Medien

„Alte“ und „neue“ Medien ergänzen sich ideal

Von Scott Kessler, S&P Equity Research

Google kooperiert mit Zeitungen

Google kooperiert mit Zeitungen

09. November 2006 „Content is king“ lautet ein gängiges Motto. Wenn Inhalt also König ist, dann ist Geldverdienen die Königin. Diese Vermählung von Substanz und Ertragskraft ist in der Medienwelt seit Jahrzehnten Triebfeder für Fortschritt und Gewinnerzielung.

Das Internet bildete hier bislang keine Ausnahme, und wir sind der Ansicht, daß sich daran auch in Zukunft nichts ändern dürfte. Daher gehen wir davon aus, daß Internetunternehmen, die mit ihren Inhalten Umsätze generieren, als entscheidende Partner und nicht notwendigerweise als Konkurrenten traditioneller Medienunternehmen betrachtet werden sollten.

Die Zahl der Fernsehzuschauer und Radiohörer in den Vereinigten Staaten ist trotz wachsender Bevölkerung rückläufig. Während Kinokartenverkäufe im Jahr 2002 ihren Zenith erreichten, sanken die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften während der vergangenen fünf Jahre stetig und sorgten für stagnierendes Umsatz- und Gewinnwachstum.

Im Gegenzug erhöhte sich die Zahl der amerikanischen Haushalte mit Internetanschluss nach Angaben von Forrester Research zwischen 2000 und 2005 um 31 Prozent, wobei die Zahl der Breitbandzugänge sogar um mehr als das Siebenfache zulegte. Im selben Zeitraum gingen Online-Werbeumsätze laut Interactive Advertising Bureau um 55 Prozent nach oben. Die Ausgaben für Internetinhalte nahmen der Online Publishers Association zufolge von 2001 bis 2005 fast um das Dreifache zu. Eine in unseren Augen bemerkenswerte Entwicklung, vor allem, wenn man bedenkt, daß im Jahr 2000 die Internetblase platzte und die Branche erst Mitte 2003 wieder Tritt fasste.

Die Reichweite der Inhalte ausweiten

Diese Verlagerung im Konsumentenverhalten weg von traditionellen Medien und hin zu Onlinemedien löste Veränderungen auf der Ausgabenseite aus, von denen nach unserer Ansicht Unternehmen wie etwa Google und Yahoo ordentlich profitierten.

Einige merkten an, daß bestimmte Internetinnovationen den Wert von Inhalten und den Wert der sie bereitstellenden Unternehmen schmälern. So können Internetsurfer beispielsweise mit Suchmaschinen kostenfreie Inhalte aufspüren, die ansonsten womöglich nur käuflich zu erwerben wären. Internet-Tauschbörsen ermöglichen Anwendern das illegale Herunterladen urheberrechtlich geschützter Musik- und Videoinhalte. Auf dem Videoportal YouTube werden Tag für Tag mehr als 100 Millionen kostenfreie Videos abgerufen. Google-Nutzer können komplette Bücher kostenlos herunterladen und drucken.

Es wurde beklagt, daß das Internet den Verkauf von Inhalten unmöglich gemacht habe. Wenngleich ein gewisser Wahrheitsgehalt dieser Aussage nicht von der Hand zu weisen ist, so sind wir dennoch überzeugt, daß Medienunternehmen durch das Internet auch in die Lage versetzt werden, ein Publikum auf neuen Wegen zu erreichen und Umsätze aus den hierdurch verbreiteten Inhalten zu generieren.

Google - auf Gewinn geeicht

Googles Suchmaschine zieht Monat für Monat Hunderte von Millionen Nutzer an und unterstützt diese bei ihrer Suche nach bestimmten Inhalten - oftmals auf mit Werbung gespickten Websites von Medienunternehmen. Google Video (der Link zu diesem Angebot tauchte erstmalig im August 2006 auf der Homepage des Unternehmens auf) ermöglicht Anwendern, digitale Videos gezielt zu suchen, in der Videodatenbank zu stöbern und Videos abzuspielen. Mit der ebenfalls zum Unternehmen gehörenden Produktsuchmaschine Froogle lassen sich Bücher, CDs und Videos finden und kaufen. Medienunternehmen greifen außerdem auf Googles Dienste zurück, um Anwender auf Basis ihres Suchverhaltens gezielt anzusprechen.

Google verkauft zudem Werbung auf Websites von Medienunternehmen. Im August verkündete Google den Abschluss eines Abkommens über Onlinewerbung mit dem zur News Corp. gehörenden Unternehmen Fox Interactive Media, zu dessen Angebotspalette auch die populäre Social-Networking-Plattform MySpace zählt. Google wird die Websites von Fox Interactive Media mit Suchmöglichkeiten und Werbeeinblendungen ausstatten. Google gab ferner bekannt, werbeunterstützte Video-Inhalte von MTV Networks (im Besitz von Viacom) in einem Website-Netzwerk zu vertreiben.

Wir denken, daß diese Geschäftsbeziehungen als Ausgangsbasis für Googles Bemühungen dienen könnten, Geld mit Videoinhalten zu verdienen. Nach unserer Überzeugung ist Google aufgrund seines beträchtlichen Internet-Traffics, seiner technologischen Infrastruktur und eines breiten Netzwerks aus Werbetreibenden und Web-Publishern bestens aufgestellt, um ein neues Modell der Internet-Videowerbung einzuführen.

Yahoo steht alten Medien zur Seite

Um seine bereits deutliche Präsenz und das Potenzial bei Online-Videostreaming, -sharing und -werbung noch weiter zu steigern, erwarb Google im Oktober das Videoportal YouTube zu einem Kaufpreis von 1,65 Milliarden Dollar in Aktien. Dies stellt Googles bislang größte und aggressivste Akquisition dar und bestätigt nach unserer Ansicht den wachsenden Stellenwert von YouTube. Wir gehen davon aus, daß die Transaktion nach den erforderlichen kartellrechtlichen Genehmigungen bis zum Jahresende 2006 unter Dach und Fach sein wird.

Google ist jedoch nicht das einzige Internetunternehmen, das den traditionellen Medienunternehmen dabei behilflich ist, durch interaktiven Kontakt mit dem Publikum Verkäufe zu tätigen. So verzeichnet etwa Yahoo fast eine halbe Milliarde Nutzer weltweit und betreibt wie Google erstklassige Suchmaschinen- und Shoppingdienste. Zudem verkauft Yahoo mehr Werbeeinblendungen im Internet als jedes andere Unternehmen und unterhält umfangreiche Geschäftsbeziehungen zu Fortune 500-Medienunternehmen.

Darüber hinaus arbeit Yahoo am Aufbau eines Videoangebots mit nutzergenerierten Inhalten. Im vergangenen März verkündete Yahoo! eine Zusammenarbeit mit CBS zur Bereitstellung von Inhalten des Nachrichtenmagazins 60 Minutes. Yahoo! stellt nun Videos aus 60 Minutes sowie weitere Inhalte auf seinen Nachrichten-, Sport- und Unterhaltungsseiten bereit. Die Zusammenarbeit beider Unternehmen erstreckt sich außerdem auf eine 60 Minutes-Microsite. Wir gehen davon aus, daß Yahoo mit dieser Transaktion von einzigartigen und umsatzträchtigen Inhalten profitieren wird, während 60 Minutes hierdurch Zugang zu Werbeeinnahmen und zu einem gewaltigen Publikum jüngeren Alters erhält.

Internetpartnerschaft als Königsweg

Apple Computer ist zwar kein Internetunternehmen, hat sich aber dennoch zu einem bedeutenden Internetvertriebspartner und Goldesel für Fernsehgesellschaften entwickelt. iTunes ist der weltweit populärste Online-Videostore. Im September 2006 verkaufte Apple mehr als eine Million Videos pro Woche, mit Inhalten aus über 220 verschiedenen Fernsehshows. Ebenfalls im September kündigte das Unternehmen an, einen Filmdownload-Service mit rund 75 Titeln bereitzustellen.

Darüber hinaus verkaufen einige kleinere Unternehmen Online-Videowerbung, um Anbietern von Online-Videoinhalten zu ermöglichen, mit ihrem Angebot Umsätze zu generieren. Wir sind davon überzeugt, daß Google und Yahoo! auch auf diesem Gebiet beträchtliche Chancen offenstehen.

Je früher traditionelle Medienunternehmen auf eine Partnerschaft setzen, bei der die Generierung von Umsätzen aus Inhalten im Mittelpunkt steht, desto eher werden sie nach unserer Überzeugung in der Lage sein, die Früchte des Erfolgs zu ernten.

Text: S&P
Bildmaterial: AP, FAZ.NET

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