12. Dezember 2005 Die japanische Börse hat in den vergangenen Monaten förmlich abgehoben. Seit Beginn des Jahres hat der Nikkei-Index inzwischen knapp 37 Prozent zugelegt und führt damit die Indizes der großen Industriestaaten an.
Zu einer der besten Aktien im Index gehört neben den Banken das Baumaschinenunternehmen Komatsu. Die Aktie hat ihren Anlegern auf Sicht eines Jahres einen Gesamtertrag von knapp 197 Prozent erbracht. Alleine in den vergangenen sechs Monaten ging der Kurs um knapp 150 Prozent nach oben auf zuletzt 1.953 Yen. Das ist der höchste Stand seit Jahrzehnten.
Deutliche steigende Umsätze und Gewinne bei einzelnen Unternehmen
Diese Entwicklung dürfte kaum verwundern, denn das Unternehmen konnte in den vergangenen Jahren den Umsatz und in jüngster Zeit auch den Gewinn deutlich steigern. Alleine im zweiten Quartal konnte der Umsatz im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 16 Prozent auf 423 Milliarden Yen gesteigert werden, der Nettogewinn verbesserte sich um knapp 161 Prozent auf 40,7 Milliarden Yen. Komatsu hat in den vergangenen Monaten mehrfach die Gewinnprognose für das Gesamtjahr angehoben. Es rechnet nun mit einem Gewinn von 101 Milliarden Yen. Das wäre das dritte Jahr in Folge mit Rekordgewinnen.
Damit dürfte das Unternehmen symptomatisch für die Branche sein. Denn auch andere Unternehmen wie Caterpillar und John Deere scheinen trotz steigender Zinsen und der damit verbundenen Sorge über eine abflauende Bautätigkeit in den Vereinigten Staaten von steigenden Aufträgen profitieren zu können. Denn nicht nur in Amerika wird gebaut, sondern auch viele Schwellenländer arbeiten an der Verbesserung ihrer Infrastruktur, um Wachstumschancen wahrnehmen zu können. Dazu gehört auch der Bau oder Ausbau von Häfen, Flughäfen, Straßen und so weiter.
Dafür wiederum sind jede Menge Rohstoffe notwendig, die mit entsprechenden Maschinen aus dem Boden geholt, verarbeitet und transportiert werden müssen. Und auch davon profitieren die Baumaschinenbauer. Komatsu plant sogar das erste Mal seit elf Jahren, zwei neue Produktionsstätten in Japan selbst einzurichten, die vor allem Minenfahrzeuge und Pressen für die Automobilindustrie herstellen sollen.
Erfolgreich sind auch die deutschen Hersteller. Die Verkaufserlöse bei Baumaschinen konnten nach Angaben des VDMA in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 25 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro und bei Baustoffmaschinen um 33 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro gesteigert werden. Schon jetzt werden mehr als zwei Drittel der Umsätze im Ausland erwirtschaftet. Wechselkursschwankungen, die sich negativ auf Absatz und Rentabilität auswirkten, könnten durch eine zunehmende Globalisierung der Fertigung immer besser aufgefangen werden. Sorgen bereiten dagegen die hohen Öl- und Stahlpreise und der Mangel an Reifen. Die Hauptabnehmerländer sind vor allem in den europäischen Nachbarstaaten, den Vereinigten Staaten, China und Rußland zu finden.
... allerdings zum Teil schon ambitionierte Bewertungen
Auch den Vereinigten Staaten macht sich die Nachfrage unter anderem aufgrund der von Wirbelstürmen verursachten Schäden bemerkbar. Auf der anderen Seite scheinen auch die Impulse aus China wieder zuzunehmen, die vor allem auch von der hohen Dollarliquidität des Landes verursacht werden. Im Gegensatz etwa zu Komatsu scheinen die amerikanischen Unternehmen eher auf hohe Gewinne und entsprechende Ausschüttungen denn auf Kapazitätserweiterungen interessiert zu sein. In diesem Sinne könnte die gesamte Branche bei straffer Nachfrage von einem für sie positiven Preisspielraum profitieren.
Auf der anderen Seite haben einige der Branchenwerte schon einen großen Teil an positiven Nachrichten vorweggenommen. Die Aktie von Hitachi Construction kommt auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr auf Kurs-Gewinnverhältnisse von 22 und 19,5, Komatsu auf 19 und 18, Atlas Copco auf 17,7 und 15,5 und Caterpillar auf 14.7 und 12,8. Am interessantesten scheint noch Ingersoll-Rand zu mit KGVs von 13,4 und 11,8 und Deere & Co. mit elf und 10,10, sofern man bei Deere überhaupt von einem Baumaschinen reden kann.
Insgesamt scheinen die Werte nach wie vor gewisse Reize zu haben. Allerdings nur dann, wenn der Infrastruktur- und Rohstoffboom anhält. Das wiederum setzt eine robuste Weltwirtschaft voraus. Gegen eine Abkühlung können nur Absicherungsstrategien und die sorgfältige Wahl der Einzelwerte helfen.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
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