Anlage-Strategie

Anlageverhalten der Insider macht Mut

10. März 2008 Selbst hartgesottenen Bullen unter den Anlegern fällt es derzeit schwer, überzeugende Gründe für die Prognose von steigenden Aktienkursen zu finden. Die Schlagzeilen über die weiteren wirtschaftlichen Perspektiven fallen nach wie vor eher zurückhaltend aus. Sorgen bereiten vor allem unverändert die unklaren volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Hypothekenkrise.

Prognosen wie die der UBS, wonach die Banken weltweit wegen dieser Krise mindestens 600 Milliarden Euro an Verlusten einfahren werden, sind natürlich nicht dazu angetan, für neues Vertrauen zu sorgen. Zumal sich bisher die Schätzungen eher im Bereich von 350 Milliarden Euro bewegten und nicht klar ist, was da eventuell noch nachkommen wird.

Die kürzlich erfolgte Schließung zweier milliardenschwerer Hedge-Fonds des Londener Anbieters Peloton schürt vielmehr die Sorge vor einer unkontrollierten Kettenreaktion, die das gesamte Kartenhaus an den Finanzmärkten zusammenbrechen lassen könnte. Auch der amerikanische Notenbankpräsidenten Bernanke musste kürzlich einräumen, dass mit weiter fallenden Häuserpreisen in Amerika gerechnet werden muss und die Ausfälle von Immobiliendarlehen sowie die Zahl der Zwangsvollstreckungen wahrscheinlich noch weiter steigen werden.

Ausgeprägte Kauflaune sowohl in Amerika als auch in Europa

Vor diesem Hintergrund und der Tatsache, dass derzeit viele Anleger regelrecht aus Aktien fliehen, überrascht das Verhalten der Unternehmensinsider umso mehr. Diese kaufen momentan trotz der negativen Nachrichtenlage so eifrig Aktien der eigenen Firmen wie schon lange nicht mehr. So bewegt sich der FTD-Insiderindex, der das Anlageverhalten der Topmanager europäischer Konzerne widerspiegelt, seit Jahresbeginn auf einem sehr hohen Niveau.

Auch in Deutschland ergibt sich ein ähnliches Bild. Wie das Forschungsinstitut für Asset Management (Fifam) an der RWTH Aachen in Zusammenarbeit mit Commerzbank Private Banking ermittelt hat, ist die Zahl der Aktienkäufe durch Mitglieder aus der Unternehmensführung zuletzt auf den höchsten Stand seit der erstmaligen Veröffentlichung dieser Daten im Juni 2006 gestiegen.

Ganz ähnlich sieht es auch in Amerika aus. Dort hat das Verhältnis von Verkäufen zu Käufen durch die Insider extrem niedrige Werte erreicht. Das Verhalten der Insider ist deshalb so erstaunlich, weil ihr Agieren im krassen Widerspruch zu den aktuell negativ geprägten Wirtschaftsnachrichten und den Kursverlusten an den Börsen steht. Beachtenswert ist die Diskrepanz deshalb, weil die Insider eigentlich am besten wissen sollten, wie es um die Aussichten ihrer Gesellschaften bestellt ist und ob die eigenen Aktien unter- oder überbewertet sind.

Vergangenheitsergebnisse geben den Insidern Recht

Ob die Insider mit ihrem Optimismus dieses Mal Recht behalten, lässt sich derzeit zwar noch nicht vorhersagen. Die Historie spricht aber eine eindeutige Sprache. Denn in der Vergangenheit haben sich die Anlageentscheidungen der Insider, wie aus den Daten von BCA Research hervorgeht (siehe Grafik), oft schon rückblickend als letztlich richtig erwiesen. In den Jahren 1988, 1990, 1994, 1998 und 2002 jedenfalls, als die Erwartungen an die Weltkonjunktur ähnlich stark abgerutscht waren wie aktuell, gingen die Insider vergleichbar mit ihren jetzigen Verhalten auf Einkaufstour. Und zwölf Monate später notierte der S&P 500 Index dann trotz aller zum Zeitpunkt der Käufe vorherrschenden Skepsis unter den Marktteilnehmern im Schnitt immerhin um 25 Prozent höher.

Dieses Ergebnis aus der Vergangenheit ist zwar keine Garantie für eine Wiederholung in der Zukunft. Ein Hoffnungsschimmer in schwierigen Börsenzeiten stellt diese Beobachtung aber allemal dar. Signalisieren die Käufe der Insider doch, dass sie für die Weltwirtschaft offenbar nicht ganz so negativ gestimmt sind, wie es die negativ angehauchten Schlagzeilen mitunter suggerieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht der FAZ-Redaktion wider.



Text: @JüB
Bildmaterial: BCA Research, F.A.Z.

 
IndexPunkteProzent
Europa
Dax 6.127,44 -19,25
STOXX 50 3.185,83 -24,27
FTSE 100 5.240,70 -15,91
CAC 40 4.196,66 -24,41
Welt
DowJones 11.195,32 -16,81
Nasdaq 2.256,43 -14,11
Nikkei 225 12.212,23 -24,42
Hang Seng 19.933,28 -14,64
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Länder Performance
Top Indizes1 Jahr
BSE SENSEX INDEX -3,66
BOVESPA (IBOVESPA) INDEX -6,95
I.G.P.A. INDEX -9,67
MEXICO IPC INDEX -14,06
TEL AVIV TA - 100 INDEX -14,59
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Branchen Performance
Top CDax Branchen1 Jahr
DAXSECTOR UTILITIES -6,06
DAXSECTOR SOFTWARE -6,29
DAXXSECTOR PHARMA & HEALTHCARE -6,63
DAXSECTOR CHEMICALS -6,69
DAXSECTOR TELECOMMUNICATION -13,56
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Fonds Performance
Top Kategorien1 Jahr
Renten CZK +14,45
Renten TRL +11,23
Renten Europa Emerging Market +8,66
Renten USD Hypotheken +6,15
Aktien Mittlerer Osten +4,72
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
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