Börsennotierung

Immer mehr deutsche Firmen kehren Wall Street den Rücken

Diese Straße interessiert immer weniger deutsche Firmen.

Diese Straße interessiert immer weniger deutsche Firmen.

22. August 2007 Immer mehr deutsche Unternehmen denken über ein Delisting an der New Yorker Börse nach - oder haben den Schritt bereits eingeleitet. Darunter befinden sich die Altana AG, die BASF AG und die E.ON AG. Aber auch bei den europäischen Nachbarn wird die Liste der Unternehmen länger, die einen Rückzug von der Wall Street planen.

Noch Anfang des Jahres war ein Delisting an den amerikanischen Börsen ein langer und aufwendiger Prozess. Das änderte sich erst Anfang Juni. Seitdem gilt die Regel: Wenn weniger als fünf Prozent der Aktienumsätze an den amerikanischen Börsen getätigt werden, ist ein Delisting relativ schnell und problemlos möglich.

Bekannt auch ohne Listing

Findet Amerika zu teuer: BASF-Chef Jürgen Hambrecht

Findet Amerika zu teuer: BASF-Chef Jürgen Hambrecht

Grund für ein Listing war in der Vergangenheit, das eigene Unternehmen in den Vereinigten Staaten bekannter zu machen. Ein weiterer Grund war, dass die Aktie leichter als Akquisitionswährung eingesetzt werden konnte, wenn sie schon vor Ort gehandelt wurde. Mit der inzwischen fortgeschrittenen Globalisierung sind Namen wie Danone oder British Airways nun allerdings keine Unbekannten mehr für amerikanische Investoren. Die meisten Übernahmen werden zudem mehr und mehr in Cash abgewickelt.

Bei BASF werden Unternehmensangaben zufolge drei Prozent der Umsätze in der Aktie in Amerika getätigt. Allerdings sollen rund ein Fünftel
aller Aktionäre aus den Staaten kommen. Ganz anders sieht es allerdings bei SAP aus, die momentan nicht über ein Delisting nachdenkt. Rund 18 Prozent der Aktienumsätze sollen zuletzt in Amerika stattgefunden haben, so ein Marktbeobachter.

Präsenz an der Wall Street kostet - zu viel

„Die Entscheidung, uns von der New Yorker Börse zurückzuziehen, belegt unsere Anstrengungen, Komplexität und Kosten zu reduzieren“, hatte Jürgen Hambrecht, Vorsitzender des BASF-Vorstands, bereits Ende Juli gesagt. Die Führungsmannschaft der BASF werde auch in Zukunft einen offenen Dialog mit amerikanischen Investoren pflegen. Auch Hans Tschuden, Finanzvorstand der Telekom Austria Group, nannte den hohen Verwaltungsaufwand und die mit dem Listing verbundenen Kosten als Gründe für ein Delisting an der Wall Street.

Hinter vorgehaltener Hand werden allerdings auch andere Gründe genannt. Ein Unternehmenssprecher weist auf die unterschiedlichen Regularien und Vorschriften der Börsen hin. Die Vorschriften jenseits des Atlantiks seien teilweise wesentlich strenger und schrieben einen engeren Zeitplan vor. So müssten Unternehmensmeldungen spätestens vier Tage nach Eintreten des Ereignisses veröffentlicht werden. Da teilweise involvierte Abteilungen in unterschiedlichsten Zeitzonen an einer Veröffentlichung mitarbeiteten, sei ein Vier-Tage-Zeitfenster knapp. Zudem müsse eine Reihe von Rechtsanwälten eingeschaltet werden, um die Einhaltung der Vorgaben abzusichern, heißt es.

Wann lassen sich Amerikaner in Europa listen?

Eine weitere bittere Pille aus dem Sarbanes-Oxley-Act sei die Verpflichtung der Vorstände, die Bilanz zu beeiden und im Fall von Fehlern mit hohen Geld- oder Gefängnisstrafen haften zu müssen. Unternehmen, die nicht in Amerika gelistet seien, unterlägen zudem nicht der Security Exchange Commission (SEC). Zuletzt hatten Unternehmen wie Daimler-Chrysler und auch Siemens rund um Schmiergeldzahlungen nähere Bekanntschaft mit der scharfen Börsenaufsicht machen müssen.

Und so drängt sich unter Abwägung von Pro und Contra zu einem Listing an der Wall Street für einen Marktbeobachter inzwischen eher eine andere Frage auf: Wann lässt sich ein amerikanisches Unternehmen in Europa listen?

Text: Dow Jones
Bildmaterial: dpa, REUTERS

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