01. Dezember 2008 Die Fundamente der Geldanlage sind schwach geworden in den vergangenen Wochen der Krise: Oft muss man sie nur einmal scharf ansehen, schon wanken sie. So geht es nun auch dem Leitsatz, der besagt: Sparer sollten ihr Geld verteilen. Auf Aktien, Anleihen, Sparkonten, Rohstoffe - auf möglichst viele Dinge eben. Damit in Summe möglichst viel Geld übrig bleibt, wenn ein oder zwei Anlagen abstürzen.
Kaufen Sie Rohstoffe, schrien die Banken zum Beispiel und vertickten auf diese Weise Rohstoff-Zertifikate - selbst als die Preise schon längst nicht mehr stiegen. Schließlich hieß das Argument: Rohstoffe senken das Risiko. Und das leuchtete allen Leuten ein. Sogar den unabhängigsten Experten. Schließlich sagten diese Experten selbst immer: Man sollte nicht alle Eier in einen Korb legen.
Das hatten zum Beispiel die Ölkrisen bewiesen. Damals sanken die Aktienkurse, weil der Ölpreis stieg und so den Unternehmen Schwierigkeiten bereitete - da lag die Folgerung nahe: Wer sein Geld in Öl und Aktien hat, dessen Depot bleibt stabiler als das von einem, der nur Aktien hat.
Nobelpreise sind keine Garantien
Diese Weisheit galt bisher grundsätzlich: Wer sich eine gute Aufteilung ausdenkt, kann sein Geld riskanter anlegen. Denn wenn er viele unterschiedlich riskante Anlagen hat, gleichen deren Schwankungen einander schließlich wieder aus. Dem Anleger bleibt aber die höhere Rendite, die er für unstete Geldanlagen bekommt, zum Beispiel für Aktien.
Das hat in den fünfziger Jahren der Ökonom Harry Markowitz in der amerikanischen Denkfabrik Rand Corporation vorgerechnet - und dafür sogar den Nobelpreis bekommen. Mit seiner Formel konnten Börsenexperten relativ schnell ausrechnen, wie Anleger ihr Geld verteilen müssen, um Risiko und Rendite in ein möglichst gutes Verhältnis zu bringen.
Dann kam die Finanzkrise, vor allem der schwarze Oktober. Und die Kurse der unterschiedlichsten Geldanlagen stürzten gleichzeitig ab. Die Aktien aus Industrieländern waren plötzlich rund 25 Prozent weniger wert. In den Schwellenländern gingen die Kurse sogar um 40 Prozent abwärts - obwohl es doch immer hieß, deren Wirtschaft werde sich abkoppeln.
Die schwache Konjunktur drückte auch noch die Preise für Öl und andere Rohstoffe. Hedge-Fonds liefen relativ stabil - aber relativ stabil hieß in diesem Fall lediglich, dass sie weniger verloren. Die vormals so sicheren Anleihen verloren an Wert, wenn der Schuldner nicht gerade ein Industriestaat war. Und selbst die legendäre Krisenwährung Gold war nicht so begehrt, dass ihr Preis gestiegen wären. Geld verdienen konnten Sparer nur mit Staatsanleihen und Bankeinlagen.
Gestern ist nicht morgen
Hatte Markowitz also unrecht? Nein, seine Formel stimmt immer noch. Das Problem ist: Mit seiner Formel können Sparer nur dann die beste Aufteilung für ihr Vermögen finden, wenn sie die Märkte richtig einschätzen - vor allem die Frage: Wie hängen welche Geldanlagen zusammen? Wenn Aktien abstürzen, wie wahrscheinlich ist es dann, dass das Öl das auch tut?
Das können auch Börsenexperten nur an den Kursen der Vergangenheit ablesen - und sie müssen nun einmal mehr lernen, dass die Kursbewegungen von gestern und die von morgen manchmal nur wenig gemein haben.
Zwar seien viele Börsianer es gewohnt gewesen, dass in Krisen viele Geldanlagen gleichzeitig abstürzen, betont Michael Schröder, Leiter der Finanzmärkte-Abteilung am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Doch dass selbst Gold und Hedge-Fonds betroffen sind, das ist ungewohnt.
Deshalb findet Christian Gattiker, Chef-Anlagestratege der Bank Julius Bär: Eine gute Streuung hilft gegen einen Sturm. Dieses Mal hatten wir einen Orkan. Schließlich habe die Krise viele Investoren dazu gezwungen, all ihre Anlagen zu Geld zu machen - und so fielen tatsächlich die Kurse vieler Wertpapiere, völlig unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung.
Nur Sicheres ist sicher
Dem Anleger bleibt nur zu lernen, dass auch eine gute Streuung nicht ganz so viel bringt wie gedacht - und dass die Sicherheit im Depot aus den Staatsanleihen und aus den Bankeinlagen kommt. Wer Verluste nur schwer in Kauf nehmen kann oder wenig Zeit hat, um schlechte Zeiten auszusitzen, der sollte mehr von seinem Geld dorthin legen.
Was die Banken tönten, ist damit noch nicht falsch. Selbst Rohstoffe bringen durchaus etwas Sicherheit, denn es wird auch wieder Zeiten geben, in denen Aktienkurse fallen und Rohstoffe steigen.
Doch wo die Anleger früher für die Rohstoffe einen Teil der Aktien und einen Teil der Anleihen aus dem Depot genommen haben, sollten sie künftig vielleicht immer Rohstoffe statt Aktien einsetzen. Die hängen am Wirtschaftswachstum und schwanken deshalb, sagt der Vermögensverwalter Stephan Albrech. Von dem Gedanken, dass die alternativen Anlagen ganz anders als Aktien laufen, von dem sollten Anleger sich verabschieden.
Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z.
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