Indien

„Wenn die Ausländer ihr Geld abziehen, kommt der Crash“

Mehr als 12.000 Punkte - Händler freuen sich

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03. Mai 2006 Der Aktienmarkt in Bombay gilt als überhitzt. Nicht länger nur hinter vorgehaltener Hand sprechen die Teilnehmer über eine spekulative Blase, die zu platzen droht (siehe auch: Börse Bombay: Begeisterung schlägt in Sorge um).

Nun warnt Deepak Parekh im Gespräch mit der F.A.Z. öffentlich vor einem bevorstehenden Crash. Als Chairman der HDFC Bank (Housing Development Finance Corp. Ltd.) in Bombay, der größten Hypothekenbank des Landes, ist er einer der führenden indischen Banker, zugleich Chairman von Siemens in Indien und Ratgeber zahlreicher Regierungen in Neu-Delhi.

Deepak Parekh: „In Indien haben sich zwei Blasen herausgebildet”

Deepak Parekh: „In Indien haben sich zwei Blasen herausgebildet”

Die Indien-Euphorie läßt sich an der Börse ablesen, die Kurse steigen in immer schnellerem Tempo von Rekordstand auf Rekordstand. Ist das noch zu vertreten?

Ich denke, es haben sich in Indien zwei Blasen herausgebildet: an der Börse und im Immobiliensektor. Beide Bereiche sind überteuert. Der Grund ist relativ simpel. Es fließt immer schneller immer mehr Geld in die Märkte auf der Suche nach wenigen guten Aktien und wenigen guten Immobilien. Die rasch steigende Liquidität führt zu dieser schrecklichen Inflation der Preise.

Was also ist Ihre Erwartung?

Sensex 30

Sensex 30

Es wird zu einem Crash kommen müssen, die Märkte werden leiden. Und mit ihnen die Menschen.

Wann?

Vielleicht in drei Monaten, vielleicht geht es noch ein halbes Jahr so weiter.

Ist der Crash unvermeidlich?

Natürlich wäre mir eine Korrektur lieber, eine sanfte Landung. Aber vieles spricht für etwas anderes. Klar ist: die Preise sind zu schnell gestiegen.

Wie überbewertet ist die Börse?

Das kann man nicht pauschal entlang des Index beantworten. Schauen Sie auf einzelne Segmente, auf einzelne Aktien: Einige werden mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 80 oder gar 90 gehandelt. Im Bau und in der Infrastruktur liegt das KGV bei 70 oder 80. Das sind Höhen, die wirklich gefährlich sind. Im Bankensektor hingegen haben sie die 30 noch nicht genommen. Einzelhandel, Bau, Immobilien - dies sind Sektoren, die extrem hoch bewertet sind.

Sie selber üben die Aufsicht aus über ein Unternehmen, das in diesen Höhen bewertet ist...

Das ist richtig, ich bin Chairman von Siemens in Indien. Das KGV unserer Aktie hier liegt bei über 70. Da muß man sich fragen, ob und wie eine solche Bewertung Bestand haben kann. 70 - das ist unglaublich. Natürlich steigern wir unseren Umsatz um 60, vielleicht 70 Prozent im Jahr. Eine solche Bewertung an der Börse freilich rechtfertigt auch das nicht.

Ein besonderes Risiko dürfte vom wachsenden Zustrom der Auslandsgelder ausgehen...

Ja, wenn die abgezogen werden, wird es zu einem Crash kommen. Denn wenn es soweit kommt, dann geschieht dies über Nacht - in dem Moment, wo die Investoren bessere Chancen an einem anderen Ort sehen, wie etwa höhere Zinsen in ihrem Heimatland.

Sie persönlich würden derzeit also keine Aktien in Indien kaufen?

Einzelne, genau ausgewählte Werte vielleicht. Aber pauschal muß die Antwort sicherlich „nein“ lauten.

Die Fragen stellte Christoph Hein.



Text: F.A.Z., 03.05.2006, Nr. 102 / Seite 26
Bildmaterial: AP, FAZ.NET, HDFC

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