Strategie

Trendwende oder Bärenmarktrally?

02. April 2008 Nach einem schwachen ersten Quartal starten die internationalen mit deutlichen Kursgewinnen in den April. Die Kurserholung wird kurzfristig vor allem von den Finanzwerten getragen. Nach den schlechten Nachrichten und den Kursverlusten der vergangenen Monate scheinen die Anleger nun davon auszugehen, dass das Schlimmste inzwischen überstanden sei.

Man mag angesichts der Tatsache, dass sich die Vereinigten Staaten mit großer Wahrscheinlichkeit in der größten Wirtschaftskrise seit der Depression befinden, daran Zweifeln, ob das so ist. Selbst Ben Bernanke, der Chef der amerikanischen Notenbank, schließt inzwischen eine Rezession nicht mehr aus. Und das will etwas heißen. Denn Zentralbanker tendieren zu einer gewissen Zurückhaltung und kommen daher mit solchen Äußerungen relativ spät auf den Mark.

Massive Kursbewegungen nach oben sind jeder Zeit denkbar ...

In diesem Sinne dürfte es ratsam sein, den rasch um sich greifenden Optimismus an den Märkten mit der notwendigen Skepsis zu betrachten. Er zeigt sich nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch im Währungsbereich. Dort befinden sich zumindest kurzfristig Währungen wie der Schweizer Franken und der Yen in der Defensive, während sich andere von den Kursverlusten der vergangenen Wochen etwas erholen können.

Selbst jedoch, wenn man Zweifel an der Nachhaltigkeit der Kurserholung an den Börsen haben sollte, kann in Bärenmärkten immer wieder zu massiven und überraschend weiter führenden Kursbewegungen nach oben kommen. Dazu genügt nur ein geringer Impuls nach oben. Denn rasch werden sich all jene Anleger bemühen, jene Papiere zurückzukaufen, die sie sich zuvor in der Hoffung auf fallende Kurse geliehen und am Markt verkauft hatten.

Kurzfristig gilt das vor allem für die Finanzwerte, die noch bis vor wenigen Tagen deutlich nach unten gelaufen waren und die den so genannten „Short Sellern“ auf diese Weise satte Gewinne beschert hatten. Bislang hatten sie diese Gewinne jedoch nur auf dem Papier. Nun scheinen sie zunehmend dazu überzugehen, diese zu realisieren, indem sie die Aktien zurückkaufen. Auf diese Weise entsteht eine Eigendynamik nach oben. Sie ist nicht nur unabhängig von der fundamentalen Entwicklung der Unternehmen, sondern sie kann sich sogar selbst verstärken, sobald trendorientierte Anleger als zusätzliche Käufer in den Markt kommen.

... fragt sich nur, wie weit sie tragen können

Nicht nur die Finanzwerte können von solchen Effekten profitieren. Sondern in den Vereinigten Staaten bilden die Papiere der im S&P 500 Homebuilding Index enthaltenden Unternehmen Lennar, Pulte Homes, Centes, KB Home und D.R. Horton zumindest aus charttechnischer Sicht schon seit Wochen so etwas wie einen Kursboden aus. Einzelne Papiere wie die von D.R. Horton legten ausgehend von ihren Kurstiefs inzwischen wieder mehr als 70 Prozent zu. Selbst der Standard and Poor's 500 Residential REITS Sub Industry Index scheint sich gefangen zu haben. In Großbritannien hält sich der FTSE 350 Real Estate Index beharrlich über der Marke von 3.500 Zählern, auf die er im vergangenen Jahr nach einem Verlust von etwas mehr als 40 Prozent seines Wertes gefallen war.

Dieser Bereich scheint sich folglich schon seit Jahresbeginn zu stabilisieren, während es an den Börsen im Allgemeinen erst richtig nach unten ging. Die vergangenen 14 Tage dagegen waren die Zeit der Versicherungs- und Bankwerte: Seit dem 17. März hat in Deutschland der Prime Insurance Index knapp 25 Prozent zugelegt, während der Prime Banks Index etwas mehr als 20 Prozent gewinnen konnte. Im S&P 500 stieg der S&P 500 Homebuilding Index um 39,4 Prozent in Euro, der Thrifts & Mortgage Finance Index 33.5 Prozent, der Real Estate Management & Development Index 27,4 Prozent und der Investment Banking & Brokerage Index um 24,3 Prozent.

Solche Kursbewegungen mögen optisch schon aussehen. Sie dürften allerdings nur für kurzfristig orientierte Anleger interessant und für den Normalanleger entsprechend riskant sein. So reizvoll es sein mag, kurzfristig auf eine weitere Kurserholung in diesen Bereichen zu setzen, desto deutlicher lassen sich zu optimistische Kurserwartungen mittelfristig hinterfragen. Denn das Wachstum der vergangenen Boomphase dürfte sich weder im Immobilien- noch im Finanzbereich so rasch wiederholen lassen. Woher sollte dann überproportionales Gewinnwachstum kommen?

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET

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