Von Hanno Mußler, Bettina Schulz und Stefan Ruhkamp
17. März 2008 Anleger, die sich fragen, wie sie sich angesichst der andauerden Turbulenzen an den Finanzmärkten verhalten sollten, finden im Folgenden die Antwort von 14 Banken und Vermögensverwaltern:
Dresdner Kleinwort: Panik herrscht an den Märkten, auch am Devisenmarkt. Eine Korrektur des überbewerteten Euro mag bevorstehen. Aber dies ist nicht der Zeitpunkt, mutige Positionen einzunehmen. Bankentitel sind attraktiv bewertet, aber eine Übernahmewelle in der Branche wird noch einige Zeit auf sich warten lassen.
HSH Nordbank: Die von den Vereinigten Staaten ausgehende Finanzkrise macht kurzfristig weitere Kursrückschläge möglich. Auf Jahressicht sollte sich die Lage aber beruhigen. Auf dem derzeitigen Niveau sind die meisten Dax-Titel im langfristigen Vergleich recht günstig bewertet. Daher bietet sich dem risikobewussten und langfristig orientierten Anleger derzeit eine günstige Einstiegsgelegenheit.
Lehman Brothers: Die nächsten Wochen werden weiterhin von schlechten Daten im Finanzsektor geprägt sein. Erst im Mai hört dies auf. Dann aber drohen deutlich schlechtere Veröffentlichungen der zyklischen Industriewerte und im dritten Quartal Abstufungen von Unternehmensgewinnen. Die Korrektur mit Blick auf die "Rezession 2008" liegt erst halb hinter uns. Erst das dritte Quartal dürfte also der richtige Zeitpunkt für einen neuen Einstieg in den Markt sein.
DZ Bank: Wir sind in einer Finanzmarktkrise, aber keiner Wirtschaftskrise in Deutschland und im Euro-Raum. Selbst in den Vereinigten Staaten sollte der Markt auf die zweite Jahreshälfte blicken, wo von den Prognostikern fast ausnahmslos eine Erholung erwartete wird. Die Bewertungen am deutschen Aktienmarkt liegen auf Rezessionsniveau (Kurs-Gewinn-Verhältnis 2008 im Dax: 10). Die Gewinne steigen (Konsensschätzungen der Analysten) auch 2009. Die Dividendenrendite liegt über der Rentenmarktrendite. Für einen mittelfristig orientierten Anleger sind das unserer Ansicht nach Kaufniveaus. Wir sehen den Dax in zwölf Monaten bei 7600 Punkten (plus 22 Prozent).
Flossbach & von Storch: Die Rettung des Bankensystems wird einen Inflationsschub bringen. Unsere Strategie fußt deshalb auf Aktien erstklassiger Unternehmen, kurzlaufenden Staatsanleihen, einer Barreserve und Gold. Nach wie vor meiden wir Finanzwerte, da uns bei diesen Aktien die Basis zur Berechnung eines nachhaltigen Buchwertes und der Gewinnperspektiven fehlt. Wir meiden auch Aktien von Unternehmen mit schwachen Bilanzen, die in diesem Umfeld auf Kapitalzufuhr angewiesen sind. In diesem Umfeld gilt es, grundsätzlich schrittweise zu investieren. Aktuell würden wir Aktien von Topunternehmen kaufen, die überproportional gefallen sind wie Siemens, Daimler, BMW oder Philips. In den Vereinigten Staaten sind es Dollar-Profiteure wie 3M, Microsoft, ITT oder United Technologies (OTIS, Pratt & Whitney).
Union Investment: Gerade nach den Kursrückschlägen sind Aktien günstig bewertet und damit für langfristig orientierte Investoren attraktiv. Die Börsen bleiben zwar weiter sehr volatil. Mit Blick auf eine Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte dürften die Kurse an den Aktienmärkten zum Jahresende wieder anziehen. Langfristig orientierte Anleger sollten bei Kursrückschlägen gezielt Aktienpositionen aufbauen, auch wenn antizyklisches Handeln psychologisch schwer fällt.
Allianz Global Investors: Angst ernährt die Angst - dies ist die passende Überschrift zur Stimmungslage. Die Angst vor weiteren Abschreibungen auf von der Hypothekenkrise angeschlagene Kreditportfolios treibt die Risikoprämien in die Höhe und steckt dabei Wertpapiere an, die von ihrer Bonität unbedenklich wären, gäbe es eben nicht diese Angst. Das Gute ist nur: Sobald der Angst die Nahrung ausgeht, dürften sich die Bullen zurück melden. Die Stimmung ist bereits so schlecht, dass sie bereits als Contraindikator taugen dürfte.
