16. Januar 2008 Wo ist er hin, der allgemeine Optimismus, der die internationalen Börsen noch vor wenigen Monaten auf dem Durchmarsch auf immer neue Kurshöhen sah? Inzwischen stellt sich eher die Frage, ob sich die Märkte in einer Baisse befinden oder nur eine Pause auf dem Weg nach oben einlegen.
Die Kursentwicklungen der vergangenen Tage, die Chartbilder vieler Indizes und vor allem auch die Unternehmenszahlen und konjunkturellen Daten aus den Vereinigten Staaten sprechen jedoch für sich. Immer deutlicher scheint sich die Erkenntnis durchzusetzen, dass sich die Weltwirtschaft kaum wird von den Folgen der amerikanischen Kreditkrise abkoppeln können.
Neigung zu Gewinnmitnahmen unverkennbar
So dürfte kaum verwundern, dass das so genannte Smart Money nach den Kursgewinnen der vergangenen Jahre inzwischen zu Gewinnmitnahmen neigt. Auf diese Weise lässt sich der schwache Start in das laufende Börsenjahr zumindest teilweise erklären.
Besonders ausgeprägt fielen die Kursverluste in den vergangenen Tagen in jenen Bereichen und Regionen aus, in denen die Kurse im Rahmen der vergangenen Hausse besonders gut gelaufen waren. Dazu zählen Schwellenländermärkte wie Bulgarien ebenso wie die Technologiewerte im TecDax, die Werte kleinerer unter mittlerer Unternehmen im MDax oder auch die lange Zeit sehr gut gelaufenen Märkte in Polen und Österreich. Die Kursverluste belaufen sich seit Jahresbeginn auf bis zu 23 Prozent in lokaler Währung.
Sie lassen sich mit Blick auf die kleineren und mittleren Werte damit begründen, dass sie weniger liquide sind als die der Großunternehmen. Aufkommender Verkaufsdruck führt automatisch zu relativ ausgeprägten Kursverlusten. Zum anderen reagieren die Umsatz- und Gewinnentwicklungen dieser Unternehmen oft vergleichsweise sensibel auf eine wirtschaftliche Abkühlung.
In den osteuropäischen Märkten dürfte sich langsam die Tatsache bemerkbar machen, dass die reale wirtschaftliche Entwicklung in vielen Staaten der Region weniger positiv ist, als die Anleger das in den vergangenen Jahren des hohen Risikoappetits wahrhaben wollten. Immerhin lässt sich ein großer der Teil der volkswirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen Jahre auf eine deutlich zunehmende Verschuldung zurückführen. Deswegen dürfte es ratsam sein, künftig vor einer Investition genauer hinzuschauen.
Kursgewinne gibt es im laufenden Jahr bei Gold und in Arabien
Gingen einige Strategen und viele Anleger noch bis vor kurzem davon aus, dass sich die Schwellenländer und die Länder Asiens von der wirtschaftlichen Schwäche der Vereinigten Staaten würden abkoppeln können. Die jüngsten Kursverluste in Märkten wie der Türkei, Südafrika, Japan oder auch Südkorea können daran gewisse Zweifel aufkommen lassen.
Auf der anderen Seite gibt es jedoch Sektoren und Märkte, die sich in den vergangenen Tagen robust entwickelten oder die gar Kursgewinne verbuchen konnten. Dazu zählen auf Branchenseite noch die Halbleiterwerte, sowie die Werte des Philadelphia Gold- und Silber-Index. Sie profitieren einerseits vom anhaltend hohen Goldpreis, während die Märkte in Arabien und Russland von einer vergleichsweise vernünftigen Bewertung und hohen Überschüssen profitieren können.
Gerade in Russland und den arabischen Staaten scheint gegenwärtig eine gewisse Neigung vorhanden zu sein, die bis jetzt noch anhaltend hohen Öleinnahmen in die eigenen Märkte zu investieren. Sie sind auch für internationale Anleger interessant, da diese zudem mit der Aufwertung der Währungen rechnen können. Immerhin sind viele der arabischen Devisen ebenso unterbewertet wie der russische Rubel.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET