Strategie

Zinsphantasie führt zu volatilem Risikoappetit

30. November 2007 Mach mehreren Wochen mit deutlichen Kursverlusten scheinen die Aktienanleger in den vergangenen Tagen ihren Risikoappetit wieder gewonnen zu haben. Einzelne europäische Märkte wie etwa der Schweizer SMI haben in gerade einmal acht Tagen knapp neun Prozent zugelegt.

Die restlichen Börsen schlossen sich mit einer gewissen Verzögerung dieser Entwicklung an. Der Dax konnte alleine in den vergangenen drei Handelstagen einen Kursgewinn von knapp sechs Prozent verbuchen. Die kleineren Werte im M- und SDax liefen sogar noch etwas besser.

Kurzfristig zeigen die Märkte Dynamik nach oben ...

Auch die weiteren Aussichten scheinen zumindest aus technischer Sicht und in kurzfristiger Betrachtung positiv auszusehen. Denn am Freitag läuft der Dax im Tagesverlauf unbeirrt nach oben. Die Entwicklung wird kurzfristig gestützt oder gar getrieben von den amerikanischen Terminmärkten, die auf eine starke Eröffnung der amerikanischen Börse hindeuten.

Grundsätzlich scheinen sich die Marktteilnehmer gegenwärtig vom so genannten Beige Book der amerikanischen Zentralbank zu Wertpapierkäufen inspiriert zu sehen. Das hatte eine verhaltene Entwicklung der amerikanischen Konjunktur beschrieben und die Anleger auf diese Weise erwarten lassen, sie werde den amerikanischen Leitzins in den kommenden Monaten weiter senken. Schon im September und Oktober hatte sie die Fed Funds Target Rate in zwei Schritten einmal um 0,5 Prozentpunkte und einmal um 0,25 Prozentpunkte auf zuletzt 4,5 Prozent gesenkt.

Mehrere Äußerungen von offizieller Seite hatten diesen Eindruck zwischenzeitlich sogar noch verstärkt. Die amerikanische Zentralbank dürfte also dazu tendieren, Inflationsbedenken hinter Wachstumsbedenken zurückzustellen und mit einer lockeren Geldpolitik Wachstum um jeden Preis erreichen zu wollen. Ob dieser Rechung aufgehen wird, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Fakt ist jedoch immerhin, dass auf diese Weise der Dollar in die Defensive geriet. Ein schwacher Dollar dämpft die Importnachfrage und fördert die Exportindustrie des Landes.

Grundsätzlich sind jedoch die Konjunkturdaten der Vereinigten Staaten in den vergangenen Wochen relativ schwach ausgefallen. Denn die anhaltende Immobilien- und Kreditkrise macht sich bremsend bemerkbar, immer mehr auch im bisher so wichtigen Konsumbereich. Immer mehr Experten rechnen damit, dass die Wirtschaft des Landes sogar in eine Rezession abgleiten könnte. Selbst in Europa nimmt die wirtschaftliche Dynamik ab. Das hindert die Börsianer jedoch nicht daran, kurzfristig auf steigende Kurse zu setzen.

... mittelfristig dürfte die Volatilität andauern

Es fragt sich nur, was man als Anleger davon halten kann und soll. Handelt es sich schon um das so genannte Window Dressing, mit dem Fondsmanager gegen Jahresende hin ihre Bilanzen durch entsprechende Transaktionen aufpeppen wollen oder handelt es sich um eine normale Erholung? Für Window Dressing sei es noch zu früh, dagegen seien gerade in Deutschland einige Werte „völlig ausgebombt“ gewesen und hätten aus diesem Grund zu Käufen eingeladen, erläutert Heino Ruland von der Steubing AG. Er verweist dabei auf den offensichtlich anstehenden Trend zu sinkenden Zinsen, zumindest in den Vereinigten Staaten.

Die Anleger tendierten gegenwärtig dazu, die negativen Nachrichten zu verdrängen. Allerdings seien die Handelsvolumina relativ gering und die Lage könne sich aufgrund von hereinkommenden Nachrichten relativ schnell ändern. So kämen noch im Laufe des Dezembers die Ertragszahlen der amerikanischen Finanzunternehmen auf den Tisch und sie könnten noch negative Überraschungen mit sich bringen. Aus diesem Grund sei es ratsam, vorsichtig zu sein.

Faktisch sei die amerikanische Wirtschaft schwach, während sich die konjunkturelle Entwicklung in Europa nur normalisiere. Sie würde nur dann negativ beeinflusst werden, wenn Amerika die bisherigen Wachstumsmärkte in Asien und auch in Osteuropa negativ beeinflussen würde. Das sei jedoch im Moment noch nicht absehbar. So werde die Europäische Zentralbank aufgrund der inflationären Entwicklung bis auf weiteres relativ restriktiv bleiben.

Aus diesem Grund dürfte der Euro relativ stark bleiben, denkt Ruland. Für die deutsche Exportindustrie müsse das jedoch nicht unbedingt tragisch sein. Denn sie seien inzwischen geographisch stark diversifiziert und könne aus diesem Grund trotz eines starken Euro hohe Margen erzielen. Dieser Effekt sei wichtiger, als Translationseffekte, die bei der Umrechung von im Ausland erzielten Gewinnen um Umsätzen in die heimische Bilanz auftreten. Allerdings stelle der Eurokurs eine Schmerzgrenze dar, da amerikanische Unternehmen aufgrund der verbesserten Wettbewerbsfähigkeit über die Währungsschiene in die Märkte hereindrängen, die bisher von europäischen Unternehmen bedient wurden. So ziehe beispielsweise General Electric in den Schwellenländern immer mehr Infrastrukturaufträge an sich.

Insgesamt werde es an den Börsen bis ins zweite Quartal des kommenden Jahres volatil bleiben. Dann könnten sich zumindest in den Vereinigten Staaten die ersten positiven Zeichen der wahrscheinlichen Niedrigzinspolitik zeigen. Das werde an der Börse entsprechend „gefeiert“ werden und könne auch dem Dollar zumindest zu einer zyklischen Rennaissance verhelfen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 
IndexPunkteProzent
Europa
Dax 4.544,31 -43,10
STOXX 50 2.421,87 -45,52
FTSE 100 3.932,06 -40,48
CAC 40 3.176,49 -45,59
Welt
DowJones 8.451,19 -39,97
Nasdaq 1.649,51 -41,33
Nikkei 225 8.276,43 -51,82
Hang Seng 14.796,87 -48,21
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Länder Performance
Top Indizes1 Jahr
I.G.P.A. INDEX -31,31
KUALA LUMPUR KLSE COMPOSITE IN -32,03
MEXICO IPC INDEX -36,13
TEL AVIV TA - 100 INDEX -39,27
IBEX 35 INDEX -39,47
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Branchen Performance
Top CDax Branchen1 Jahr
DAXXSECTOR PHARMA & HEALTHCARE -29,08
DAXSECTOR TELECOMMUNICATION -29,83
DAXSECTOR AUTOMOBILE -32,47
DAXSECTOR CHEMICALS -34,02
DAXSECTOR CONSUMER -37,47
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Fonds Performance
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