Mack & Weise: Ergebnisreduktionen, wie jetzt von Siemens, werden aufgrund der weltwirtschaftlichen Perspektiven von Unternehmensseite noch verstärkt gemeldet werden und die Aktienmärkte erheblich belasten. Unverändert empfehlen wir daher den Anlegern, Erholungsphasen an den Aktienmärkten zum Bestandsabbau zu nutzen oder die Depots abzusichern. Nach der erheblichen Aufwärtsbewegung der Edelmetalle in den vergangenen Monaten empfehlen wir kurzfristig teilweise Gewinnmitnahmen; langfristig bleiben wir für den Edelmetallsektor unverändert positiv gestimmt.
Dekabank: In Stressphasen überreagieren die Märkte. Obwohl die Aktienmärkte fundamental günstig bewertet sind, können in den kommenden Wochen nach Krisenmeldungen aus dem Finanzsektor weitere deutliche Kursausschläge passieren. Für die privaten Haushalte gilt: Wer bereits eine ausgewogene Vermögensstrukturierung hat, der ändert auch bei den gegenwärtigen Turbulenzen an der Aktienquote nichts; wer innerhalb einer Vermögensstrukturierung an den Aufbau eines Aktienanteils denkt, der kann sich schrittweise, also in mehreren über das Jahr verteilten Tranchen, in den Aktienmarkt hinein begeben.
Bankhaus Metzler: Die einzige Frage, die wirklich zählt, lautet: Wie viel Stress steckt noch im Schatten-Finanzsystem (Conduits, strukturierte Investmentvehikel, Hedge-Fonds)? Da ihre Klärung schwierig bis unmöglich ist und mit dem Kollaps von Bear Stearns in der Kreditkrise ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde, raten wir weiterhin zur Vorsicht. Es besteht ein gesteigertes Risiko, dass sich der kaskadenartige Preisverfall in vielen Fällen bis unter den Fundamentalwert fortsetzt. Wir empfehlen defensiv zu bleiben und sichere Anlagen, das heißt Kurzläufer in den klassischen Niedrigzinswährungen Yen und Franken. Der wahre sichere Hafen ist das Edelmetall Gold.
Commerzbank: Die aktuelle Krise zeigt viele Parallelen zu der Rezession in Amerika Anfang der neunziger Jahre. Investoren, die 1991 den Mut hatten, während der Rezession Aktien zu halten, konnten in den folgenden Jahren überdurchschnittliche Erträge erzielen. Wir erwarten eine ähnliche Entwicklung für 2008 und raten Investoren daher davon ab, aufgrund von Finanzkrise, Dollartief und Ölpreishoch noch ihre Aktien zu verkaufen. Kurzfristig wird es an den Börsen turbulent bleiben, mittelfristig sollten Aktien jedoch wieder überdurchschnittliche Erträge abwerfen.
JP Morgan: Die Unsicherheit über das Ausmaß der Rezession und deren Auswirkung auf die Unternehmensgewinne wird den Aktienmarkt die nächsten ein bis zwei Monate belasten. Negativnachrichten im Finanzsektor dauern an. Drei Monate nach Beginn einer Rezession dreht der Markt und zyklische Werte ziehen wieder an. Hat die Rezession in Amerika im Januar begonnen, wäre dies bald der Fall. Anleger sollten beginnen, bei niedrigen Kursen ihre defensiven Positionen auszulösen.
Helaba: Derzeit bestimmen die Unwägbarkeiten aus der Bankenkrise die Märkte. Die beherzten Schritte der Fed sowie weitere Hilfspakete der amerikanischen Regierung sollten ausreichen, um das Schlimmste abzuwenden. Trotz der kurzfristig überwiegenden Abwärtsrisiken am Aktienmarkt ergeben sich für einen mittelfristig orientierten Anleger zunehmend interessante Einstiegsgelegenheiten.
M.M. Warburg: Langfristig orientierte Investoren mit einem gesunden Risikobewusstsein können sicher schon fundamentale Chancen an den Märkten ausmachen. Aktuell regiert jedoch eher die Angst vor einem weitreichenden Kollaps des Finanzsystems mit entsprechendem Revisionsbedarf bei den Erwartungen für Wachstum und Gewinne. Deshalb bleiben wir noch vorsichtig und bauen Engagements am Aktienmarkt nur sehr selektiv aus.
Text: F.A.Z., 18.03.2008, Nr. 66 / Seite 19
Bildmaterial: ZB