08. August 2005 Der Ölpreis tendiert weiterhin nach oben. Er ist am Montag auf ein neues Rekordhoch gestiegen, angeheizt von Befürchtungen über Lieferstörungem im Iran und Saudi-Arabien. Hinzu kommt das liquiditätsgetriebene Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten und die Wirtschaftsdynamik in weiten Teilen der Welt.
Das führt dazu, daß die zuvor schon knappen Produktionsreserven bis an den Rand ausgeschöpft werden. In diesem Umfeld sorgt jede Meldung über mögliche Produktionsstörung für Schlagzeilen und macht die Anleger an den internationalen Finanzmärkten nervös. Vor allem in den Vereinigten Staaten, die nicht nur unverantwortlich viel verbrauchen, sondern in den vergangenen Jahren kaum in diesen Bereich investiert haben. So dürfte es kaum verwundern, das die an den Kapazitätsgrenzen arbeitenden Raffinerien anfällig sind.
Ausgereizte Produktions- und Verarbeitungsreserven ...
Gleichzeitig gibt es nach wie vor geopolitische Risiken. Dabei richtet sich der Blick nun vor allem nach Saudi Arabien, einem der größten Ölförder- und Reserveländer der Welt. Denn im Zusammenhang mit dem Tod des bisherigen Regenten scheinen unruhige Zeiten nicht ausgeschlossen zu sein. Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, daß ein großer Teil der New Yorker Attentäter des Jahres 2001 aus Saudi-Arabien stammten. Ähnliches gilt für die Tatsache, daß die Vereinigten Staaten wegen glaubwürdiger und spezifischer Drohungen gegen amerikanische Einrichtungen ihre Botschaft in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad und ihre Konsulate in Jeddah und Dhahran geschlossen haben.
Saudi-Arabien geht seit über zwei Jahren gegen mutmaßliche Sympathisanten der Al-Kaida vor. Das Terrornetzwerk von Bin Laden hat westliche Ziele im Visier, um die herrschende Al-Saud-Familie zu unterminieren und die Ölindustrie zu bedrohen. Nach dem Tod von König Fahd am ersten August ist die Sorge um die politische Stabilität im Lande gewachsen.
... geopolitische Risiken
Der September-Ölkontrakt notierte im nachbörslichen Handel der New York Mercantile Exchange in Singapur 0,8 Prozent höher bei 62,80 Dollar und war bis auf 62,90 Dollar geklettert. Das ist der höchste Innertageskurs seit Einführung des Ölterminkontraktes 1983. An der Nymex erreichte er am Nachmittag mit 63,60 Dollar einen weiteren Spitzenwert. Der Ölpreis liegt 40 Prozent höher als ein Jahr zuvor und hat in den vergangenen drei Monaten 20 Prozent zugelegt. Angetrieben wurde die Verteuerung von Bedenken, daß die Raffinerien in den Vereinigten Staaten wegen der Benzinnachfrage nicht nachkommen können, die im Sommer Spitzenwerte erreicht, während sich gleichzeitig die Verbraucher auf der nördlichen Halbkugel für den Winter mit Heizöl eindecken.
Insgesamt führt der Trend des Ölpreises weiter nach oben. Entspannung dürfte sich erst dann abzeichnen, wenn sich das Weltwirtschaftswachstum abschwächen sollte oder neue Kapazitäten auf den Markt kommen. Beides scheint im Moment nicht absehbar zu sein, auch wenn hohe Ölpreise früher oder später auf die Budgets der Konsumenten durchschlagen dürften. Grundsätzlich dürfte jedoch zu denken geben, daß weder die Ölstaaten noch die Ölunternehmen an tiefen Preisen interessiert sind. Denn mit steigenden Preisen nimmt ihr Vermögen zu und steigen ihre Gewinne. Aus diesem Grund dürften sie selbst bei einer möglichen Korrektur bemüht sein, ihre Produktion entsprechend zu drosseln.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri mit Material von Bloomberg
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET
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