Finanzwerte

NAB-Abschreibungen - schlechtes Zeichen für Finanzwerte

25. Juli 2008 Nach den massiven Verlusten der vergangenen Monate mag der eine oder andere Anleger nun so langsam wieder dazu neigen, sich Finanzwerte ins Depot zu legen. Immerhin versuchen Zentralbanken und Regierungen mit beinahe allen Mitteln, die von den schwachen Immobilienmärkten ausgehende Kredit- und Finanzkrise zu lösen.

Allerdings dürfte es ratsam sein, von solchen Überlegungen Abstand zu nehmen. Denn es spricht einiges dafür, dass der Boden noch nicht erreicht ist. Inzwischen gibt es sogar Gerüchte, einzelne strategische Anleger wie Singapurs Temasek Holdings begrenzten durch Notverkäufe ihre Verluste, die sie aufgrund des zu frühen Einstiegs inzwischen erlitten hätten.

Machen die massiven Abschreibungen der National Australia Bank Schule?

Der Aktienkurs von Merrill Lynch ist um rund 50 Prozent gefallen, seitdem Temasek im Dezember des vergangenen Jahres angekündigt hatte, für fünf Milliarden Dollar Anteile von bis zu zehn Prozent zu erwerben. Auf diese Weise kam es inzwischen zu einer massiven Geldumverteilung von Asien in die Vereinigten Staaten, die so die Mittel erhalten, die sie zur Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits benötigen.

Angesichts der Botschaft, die von den massiven Abschreibungen der National Australia Bank ausgeht, dürften Stopp-Loss-Verkäufe selbst im größeren Stil nicht unplausibel klingen. Denn die angekündigte Aufstockung der Risikovorsorge für amerikanische Hypothekenanleihen um das Fünffache - konkret um 830 Millionen australischen Dollar für Verluste aus sogenannten Collateralized Debt Obligations (CDOs) im Nominalwert von 1,2 Milliarden australischen Dollar - spricht für sich. Immerhin sind damit nun 90 Prozent des Nominalwerts der Papiere abgeschrieben, die ursprünglich ein AAA-Rating hatten.

John Stewart, der Vorstandsvorsitzende der Bank, begründete die Entscheidung mit dem raschen Anstieg der Ausfallsraten bei amerikanischen Hypotheken. Die Bank sei gezwungen gewesen sich auf den „allerschlimmsten Fall“ vorzubereiten. Sollte dieses Beispiel Schule machen, müssten andere Finanzunternehmen weltweit ihre Abschreibungen massiv erhöhen.

Zweifel an der Qualität der Bilanzen internationaler Investmentbanken

Stewart ist nicht der einzige Skeptiker. Bill Gross, Manager des weltgrößten Anleihefonds der Pacific Investment Management, hatte am Donnerstag erklärt, die Immobilienkrise werde die weltweiten Verluste bis auf eine Billion Dollar anschwellen lassen. Das wäre das Doppelte dessen, was die Banken und andere Finanzunternehmen bisher abgeschrieben haben. Finanzprofessor Nouriel Roubini, anfänglich angesichts seiner skeptischen, inzwischen jedoch bestätigter Prognosen belächelt, rechnet im schlimmsten Fall sogar mit weit höheren Kreditausfällen.

Viele Banken und Broker bewerten diese Papiere zweifelhafter Qualität bisher deutlich höher als es nun die National Australia Bank tut. Sie werden in den Bilanzen nicht selten in der so genannten „Level-3-Kategorie“ geführt. Dabei handelt es sich um Wertpapiere, die keine Marktpreise haben und deren Werte mittels quantitativer Modelle ermittelt werden. Skeptiker vermuten, die Bankbilanzen würden auf diese Weise geschönt, da theoretische Bewertungsmechanismen zu beinahe beliebigen Ergebnissen führen können.

Selbst James Dimon, Vorstandschef von JP Morgan Chase & Co. äußerte in den vergangenen Tagen bei der Vorlage der eigenen Quartalszahlen offen Zweifel an der Qualität der Bilanzen internationaler Investmentbanken. Er muss es wissen, erhielt der doch im Rahmen der Übernahme von Bear Stearns tiefen Einblick in die Usancen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 
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