zwei Dinge deutlich. Erstens eignen sich Diskontzertifikate, Aktienanleihen, Reverse-Contvertibles oder wie immer auch ähnliche Konstruktionen genannt sein mögen, nicht für eine Absicherung gegen deutliche Kursrückschläge. In diesem Sinne haben sie in einer Argumentationskette, die sich mit Absicherungsstrategien beschäftigt, nichts zu suchen. Denn die Papiere tragen das volle Verlustrisiko nach unten, auch wenn es im Vergleich mit Aktien um den berühmten Puffer reduziert sein mag.
Discount-Zertifikate bewegen sich mit dem Markt - vor allem nach unten
Zweitens ist die Formulierung bei einem Discount etwa auf die Allianz-Aktie von zehn Prozent verliert das Zertifikat nicht an Wert, solange die Aktie diesen Verlust nicht überschreitet grob fahrlässig. Denn sie bezieht sich allenfalls auf den Zustand am Ende der Laufzeit eines solchen Papiers und keinesfalls auf den Kurs während der Laufzeit. Ein Diskontzertifikat wird während der Laufzeit gnadenlos mit dem Wert des Basiswerts nach unten laufen, sofern jener Schwäche zeigt. Das zeigt alleine schon der Kursverlauf eines beispielhaft ausgewählten Produktes (siehe Chart, Isin DE000DB0KQG5). Dagegen sind die denkbaren Kursgewinne aufgrund der asymmetrischen Struktur beschränkt.
Aus diesem Grund eigenen sich diese Papiere nur für die Spekulation auf eine sehr begrenzte Marktentwicklung. Discounter ermöglichen durch ihre Konstruktion erkleckliche Gewinne in seitwärts laufenden oder leicht fallenden Märkten, heißt es so schön in oberflächlichen Beschreibungen oder Werbeprospekten. Wer jedoch wird den Markt so genau prognostizieren können? Und wer weist darauf hin, dass die möglichen Renditen in Zeiten niedriger Volatilitäten alles andere als erklecklich sind, der Risikopuffer gegen fallende Kurse sehr gering ist und die Opportunitätskosten in Form entgangener Gewinne bei deutlich steigendem Markt sehr hoch sind?
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es interessantere Produkte gibt als Diskontzertifikate. Sollte man trotzdem auf sie setzen, so wäre die rollende Variante deutlich interessanter als die Standardvariante. Denn sie bietet aufgrund der Volatilitätsstruktur nicht nur höhere Renditen, sondern passt sich dem Markt besser an.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
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