Rettungsplan für Hausbesitzer ohne Zauberformel

08. Dezember 2007 ctg. WASHINGTON, 7. Dezember. Der Rettungsplan für amerikanische Hausbesitzer ist keine Zauberformel zur Überwindung aller Schwierigkeiten auf dem Immobilien- und dem Hypothekenmarkt. Das hat der amerikanische Finanzminister Henry Paulson nach der Vorstellung der Details des Hilfspakets gesagt. "Wir stehen vor einem schwierigen Problem, für das es keine perfekte Lösung gibt", sagte Paulson. Er bekräftigte, dass es sich um eine Initiative der privaten Kreditwirtschaft und der Investoren des Hypothekenmarktes handle, an der sich die Regierung nur moderierend beteiligt habe. "Es gibt kein Geld von der Regierung."

Die Beteiligung der Regierung rechtfertigte der frühere Investmentbanker mit der Komplexität des Marktes für Hypothekendarlehen: Es sei im Interesse aller Beteiligten - Hausbesitzer, Banken und Investoren - einen marktgerechten Ansatz zur Verhinderung von Zwangsversteigerungen zu entwickeln. "Das bestehende System der Einzelfallprüfung wäre nicht geeignet, um das große Volumen von variabel verzinsten Baudarlehen zu bewältigen, deren Zinsen in den kommenden beiden Jahren heraufgesetzt würden", sagte Paulson. Der Minister nannte eine Schätzung, wonach 2008 und 2009 bei rund 1,8 Millionen Darlehen an Hausbesitzer mit schlechter Bonität (Subprime Mortgages) eine Erhöhung des Zinses und damit der monatlichen Belastung bevorstünde. "Wir brauchten einen gemeinsamen Ansatz der Kreditgeber und Investoren, der dem Volumen Rechnung trägt", fügte Paulson hinzu.

Der Plan sieht unter anderem die Möglichkeit einer günstigeren Refinanzierung oder das Einfrieren des niedrigen Eingangszinses des Darlehens für bis zu fünf Jahre vor. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Schuldner auch tatsächlich in dem Haus oder der Wohnung leben und bisher mit ihren Zahlungen nicht in Rückstand geraten sind. Die Darlehensgeber fällen das Urteil darüber, ob Hausbesitzer den ursprünglich vereinbarten Zinsanstieg finanziell verkraften könnten oder nicht. Wie es heißt, sollen all jene Schuldner, die auf der in Amerika üblichen Bonitätsrangliste 660 Punkte oder mehr haben, nicht mit einem Entgegenkommen der Gläubiger rechnen können. Die Liste reicht von 300 Punkten (schlechte Kreditwürdigkeit) bis 850 Punkte (erstklassige Bonität).

Die Kosten des Rettungsplans tragen sowohl die ursprünglichen Darlehensgeber, wie traditionelle Hypothekenbanken, als auch jene Investoren aus der ganzen Welt, die sich auf dem Kapitalmarkt in Subprime-Krediten engagiert haben. Denn in vielen Fällen sind die Forderungen aus diesen Hypothekendarlehen gebündelt und als Sicherheit für Anleihen verwendet worden, die auf dem Finanzmarkt verkauft wurden. Damit tragen die Investoren letztlich das Ausfallrisiko der Darlehen. Traditionelle Baufinanzierer fungieren vielfach noch als "Servicers", die das Geld von den Schuldnern eintreiben und auch gewisse Möglichkeiten zur Änderung der Kreditbedingungen besitzen. Das gilt vor allem dann, wenn dies im Interesse des Investors ist.

Obwohl der Rettungsplan von den führenden Akteuren des Marktes mitgetragen wird, gibt es nach Auskunft von George Miller vom American Securitization Forum keine Garantie dafür, dass nicht doch der eine oder andere Investor gegen die vereinbarte Regelung klagen wird. In dem Interessenverband sind Investoren, Servicers und andere an der Verbriefung von Hypothekenforderungen beteiligte Akteure zusammengeschlossen. Im Fall einer Zwangsversteigerung eines Hauses ist der Verlust, der dem Hypothekengläubiger entsteht, mit 40 bis 50 Prozent recht hoch.

Wie hoch letztlich die Kosten des Rettungsplans sein werden, wird von der Zahl der begünstigten Hausbesitzer abhängen. Die Kreditwirtschaft schätzt den Kreis jener, die Ansprüche anmelden können, auf 1,2 Millionen. Die Zahl der Zwangsversteigerungen hat im dritten Quartal das höchste Niveau seit 1972 erreicht. Mit Zahlungen im Rückstand waren 2,64 Millionen Hypothekenschuldner, so viele wie seit 1986 nicht mehr.



Text: F.A.Z., 08.12.2007, Nr. 286 / Seite 12

 
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