Geldpolitik

Die Fed führt die Pferde zur Tränke…

Von Peter Coy

11. Dezember 2007 Es wird allgemein damit gerechnet, dass die Mitglieder des Offenmarktausschusses der Fed am 11. Dezember eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent beschließen werden. Es bleibt jedoch abzuwarten, inwieweit dieser Schritt die amerikanische Wirtschaft vor dem Abgleiten in eine Rezession bewahren kann.

Jeremy Piger, Volkswirt der regionalen Fed von St. Louis, veranschaulichte vor vier Jahren, dass es für Fed-Präsident Ben Bernanke und Kollegen sehr viel schwieriger ist, das Wachstum durch Zinssenkungen zu stimulieren (die derzeitige Vorgehensweise), als das Wachstum durch Zinsanhebungen zu dämpfen (die Vorgehensweise im Falle einer überhitzten Wirtschaft). Piger fand heraus, dass es in der Vergangenheit nach einer Leitzinsanhebung um einen Prozentpunkt zu einer Verringerung des Quartals-BIP um 1,21 Prozentpunkte kam, während das Quartals-BIP in den zwei Jahren nach einer Leitzinssenkung um einen Prozentpunkt lediglich um 0,53 Prozentpunkte zulegen konnte. Eine Wachstumsverlangsamung ist demnach einfacher herbeizuführen als eine Wachstumsstimulierung.

„Pushing on a string“

Die Fed kann dem Finanzsystem zwar mehr Geld bereitstellen, jedoch niemanden zwingen, dieses auch in Anspruch zu nehmen. Volkswirte im angelsächsischen Raum bezeichnen dieses Problem bildlich als „pushing on a string“: man kann einen Faden schieben, so lange man will; wenn auf der Gegenseite niemand zieht, wird sich der Faden dort anhäufen und weiter nichts bewirken.

Angesichts der gegenwärtigen Kreditkrise ist diese Tatsache noch problematischer als sonst, da bei Kreditgebern gegenwärtig stets die Angst mitschwingt, ihre vergebenen Kredite nicht wiederzusehen. Selbst der Geldhandel der Banken untereinander wird zusehends teurer. William Gross, leitender Aktienstratege der Allianz-Fondstochter Pimco, schrieb in seinem Dezember-Rundschreiben: „Die Zinssenkung der Fed hat zu einem Rückgang der Staatsanleihenrenditen geführt, während sich der restliche Markt - das auf die Einkommenssituation amerikanischer Unternehmen, Eigenheimbesitzer und Verbraucher einwirkende Segment - kaum verändert hat.“

Gross gelangt zu dem Schluss, dass der Leitzins „letztlich wahrscheinlich auf drei Prozent oder darunter abgesenkt werden muss“. Erst dann habe sich das Geld ausreichend verbilligt, um der Wirtschaft echte Wachstumsimpulse zu verleihen.

Robuster Arbeitsmarkt?

Ben Bernanke und seine Kollegen von der Fed können froh sein, dass sich der Arbeitsmarkt der Vereinigten Staaten trotz der Kreditklemme bislang erstaunlich gut geschlagen hat. Am 7. Dezember meldete das amerikanische Arbeitsministerium für November 94.000 neu geschaffene Stellen, während die Arbeitslosenquote bei 4,7 Prozent verharrte. Diese guten Nachrichten verringerten die Wahrscheinlichkeit eines Zinsschrittes um einen halben Prozentpunkt, was für Marktteilnehmer einer Art Notfallmaßnahme gleichkäme. Derzeit wettet der Markt auf eine Zinssenkung von 25 Basispunkten.

Der Arbeitsmarkt ist indes alles andere als immun gegenüber den herrschenden Kreditproblemen. Thomas Higgins, Chefvolkswirt beim Vermögensverwalter Payden & Rygel, schrieb am 7. Dezember, dass der gleitende Sechsmonatsdurchschnitt der Beschäftigungszuwächse von 190.000 Ende 2006 auf weniger als die Hälfte im November des laufenden Jahres zurückging. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe tendiert derweil nach oben. „Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit ist nur eine Frage der Zeit“, so Higgins.

Es sieht ganz danach aus, als wäre eine mögliche Zinssenkung am 11. Dezember nicht die letzte.



Text: BusinessWeek Online
Bildmaterial: FAZ.NET, REUTERS

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