Zertifikate

Discounter - alles andere als defensiv

17. September 2007 Deutschland ist einmalig. Zumindest in einem Punkt: im rasch wachsenden Markt für verbriefte Derivate. Damit sind Anlagezertifikate, Aktienanleihen, Hebelprodukte, Optionsscheine und andere gemeint.

Die Anzahl der von den gut zwei Dutzend Emissionshäusern emittierten und quotierten Produkte unterschiedlichster Art und Ausprägung beläuft sich derzeit auf über 100.000 Titel, die für ein auf diese Weise investiertes Vermögen von mehr als 120 Milliarden Euro stehen.

Asymmetrische Risikostruktur zu Lasten der Anleger

Das ist zwar nur ein Bruchteil der Marktkapitalisierung der deutschen Börsen von 2,01 Billionen Euro. Allerdings deutet das Wachstum des Segmentes an sich und der Eintritt immer neuer Anbieter in den Markt darauf hin, dass zumindest sie gutes Geld verdienen. Ob das auch für die Anleger gilt, ist allerdings eine andere Frage.

Zum Börsenkurs

Immerhin werden manche der Produkte mit zum Teil seltsamen Argumenten verkauft und beworben. Aktienanleihen und Discountzertifikate seien defensiv, heißt es beispielsweise. Das gilt allerdings nur aus Sicht eines Emittenten und nicht aus Sicht eines Anlegers. Denn der verzichtet für einen erhöhten Kupon oder für die Gewährung eines Abschlags auf das Basisinstrument nicht nur auf die volle Partizipation an einer denkbar deutlichen Kursbewegung nach oben, sondern er legt sich gleichzeitig das volle Risiko einer Kursbewegung nach unten ins Depot.

Diese Tatsache lässt sich beispielsweise mit einem Blick auf die Aktie von Schmack Biogas und entsprechende Diskontzertifikate belegen. Während ein Diskontzertifikat von der Deutschen Bank (Isin DE000DB0PFZ7) mit einem Ausgabepreis von 40 und einem Wandlungspreis von 50 Euro in den ersten Monaten des laufenden Jahres überhaupt nicht am vorübergehenden Höhenflug der Aktie teilnahm, so fielen die Kursverluste beim Einbruch der Aktie Ende Juli des Jahres 2007 umso deutlicher aus.

Was ist defensiv?

Nach einem Kursverlust von kapp 60 Prozent vom 16. Juli bis zum 14. September wird jeder involvierte Anleger sich selbst und hoffentlich auch seinen Anlageberater fragen, was daran denn „defensiv“ gewesen sein mag? Wenn „defensiv“ die Tatsache war, dass die Aktie selbst im gleichen Zeitraum knapp 70 Prozent ihres Wertes verloren hat, so mag das zwar zutreffen. Allerdings ist das nur ein schwacher Trost. Denn erstens war die Kursentwicklung des Zertifikats im frühen Verlauf nach oben gedeckelt. Zweitens mag der eine oder andere Anleger davon ausgegangen sein, „defensiv“ bedeute nur eine geringe Gefahr für allenfalls geringe Kursverluste.

Fakt ist, dass verschiedene Zertifikate in bestimmten Marktphasen gegenüber einem Engagement im Basismarkt vorteilhaft sein mögen. Allerdings gilt das nur, wenn Anleger sowohl die Marktphasen korrekt prognostizieren und ihnen gleichzeitig auch das passende Instrument zuordnen können. Diese Annahme ist an sich schon ambitioniert. Sollten die Anleger jedoch tatsächlich dazu in der Lage sein, so könnten sie ihre „seherischen Fähigkeiten“ weit profitabler nutzen als für ein Investment in relativ passive oder gar in Zertifikate mit asymmetrischem Risikoprofil zu ihren Lasten.

Zum Beispiel dadurch, dass sie schwache Phasen des Marktes grundsätzlich mieden oder indem sie Boomphasen zu aggressiven Käufen nutzten. In diesem Sinne und auch mit Blick auf die Probleme, die im Bereich der Kreditderivate immer offensichtlicher werden, dürften Anleger strukturierte Produkte mit der notwendigen Skepsis betrachten zu müssen. Die Emissionsbanken neigen nicht selten dazu, ihre Risiken bei den Anlegern zu „diversifizieren“.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

 

Studie

Kauf von Zertifikaten setzt „seherische Qualitäten“ voraus

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Finanzmarkt

Discounter eignen sich nicht zur Kursabsicherung

Aktienanleihen und Discount-Zertifikate werden öfter als „defensive Anlageprodukte“ beschrieben. Die Grenzen liegen aber im beschränkten „Risikopuffer“. Die Instrumente bewegen sich mit dem Markt - vor allem asymmetrisch nach unten.

Finanzmarkt

Aktienanleihen und Diskontzertifikate uninteressant

Aktienanleihen und Discount-Zertifikate werden gelegentlich als „defensive Anlageprodukte“ beschrieben. Das sind sie jedoch keineswegs. Sie sind riskant und aufgrund der immer tiefer fallenden Volatilitäten gleichzeitig unattraktiv.

Derivate

Volatilitätszertifikat: Enttäuschende Kursentwicklung

Spezial Wer mit dem Kauf eines Volatilitätsscheines von steigenden Schwankungen am Markt profitieren wollte, dürfte enttäuscht sein. Ein Beispiel zeigt, dass sich die Kursentwicklung solcher Produkte kaum einschätzen lässt.

Derivate

Derivatemarkt überspringt Marke von 100 Milliarden Euro

Der Markt für derivative Wertpapiere hat im Juli die Hürde von 100 Milliarden Euro überschritten. Und bis Jahresende wird dem Segment weiteres Wachstumspotential zugemessen.

Schwarzbuch Börse

Ob Long, ob Short - ein Teil vom Geld ist immer fort

Deutschland ist einmalig. Zumindest im boomenden Markt für verbriefte Derivate. Das muß nicht zum Vorteil der Anleger sein. Die Emissionsbanken nutzen auch nach Ansicht des SdK viele Möglichkeiten, Anleger über den Tisch zu ziehen.

Finanzmarkt

Aktienanleihen sind aktuell uninteressant

Noch bis vor kurzem kamen Empfehlungen auf den Markt, die auf Grund der stagnierenden Kurse für Aktienanleihen und Discount-Zertifikate plädierten. Auf Grund der immer tiefer fallenden Volatilitäten sind sie jedoch unattraktiv.

Strategie

Mit „rollenden Zertifikaten“ zur Überrendite

Wie läßt sich in dahindümpelnden Märkten zusätzliches Geld verdienen? Oft lautet die Antwort: mit Aktienanleihen. UBS bietet in Form rollender Discount-Zertifikate eine intelligentere Lösung.

Zertifikate

Rolling Discounter - interessante Alternative zur T-Aktie

Die Deutsche Bank kommt mit einem „rollenden Discount-Zertifikat“ auf die T-Aktie auf den Markt. Es könnte eine interessante Alternative zur Aktie sein. Denn Höhenflüge dürften von ihr kaum zu erwarten sein.

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Aktienanleihen müssen richtig gewählt werden

Lässt sich mit Aktienanleihen von hohen Volatilitäten profitieren? Im Prinzip ja, aber mit Vorbehalten.

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Aktienanleihen sind Etikettenschwindel

Hohe Zinsen sind nicht alles. Anleger sollten sich davon nicht blenden lassen und bei Aktienanleihen genau wissen, wo die Risiken liegen.

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Derivate

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Derivate

Hebelprodukte - wer wegschaut, hat schon verloren

Spezial Hebelzertifikate werden beliebter, aber sie sind riskant. Das zeigt sich an der Tagesbeobachtung eines Produktes. Nach einem Kursplus von bis zu 100 Prozent kam es am Schluß zum Totalverlust. Wer nicht am Ball blieb, hat verloren.

Derivate

Hebelprodukte - riskanter als die Intuition nahe legt

Spezial Hebelzertifikate werden beliebter. Nur wer das Produkt versteht, kennt jedoch auch seine Chancen und Risiken. Viele Zertifikate sind zu komplex, als dass der Anleger ihr Risiko intuitiv erfassen könnte.

Finanzmarkt

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Spezial Aktienanleihen und Discount-Zertifikate werden gelegentlich als „defensive Anlageprodukte“ beschrieben. Das sind sie nicht. Multi-Aktienanleihen bieten nicht nur Abwärtsrisiken, sondern kontern auch noch Diversifikationsbemühungen.

Strategie

"Hebeleffekt" macht Derivate reizvoll

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