Studie

Kauf von Zertifikaten setzt „seherische Qualitäten“ voraus

24. Juli 2007 In Europa boomen die Märkte mit derivativen und strukturierten Produkten. Banken und andere Emittenten bieten sowohl privaten als auch institutionellen Anlegern eine ständig größer werdende Anzahl von verbrieften Wertpapieren an.

Das deutet darauf hin, dass die Anbieter solcher Produkte gutes Geld verdienen. Wie sieht es jedoch mit den Anlegern aus? Profitieren sie von den Angeboten? Entwickeln sich ihre Portfolios aufgrund des Kaufs von strukturierten Produkten besser, als wenn sie nur traditionelle Finanzwerte in Form von Aktien oder Anleihen investiert hätten?

Zertifikate über einen längeren Zeitraum mit verschiedenen Marktphasen dem Basiswert nicht überlegen

Glaubt man einer Studie, die der DSW beziehungsweise die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zusammen mit dem Institut für Vermögensaufbau in München gemacht hat, so trifft das nur bedingt zu.

Denn der Vergleich von Bonus-, Discount-, Airbag- und Outperformancezertifikaten mit dem Dax 30 als Basiswert war im Zeitraum von Januar des Jahres 1999 bis Ende des vergangenen Jahres relativ ernüchternd. Zertifikate seien über einen längeren Zeitraum mit verschiedenen Marktphasen ihrem Basiswert nicht überlegen, heißt es in der Studie. Es existierten zwar für jeden Zertifikatetyp bestimmte Marktphasen, in welchen er sich deutlich besser als der Basiswert entwickeln könne. Allerdings sei die Attraktivität eines Zertifikattyps abhängig von der Fähigkeit des Anlegers, die Marktentwicklung zu prognostizieren.

Aus diesem Grund böten sich Zertifikate generell nur als taktische Beimischung zu bestehenden Portfolios und nicht als langfristiges strategische Investments an. Langfristig orientierte und eher passive Anleger seien mit dem Direktinvestment in den Basiswert gut bedient, da die Dividenden und entfallende Ausgabeaufschläge auf lange Sicht einen höheren Mehrwert erzielten als die zusätzlichen Eigenschaften eines Zertifikates, zeigt die historische Simulation verschiedener Perioden in den vergangenen Jahren.

Opportunitätskosten in Boomphase + geringere Verluste, aber Verluste in schwachen Phasen

Sie zeigt, dass Airbag, Bonus- und vor allem auch Discountzertifikate in starken Börsenphasen deutlich hinter dem Markt zurückbleiben. Aus diesem Grund realisieren Anleger in solchen Perioden deutliche Opportunitätskosten in Form entgangener Gewinne. Das zeigte sich vor allem in den Jahren 2003, 2005 und 2006 (siehe Charts). Auf der anderen Seite konnten Discount- und Bonuszertifikate im Jahr 2004 den stagnierenden Markt schlagen. Allerdings war der Performancevorsprung weniger ausgeprägt, als es die Opportunitätsverluste in den Boomjahren waren.

In den Jahren 2000 bis 2003 schnitten Discount-, Bonus- und Airbagzertifikate im relativen Vergleich mit dem Basiswert zwar zum Teil relativ gut ab oder hielten wenigstens mit dem Markt mit. Allerdings wäre es für den Anleger in diesen Phasen besser gewesen, überhaupt nicht in Markt gewesen zu sein, statt an den Kursverlusten teilzuhaben - wenn auch weniger ausgeprägt als mit einem Engagement im Basismarkt.

Insgesamt scheinen verschiedene Zertifikate in bestimmten Marktphasen gegenüber einem Engagement mit Basismarkt vorteilhaft zu sein. Allerdings setzt das voraus, dass Anleger sowohl die Marktphasen korrekt prognostizieren und ihnen gleichzeitig auch das passende Instrument zuordnen können. Diese Annahme ist nicht nur ambitioniert. Denn sollten die Anleger tatsächlich dazu in der Lage sein, so könnten sie ihre „seherischen Fähigkeiten“ weit profitabler nutzen als für ein Investment in relativ passive Zertifikate.

Zum Beispiel dadurch, dass sie schwache Phasen des Marktes grundsätzlich mieden oder indem sie Boomphasen zu aggressiven Käufen nutzten. In diesem Sinne scheint der Kauf von Zertifikaten zumindest den Privatanlegern nur sehr bedingt ratsam zu sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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