Interview

„Die langfristige Wertsteigerung sollte im Vordergrund stehen“

Sauber wirtschaften - das sollte auch renditeorientierte Anleger interessieren

Sauber wirtschaften - das sollte auch renditeorientierte Anleger interessieren

25. September 2007 Alexander Barkawi, Managing Director von Sam Indexes, einer Tochtergesellschaft des Schweizer Vermögensverwalters Sam, sieht bei Investoren einen klaren Trend zur Nachhaltigkeit. Denn für den langfristigen Erfolg sei nicht nur der Umsatz, sondern auch der Umgang mit Mitarbeitern oder die Reaktion auf den Klimawandel entscheidend.

Sam und der Index-Anbieter Dow Jones kommen diesem Trend mit einer Index-Familie entgegen, die gerade überarbeitet worden ist. In die Dow Jones Sustainability Indizes (DJSI) werden nur Großunternehmen aufgenommen, die in ihrer Branche zu den Vorreitern gehören - wirtschaftlich, gesellschaftlich und beim Umweltschutz. Alle drei Aspekte werden gleichrangig behandelt und bewertet. Insgesamt umfasst das Index-Universum 2.500 Konzerne aus aller Welt.

Alexander Barkawi

Alexander Barkawi

Der DJSI-Weltindex enthält derzeit 318 Unternehmen, die in 57 Sektoren mehr oder wenig nachhaltig wirtschaften. Für ethisch orientierte Investoren, die bestimmte Aktivitäten vollständig ausschließen wollen, gibt es außerdem einen Weltindex ohne Alkohol, Tabak, Wettspiele und Waffen. Dieser umfasst 290 Unternehmen. In diesem Jahr wurden 42 Unternehmen in den DJSI neu aufgenommen und 33 herausgenommen. Die Konzerne mit der jeweils höchsten Punktzahl in ihrer Branche hat Sam für 18 Bereiche gesondert herausgestellt. Dies sind die „Supersector Leader“, sozusagen die Klima-Asse ihrer Branche.


Herr Barkawi, bringt es Anlegern etwas, nicht nur auf den Gewinn, sondern auch auf die soziale und ökologische Performance eines Unternehmens zu schauen?

Definitiv! Wie ein Unternehmen zum Beispiel mit seinen Mitarbeitern umgeht und ob es seine Ressourcen schont, ist langfristig essentiell für den Unternehmenserfolg und damit auch für Investitionsentscheidungen von Anlegern. Die Firmen, die wir in die Dow Jones Sustainability Indexes aufnehmen, haben da eine Vorreiterrolle in ihrer jeweiligen Branche.

Sie heben zum Beispiel BMW oder Statoil hervor. Umweltschützer betrachten solche Unternehmen als große Klimasünder.

Sie müssen grundsätzlich zwei Ansätze unterscheiden. Entweder setzen Sie als Investor direkt auf Themen wie Solar, Wind oder Wasser. Dann kaufen Sie sich auch die entsprechenden Aktien. Viele Investoren möchten jedoch auch einen über die gesamte Wirtschaft diversifizierten Ansatz verfolgen. Sie benötigen somit ein breit gestreutes Portfolio mit Unternehmen aus allen Sektoren, wollen aber dennoch soziale und ökologische Aspekte berücksichtigen. Wir sagen diesen Investoren, wer die jeweils Besten in einer Branche sind - in wirtschaftlicher, ökologischer und sozialer Hinsicht.

Wer will das denn?

An unseren Nachhaltigkeits-Indizes hängen inzwischen 5,5 Milliarden Dollar. Das ist doppelt so viel wie vor vier Jahren. Genutzt werden die Indizes für eine Vielzahl von Finanzprodukten. Durch unsere Lizenznehmer werden mittlerweile in 15 Ländern eine breite Palette von DJSI-basierten Fonds, strukturierten Produkten und Mandaten verwaltet - sowohl für private als auch für institutionelle Anleger.

