13. Februar 2006 Peter Huber gehört zu den besten deutschen Vermögensverwaltern. Er gründete die PEH Wertpapier AG, war an der Starcapital AG beteiligt und führt nun in Oberursel das Kapitalmarktforschungs-Unternehmen Huber Portfolio AG.
Dessen Flaggschiff ist der internationale Aktienfonds Starpoint, den Huber seit mehr als fünf Jahren managt und der von 2001 bis 2005 mit 68 Prozent zu den besten seiner Gruppe gehört. Im folgenden Interview erläutert er seine aktuelle Einschätzung der Lage und welche Konsequenzen er als Anleger daraus zieht.
Herr Huber, wie teuer wird Gold?
Der Preis steigt auf 2000 Dollar pro Unze, aber nicht in einem Rutsch.
Eine Vervierfachung! Warum?
Wir steuern auf eine große Finanzkrise zu. An deren Ende wird Geld wieder an ein Gut gebunden, das nicht beliebig vermehrbar ist. Eine Renaissance der Golddeckung.
Das klingt mehr als verwegen.
Es passiert ja nicht dieses Jahr, vielleicht sogar erst in 10 bis 20 Jahren. Geld und Gold zu verknüpfen ging schief. Heute leben die Staaten gut mit der Geldschwemme. Natürlich sind die Amerikaner zufrieden, daß sie auf Pump leben und Ausländer ihr Wachstum finanzieren. Aber denken Sie an sich: Bekommen Sie beliebig Kredit, um Konsum zu finanzieren?
Dagegen hätte meine Bank etwas.
Eben, irgendwann muß die Zeche gezahlt werden. Es ist nur noch nicht klar, ob vom Schuldner oder vom Gläubiger. Die Chinesen halten schon mehr als 800 Milliarden Dollar Währungsreserven, bis 2008 sind es 1200 Milliarden. Je länger sie eine Aufwertung des Yuan hinauszögern, um so teurer für sie.
Wann kommt denn der Crash?
Das weiß niemand. Fakt aber ist: Die gewaltigen Defizite in der amerikanischen Handelsbilanz werden eher noch wachsen. Schon heute sind Ölimporte der größte Posten. Amerika wird noch abhängiger von Öleinfuhren werden, weil alle großen Quellen im Land bis 2015 erschöpft sind. Ausländer werden dies auf Dauer aber nicht über Anleihen finanzieren. Mit der Folge, daß die Zinsen steigen und der Dollar massiv abwertet.
Damit zahlen die Gläubiger?
Ja, wobei die natürlich versuchen werden, genau dies zu vermeiden. Über Goldkäufe etwa. Die Chinesen legen ihre Währungsreserven auch schon in Euro oder Yen an.
Verschieben sich die Gewichte?
Amerika war lange die Wachstumslokomotive und wird sicher an Bedeutung verlieren. Indien und China kommen, Japan erholt sich, und auch in Europa entwickelt sich die Konjunktur. Gerade Investitionsgüter bieten daher gute Wachstumschancen. Ich bin sicher, daß dieser Bereich in den nächsten zwei, drei Jahren besser läuft, als derzeit erwartet wird.
Sie kaufen also gerade Siemens und General Electric?
Siemens ist derzeit sehr attraktiv. Wir kaufen, wenn wir die Preise für günstig halten. Vor kurzem haben wir etwa in Shenzen B-Aktien investiert. Diese innerchinesische Börse hatte ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von zehn und eine Dividendenrendite von 3,6 Prozent.
Riskant, weil der Markt eng ist?
Wir kaufen deshalb auch keine Einzelaktien. Das tun wir nur in liquideren Märkten wie Südkorea.
Was ist noch interessant?
Wir sind ganz klar übergewichtet in Investitionsgüter-, Energie- und Rohstoffaktien und mischen Goldminen bei - als Inflationsschutz.
Wieviel Geld sollte man in Schwellenmärkte stecken?
Das Risiko ist bei einem Portfolio-Anteil von 30 Prozent am geringsten, sagen uns unsere Studien. Das wagen aber selbst wir nicht.
Und Renten?
Grundsätzlich empfehle ich 50 Prozent Renten und 50 Prozent Aktien. Der Rentenanteil sollte derzeit sehr defensiv gefahren werden, weil das Gros der Anleger da vollkommen einseitig investiert ist.
Wieviel Aktien empfehlen Sie? 100 minus Lebensalter?
Das ist Unfug. Ich rate, unabhängig vom Alter Aktien zu kaufen, wenn diese attraktiv sind. Wenn die Zinsen noch lange tief bleiben, werden Ihre Rentenfonds bei soviel Vorsicht schlecht laufen. Entscheidend für die Anlagepolitik ist doch die Beurteilung der Risiken. Im Produktionsgüterbereich haben wir sogar einen deflationären Trend. Die Leute arbeiten länger für das gleiche Geld. Die Überschußliquidität an den Geldmärkten schlägt sich dank der Globalisierung und dem damit verbundenen Wettbewerbsdruck zwar noch nicht in den Produktpreisen nieder, jedoch schon in den Vermögensanlagen. Die Asset-Preise sind in fast allen Bereichen höher, als es fundamental gerechtfertigt wäre. Es entwickeln sich Blasen, etwa im Immobiliensektor (außer Deutschland). Die Zinsen liegen weit unter dem normalen Niveau. Dennoch investieren Anleger viel zu stark in Anleihen und zu schwach in Aktien. Das macht mich als Antizykliker genauso vorsichtig wie die Preisentwicklung. Es ist wider jede Erfahrung, Spielraum für Preisüberwälzungen zu verneinen. Auf Dauer werden sich die hohen Energie- und Rohstoffpreise schrittweise anderswo niederschlagen.
Steigen dann die Zinsen?
Genau dies erwarte ich. Bei so einseitigen Erwartungen, bei so einseitigem Investitionsverhalten der Masse kann ich nicht positiv für Anleihen gestimmt sein. Das größte Risiko gehen Sie nicht mit stärker schwankenden Anlagen ein, sondern wenn Sie vergessen, Ihr Vermögen richtig zu streuen.
Hilft das in einer richtigen Krise?
Sie sichern sich am besten ab, wenn Sie wenig korrelierte Anlagen kaufen. Auch wenn Sie nicht wissen, wann die Krise kommt.
Malen Sie nicht zu schwarz?
Nein, nehmen Sie die ehemalige DDR. Jeder wußte, daß der Staat marode war. Dann kam der Zusammenbruch viel schneller als gedacht. Krisen lassen sich nicht vorhersehen, sonst könnte man sie ja vermeiden. Wie lange etwas gutgeht, weiß ich nicht. Ich sehe Risiken, und daran orientiere ich mein Anlageverhalten, weil ich Verantwortung für Vermögen trage.
Schaffen es andere besser, rechtzeitig ein- und auszusteigen?
Besitzen Sie einen Hund?
Nein.
Wenn Sie einen hätten, wüßten Sie, daß Sie nicht vorhersagen können, wohin er beim Spaziergang läuft. Sie wissen aber: Er kommt zu Ihnen zurück. So ist es auch an der Börse: Wir wissen nicht, wohin die Kurse laufen, sie orientieren sich am Ende aber immer an den wirtschaftlichen Fakten. Das ist ihre Basis, zu der sie jedes Mal zurückkehren. Und da sehen wir uns: Wir bestimmen den Standort des Herrchens und warten darauf, daß der Hund wieder zu ihm läuft.
Das Gespräch führte Thomas Schmitt
Text: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.02.2006, Nr. 6 / Seite 45
Bildmaterial: AP, F.A.Z.-Marcus Kaufhold
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