Hypothekenkrise

Die Anleger sind nervös geworden

Von Kerstin Papon

15. August 2007 Angesichts der Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt hat die Nervosität der Anleger spürbar zugenommen. Ausdruck hierfür sind die an den Aktienbörsen stärker schwankenden Kurse (Volatilitäten). Sie erhöhen das Risiko der Aktienanlage selbst, nehmen aber auch Einfluss auf die Derivate, die sich auf die Dividendenpapiere beziehen. Manche Finanzprodukte wie Discountzertifikate werden mit höheren Volatilitäten günstiger, die Renditechancen verbessern sich dadurch. Andere wie spekulative Optionsscheine steigen dagegen deswegen im Preise, ihre Ertragschancen vermindern sich.

In der Regel gehen fallende Aktienkurse mit höheren Volatilitäten einher. Auch jetzt haben die Schwankungen mit den Kursrückgängen zugenommen. Der Deutsche Aktienindex Dax lag am Mittwoch bei rund 7400 Punkten, fast 10 Prozent niedriger als bei seinem Rekordhoch vor einem Monat. Steigen die Notierungen hingegen, dann vermindern sich die Schwankungen meist wieder.

Höhe der Schwankungsbreite beeinflusst Preise nicht

Ein Maß für die Volatilität des deutschen Aktienmarktes ist der V-Dax-New. Er bildet die von den Marktteilnehmern für die kommenden 30 Tage erwartete Schwankungsbreite des Dax ab. In dieser Woche kletterte der V-Dax-New bis auf 30,38 Prozent. Einen solchen Wert zeigte der Index zuletzt vor rund einem Jahr. Im Jahrestief waren es 13 Prozent. Der Durchschnittswert für den V-Dax-New seit dem Jahr 1997 beläuft sich auf 24 Prozent. Einzelne Aktien schwanken im Kurs natürlich stärker als ganze Indizes. Zu den Volatilitätsspitzenreitern gehören derzeit Bankaktien, die durch die Turbulenzen an den Kreditmärkten besonders unter Druck geraten sind.

Zum Börsenkurs

Wie wirken sich die Volatilitäten nun im Detail auf die Derivate aus - also auf Anlagezertifikate und spekulative Hebelpapiere, die verschiedene Gewinnmöglichkeiten und zum Teil Kapitalschutz bieten? Einfache Indexzertifikate beispielsweise auf den Dax bewegen sich eins zu eins mit dem Börsenbarometer. Die Höhe der vom Markt geschätzten Schwankungsbreite des Dax beeinflusst die Preise nicht.

Je länger Papiere laufen, desto stärker ist der Einfluss

„Viele strukturierte Produkte basieren allerdings auf Optionen“, erläutert Marcel Langer, Derivateexperte der Investmentbank UBS. Dies gilt auch für die beliebten Discount- und Bonuszertifikate, die das eingesetzte Kapital zum Teil gegen Kursverluste schützen. „Da die Optionen eine Art Versicherung gegen schwankende Aktienkurse sind, erhöhen sich mit den steigenden Volatilitäten auch die Versicherungsprämien“, sagt Langer. Dabei gilt: Je länger die Papiere laufen, desto stärker ist der Preiseinfluss der Volatilität.

Bei Discountzertifikaten, die den Kauf einer Aktie oder eines Index mit einem Abschlag ermöglichen, werden die nun teurer gewordenen Optionen im Hintergrund von den Banken verkauft. Dadurch steigen die Renditechancen. Bei anderen Derivaten, wie Outperformance-Zertifikaten für optimistischere Anleger, werden sie gekauft, die Ertragsmöglichkeiten gehen nun insofern zurück. Je höher die Optionsprämie ist, desto größer fällt bei einem Discountzertifikat der Abschlag aus.

Das Lager der Hebelpapiere ist derzeit zweigeteilt

Der Zertifikatepreis sinkt, was für potentielle Käufer positiv ist, jedoch negativ für die Zertifikatebesitzer. „Auch Bonuszertifikate sind in vielen Fällen durch die höheren Volatilitäten günstiger geworden“, sagt Holger Bosse von der Deutschen Bank. Nach Ansicht von Langer sollten Anleger nun eher defensivere Papiere kaufen. Sie böten einen besseren Schutz bei Kursverlusten. „Denn höhere Volatilitäten sind nichts anderes als ein Maß für ein entsprechend gestiegenes Risiko.“

Das Lager der Hebelpapiere für die Spekulation auf steigende oder fallende Kurse mit vergleichsweise geringem Einsatz ist zweigeteilt. Optionsscheine werden mit höheren Volatilitäten teurer. Bei den Knock-out-Produkten, die, falls der Basiswert festgelegte Kursschwellen berührt, fast wertlos verfallen, steigt mit stärker schwankenden Kursen zwar die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses. Der Preis an sich bleibt hiervon unberührt.



Text: F.A.Z., 16.08.2007, Nr. 189 / Seite 17
Bildmaterial: F.A.Z., FAZ.NET

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