Hat sich die Haltung von Großinvestoren in Klimabelangen geändert?

Sehr stark sogar. Vor drei Jahren packte diese Themen kaum einer an. Heute spielen so gewichtige Pensionsfonds wie Calpers aus Kalifornien eine Vorreiterrolle. Die Stimmung kippt in Schweden genauso wie in Deutschland und Italien, weil die Reaktion der Unternehmen auf den Klimawandel langfristig immer stärker die Performance des Unternehmens und damit der Aktien bestimmt.

Viele Unternehmen ignorieren Sie aber noch.

BMW - Klimaschwein oder Umweltschoner? Da gehen die Ansichten auseinander

BMW - Klimaschwein oder Umweltschoner? Da gehen die Ansichten auseinander

Das stimmt. Doch andererseits stellen wir fest, dass immer mehr Konzerne Nachhaltigkeit im allgemeinen und die Aufnahme in die Dow Jones Sustainability Indexes im speziellen als Unternehmensziele definieren. In mehreren Fällen werden sogar bereits Bonuszahlungen für Manager davon abhängig gemacht, ob das Unternehmen in den DJSI reinkommt oder nicht.

Spannend sind auch die Reaktionen der Unternehmen, die in unsere Indizes aufgenommen worden sind. Viele vermelden dies als Erfolg und stellen es auf ihren Internetseiten prominent heraus. Intel hat kürzlich auf seinem Nachhaltigkeitsblog geschrieben, dass Sam's Assessment bei ihnen als Schwachstellenanalyse genutzt wird, um Verbesserungen auf den Weg zu bringen. Das hören wir auch von anderen Unternehmen und das ist übrigens auch wichtig, um im Sustainability-Index zu bleiben. Wer bei unserer alljährlichen Überprüfung aus dem Index rutscht, ist in der Regel nicht schlechter geworden. Die meisten Firmen fliegen raus, weil sie sich nicht so stark verbessert haben wie ihre Wettbewerber.

Richtige Klimaschützer sind aber selbst Ihre Branchenführer noch nicht, oder?

Das kommt auf die Perspektive an. Entscheidend ist doch: Die Firmen legen jedes Jahr die Messlatte höher, sie entwickeln sich weiter. Aber Sie haben Recht: Es ist noch viel Raum für Verbesserungen vorhanden. Nehmen Sie etwa die Öko-Effizienz. Da gibt es Fortschritte, aber wir sind noch weit entfernt vom Faktor-4-Konzept: Doppelter Wohlstand bei halbem Ressourcenverbrauch.

In Ihrem Welt-Index versammeln Sie mehr als 300 Unternehmen. Da ist ja fast jeder Großkonzern ein wenig nachhaltig. Können Investoren damit etwas anfangen?

Absolut. In der Tat umfassen unsere Indizes eine signifikante Zahl von Großkonzernen. Eine deutlich größere Zahl an Unternehmen wird jedoch nicht aufgenommen. Hier findet eine rigorose Selektion statt, deren Bedeutung für Investoren klar steigend ist. Das Resultat ist ein Universum, das durch eine breite Anlegergruppe genutzt werden kann.

Es ist zugleich eine Plattform, die den Firmen Anreize bietet, sich nachhaltig aufzustellen. Eine Studie zeigte vor einigen Jahren, dass viele Manager zugunsten einer Optimierung der Quartalszahlen darauf verzichten, langfristig wertsteigernd zu investieren. Das ist eine Katastrophe für langfristig ausgerichtete Investoren, die eine Aktie viele Jahre lang halten wollen und die im Fall von Pensionskassen auch immer Verpflichtungen haben, die über Jahrzehnte laufen. Statt jedes Quartal die Erwartungen der Börse zu treffen, sollte die langfristige Wertsteigerung im Vordergrund stehen. Das ist nachhaltig.

Die Fragen stellte Thomas Schmitt.



Text: stt.
Bildmaterial: dpa, FAZ.NET, REUTERS

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