Joachim Fels, Morgan Stanley

Im Gespräch

„Amerika ist längst in der Rezession“

Ob die Kreditkrise bereits zu Ende ist, weiß Joachim Fels, Chef-Volkswirt von Morgan Stanley in London, auch nicht zu sagen. Indes ist eine Rezession in Amerika für ihn längst keine Frage mehr.

Lesermeinungen zum Beitrag

30. März 2008 18:11

Lediglich Rezession oder gar Depression?

Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)

Rezession ist es nur bei den anderen, doch wenn es uns erst selbst erfasst, wird es zur Depression.

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29. März 2008 21:27

Wer bezahlt's, damit es weitergeht?

Martin Strohrmann (wirmuessendranglauben)

Amerikas Konjunktur basiert auf kreditfinanziertem privatem Konsum,
verbunden mit einem Aussenhandelsdefizit und Staatsdefizit.

Aber dieses System ist ganz gehörig ins Wanken geraten. Nur unerschütterlich optimistische Amerikaner verschulden sich immer weiter, damit das relativ schnell wieder weitergeht braucht es zumindest zweierlei:
1. muss die Inflation überschaubar bleiben. Daran bestehen erhebliche Zweifel angesichts der Zinspolitik der Notenbank und der Wechselkurse. Amerikanische Statistiken sind sicher nicht glaubwürdig, der Konsument spürt's aber.
2. braucht der Konsument irgendwelche Sicherheiten, um seinen Konsum auf Kredit zu finanzieren. Das hat ja mit Hilfe der Immobilienblase ganz gut geklappt - aber wo ist die Blase, die zukünftig den Konsumrausch der Massen finanziert? Niedrige Zinsen reichen nicht, damit Banken überschuldeten Konsumenten Kredite geben.

Darüber hinaus ist die Frage, wie andere Volkswirtschaften zum Konsum der Amerikaner stehen. Amerika braucht etwa 2 Mrd.$ pro Tag, um sein Handelsbilanzdefizit zu kompensieren. Rational wäre es sicher gut für Asien und Europa, wenn es schnell wieder weitergeht. Aber eine klammheimliche Schadenfreude gibt es sicher, wenn die Amerikaner Probleme haben.

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29. März 2008 13:09

Gold allein macht nicht glücklich, "fiat money" aber noch weniger

Sebastian Landthaler (Sebastian82)

Gold und andere Edelmetalle sind meist keine Möglichkeit für einen schnellen Gewinn. Aber sie sind solide und - abgesehen von staatlicher Enteignung bzw. Goldverbot (siehe USA in den 1930er-Jahren) - eine stabile, von staatlichem Inflationsgeld unabhängige Grundlage.

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28. März 2008 18:36

Die besseren Leute sitzen

Karl-Heinz Andresen (khaproperty)

eben doch drüben.

Recht hat er, der Joachim Fels, wenn er von Rezession spricht.

Ob da nur USA zu nennen ist oder mit der üblichen Verzögerung auch Europa, Japan und schließlich die "Werkbank" des Westens, China und vielleicht gar brain- machine Indien, mag offen bleiben. Betroffen sind alle.

Es gibt gute Gründe, mit Fels anzunehmen, daß in der vielbeschworenen zweiten Hälfte dieses Jahres bestenfalls mit einem - dazu kleinen - Strohfeuer zu rechnen sein dürfte. Die Volumina, um die es geht, sind einfach zu groß und die Erfahrung damit zu frisch, als daß nach einigen Monaten sich alles eingerenkt haben sollte.

Die von manch einem an dieser Stelle vor etwa einem Jahr prognostizierte Stagflation - stagnierendes Wachstum und steigende Inflation - nimmt die erwarteten Züge an.

Fels ist zuzustimmen, daß für das Jahr 2009 - bei neuen globalen Gewichtungen und die erforderlichen Einstellungen dazu - kaum mit nennenswertem Wachstum zu rechnen sein dürfte.

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