19. November 2007 Nach satten Kursgewinnen und einem schönen Aufwärtstrend vom März des Jahres 2003 bis in den Juli des laufenden Jahres sah es zunächst so aus, als ob nichts die Märkte an einem weiteren Lauf nach oben hindern könnte.
In Deutschland wurden die Anleger und Strategen mehrheitlich sogar ausgesprochen optimistisch, als der Dax am 16. Juli mit 8.105,7 Zählern auf Basis der Schlusskurse sogar ein Allzeithoch erreichte. Die Weltkonjunktur sah robust aus. Die immer deutlicher werdende Schwäche der amerikanischen Konjunktur schien daran nichts ändern zu können. Abkoppelungstheorien machten die Runde, die besagten, dass die amerikanische Konsumnachfrage für das globale Wachstum nicht mehr so wichtig sei, wie in der Vergangenheit. Denn sie werde ausgeglichen durch die Nachfrage aus anderen Regionen.
Dax liegt sechs Prozent unter dem Allzeithoch und flirtet charttechnisch mit dem Aufwärtstrend
In Europa schienen selbst die hohen Energie- und Rohstoffkosten und auch das Rekordniveau der europäischen Einheitswährung nichts auszumachen. Und das, obwohl die europäischen Unternehmen auf diese Weise insbesondere gegen asiatische Konkurrenten, die in Währungsräumen mit künstlich niedrig gehaltenen Währungen ansässig sind, an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Auch die Liquiditäts- und Kreditkrise wurde lange Zeit nicht ernst genommen. Erst hieß es, sie seien nicht relevant. Inwischen argumentieren die Optimisten, die Konsequenzen seien längst eingepreist. Dabei spricht es für sich selbst, wenn Zentralbanken schon seit Wochen massiv Liquidität in die Geldmärkte pumpen, um das liquiditätstechnische Trockenlaufen der Finanzunternehmen und Banken zu verhindern.
Inzwischen hat sich diese Wahrnehmung verändert. Das zeigt sich an der anhaltenden Konsolidierung an den Börsen und auch daran, dass immer mehr Ökonomen mit einer Rezession in den Vereinigten Staaten und mit entsprechend negativen Folgen für die Weltwirtschaft rechnen. Der Dax liegt sechs Prozent unter seinem Allzeithoch und flirtet charttechnisch mit dem Aufwärtstrend. Sollte der gebrochen werden, sähe es zumindest aus technischer Sicht nicht sonderlich gut aus.
Grundsätzlich haben sich die Rahmenbedingungen in den vergangenen Monaten in der Tendenz verschlechtert. Viele europäische Unternehmen berichten zwar starke Gewinne und über hohe Auftragsbestände. Allerdings deuten vorlaufende Indikatoren auf eine Abschwächung der Dynamik hin. Gleichzeitig sind die Konsumentenpreis sowie auch die Preiserwartungen in Bewegung nach oben geraten, die Preis-Lohnspirale scheint wieder aufzuleben. Die Streiks der Lokführer haben eine Art Signalfunktion. Sollten sie hohe Lohnzuwächse durchsetzen können, so scheinen Folgestreiks die logische Konsequenz zu sein.
In diesem Umfeld dürfte die europäische Zentralbank anhaltend restriktiv bleiben müssen. Ähnliches gilt auch für die amerikanische Notenbank. Sie steht vor einer schwierigen Wahl. Sollte sie auf die konjunkturelle Schwäche - die Industrieproduktion fiel im Oktober um 0,5 Prozent - mit den Zinssenkungen reagieren, die die Rentenmärkte gegenwärtig erwarten, so dürfte das den Dollar weiter schwächen. Auf diese Weiser würden die Energie- und Rohstoffpreise, sowie die amerikanischen Importpreise generell nach oben getrieben werden. Der amerikanische Erzeugerpreisindex lag im Oktober auf Jahresbasis bei 6,1 Prozent, die Inflationsrate lag bei 3,4 Prozent. Viele Strategen heben zwar auf die Kerninflationsrate ab, die bescheidener ausfalle. Allerdings sollten sie dann auch auf die Kernrate bei der Verbrauchernachfrage blicken. Dann jedoch sieht der amerikanische Konsum schwach aus.
Verfügbarkeit von Krediten deutlich eingeschränkt - werden Unternehmensergebnisse negativ beeinflußt?
Das dürfte kaum verwundern. Immerhin haben sich die amerikanischen Konsumenten in den vergangenen Jahren stark verschuldet und zunächst von steigenden Hauspreisen profitiert. Wurden die Immobilien immer mehr wert, so konnten sie hypothekarisch immer stärker belastet und das aufgenommene Geld konsumiert werden. Das ist jedoch vorbei.
Inzwischen fallen die Hauspreise in weiten Teilen des Landes und das Kreditkarussell läuft nun rückwärts. Der amerikanische Häusermarkt befindet sich in der Krise und alle damit verbundenen Branchen sind davon betroffen. Gleichzeitig hat sich die Kreditqualität massiv verschlechtert. Das brachte viele Anleger in die Bredouille, die sich die Kontrakte direkt oder indirekt über strukturierte Produkte ins Depot gelegt hatten. So dürfte es kaum verwundern, dass dieser Teil des Marktes zusammengebrochen ist.
Grundsätzlich ist in den vergangenen Wochen die Verfügbarkeit von Krediten deutlich eingeschränkt worden. Wenn sie noch vergeben werden, dann oft zu harscheren Konditionen, als in den vergangenen Jahren. Am Freitag hat Goldman Sachs gewarnt, dass das Kreditvolumen aufgrund der aktuellen Krise voraussichtlich um zwei Billionen Dollar eingeschränkt werden dürfte. Das könne eine erhebliche Rezession in den Vereinigte Staaten zur Folge haben, hieß es.
Die Befürchtung wächst, dass sich die Schwäche am Kreditmarkt auch auf die Unternehmensergebnisse auswirken und das Wirtschaftswachstum weltweit weiter verlangsamen wird. Schon jetzt deuten vorlaufende Indikatoren auf eine entsprechende Entwicklung hin. Wie sollten sich Anleger in diesem Umfeld verhalten? Zu viel Optimismus scheint nicht angebracht zu sein. Einerseits können Absicherungsstrategien sicherlich nicht schaden. Auf der anderen gibt es in jeder Phase Unternehmen, die von innovativen Produkten oder einer besonderen Marktstellung profitieren können. Und auf genau die kann man setzen. Gegenwärtig sind robuste Unternehmen mit starken Cashflows und hohen Dividendenrenditen sicherlich nicht die schlechteste Wahl. Dazu gehören einzelne Telekommunikationswerte: Die T-Aktie bietet eine Dividendenrendite von knapp 4,8 Prozent.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: Bank of America, Dallas FED, Freddie Mac, BEA, FED, Dallas FED, Freddie Mac,S&P/Case-Shiller, Dallas FED, MBA, Dallas FED, NAR, CB, Dallas FED, NAR, Dallas FED, Staud Research
| Top Indizes | 1 Jahr |
|---|---|
| -31,31 | |
| -32,03 | |
| -34,77 | |
| -36,13 | |
| -37,04 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
| Top CDax Branchen | 1 Jahr |
|---|---|
| -21,06 | |
| -22,81 | |
| -28,70 | |
| -29,34 | |
| -29,59 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
| Top Kategorien | 1 Jahr |
|---|---|
| +14,69 | |
| +13,79 | |
| +6,99 | |
| +6,90 | |
| +6,68 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |