Geldanlage

Sparen die Deutschen falsch?

27. Oktober 2006 Die Deutschen sparen mehr als im vergangenen Jahr, aber immer noch zu wenig. Zu diesem Ergebnis kommt das „Vermögensbarometer“, das der der Deutschen Sparkassen - und Giroverbandes (DSGV) kürzlich vorstellte. Die Zahlen geben der Finanzbranche die eine oder andere Steilvorlage. Diese Äußerungen sollten allerdings nicht überinterpretiert werden.

„Die Deutschen sparen falsch!“, könnte die Fondsbranche mal wieder rufen. Nur 29 Prozent spart mit Fonds, im Vorjahr waren es noch 31 Prozent. Und nur jeder Zehnte will künftig in Fonds investieren. Die beliebtesten Vorsorgeprodukte der Deutschen sind weiterhin die Lebensversicherung (65 Prozent), der Bausparvertrag (57 Prozent) und das Sparbuch (53 Prozent).

Sicherheit steht ganz oben

Die Zertifikate-Industrie dagegen könnte sich selbst auf die Schulter klopfen: Mit ihren Produkten mit Kapitalschutz hatte die Branche den richtigen Riecher. Denn bei der Vermögensbildung legen die Bundesbürger besonderen Wert auf die Sicherheit der Geldanlage.

Diese hielten den Angaben zufolge 95 Prozent für „sehr wichtig“ oder „wichtig“. Danach folgen Flexibilität (86 Prozent), Verfügbarkeit (84 Prozent) sowie Lebens- und Familienplanung (81 Prozent). Eine hohe Rendite dagegen ist nur 25 Prozent „sehr wichtig“ und 52 Prozent „wichtig“. Für die Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest von Ende Mai bis Ende Juni 2.000 Bundesbürger im Alter ab 14 Jahren.

Sparquote steigt nur leicht

Die Sparquote ist in den vergangenen Jahren in kleinen Schritten nur leicht angestiegen, von 9,2 Prozent im Jahr 2000 auf 10,6 Prozent im vergangenen Jahr. „Der Wert liegt knapp unter dem langjährigen Mittel“, sagte DSGV-Präsident Heinrich Haasis. Im europäischen Vergleich belege Deutschland einen Platz im Mittelfeld.

Haasis forderte die Bundesbürger zugleich zu weiteren Sparanstrengungen auf. Zehn Prozent des Nettoeinkommens müßten allein für die Altersvorsorge gespart werden. Hinzu kämen gestiegene und möglicherweise steigende Belastungen für Gesundheit und Bildung. „Wir müssen davon ausgehen, daß in Zukunft weitere Sparanstrengungen erforderlich sind“, erklärte Haasis.

Die deutschen Privathaushalte hatten nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr 2,69 Billionen Euro auf der hohen Kante, das seien 126 Prozent mehr als noch 1991 gewesen. Im laufenden Jahr könnten die Ersparnisse wegen der kommenden Mehrwertsteuererhöhung etwas geringer ausfallen, weil Anschaffungen vorgezogen würden, so das Kölner Institut.

Risiken nur mit finanziellem Polster eingehen

Sicher könnten viele Anleger mehr aus ihrem Vermögen machen. Doch die Zahlen des Sparkassenverbandes zeigen auch, daß nicht alle Geld auf die hohe Kante legen können: Zwölf Prozent sehen sich „finanziell nicht in der Lage“, etwas für die Absicherung im Alter beiseite zu legen. Das erklärt freilich noch nicht, daß mehr als ein Drittel (36 Prozent) zusätzlich zur gesetzlichen Rentenversicherung derzeit keinen regelmäßigen monatlichen Betrag zu diesem Zweck leisten.

Nur ein Viertel der Befragten spart mehr als 100 Euro im Monat für das Alter. Darum ist verständlich, daß Sicherheit weit oben auf der Agenda steht: Wer nicht schon ein ausreichend großes finanzielles Polster hat, sollte schließlich keine hohen Risiken eingehen.

Die DSGV-Studie zeigt nur, daß die Deutschen zu wenig für ihr Alter zurücklegen. Anleger sollten sich nicht von der Finanzindustrie einreden lassen, daß sie „falsch“ sparen. Es ist sicherlich nicht zu empfehlen, den ersten gesparten Euro in einen Aktienfonds zu stecken. Wer aber ein Finanzpolster angespart hat, mit dem er notfalls Liquiditätsengpässe überbrücken kann, der sollte sich überlegen, wie er sein Geld rentabler angelegt als auf dem Sparbuch.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @bemi
Bildmaterial: DSGV

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