14. Mai 2008 Telekom-Aktionäre haben selten etwas zu lachen. Die Kursentwicklung ist seit Jahren schwach. Trost verspricht fast allein die hohe Dividende. Dieses Trostpflaster bekommen alle Aktionäre am Ende des heutigen Donnerstags verpasst. Dann zahlt die Deutsche Telekom 78 Cent je Aktie. Insgesamt beträgt die Ausschüttung 3,4 Milliarden Euro. Damit steht die Telekom für 12 Prozent der gesamten Dividendenzahlungen aller dreißig Dax-Unternehmen.
Nachdem viele Unternehmen im Jahr 2007 Rekordgewinne eingefahren haben, schütten die Dax-Werte in diesem Frühjahr mit 27,2 Milliarden Euro 16 Prozent mehr aus als im Vorjahr - ein Rekord. Der Halbleiterhersteller Infineon ist der einzige Dax-Wert, der keine Dividende zahlt. Die Aktionäre des Versorgers RWE und des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate müssen eine gekürzte Dividende hinnehmen. Continental und Postbank halten die Dividende konstant. Alle anderen 25 Dax-Unternehmen zahlen mehr.
Es gibt noch Gelegenheit für Dividendenjäger
Zwar haben die meisten Hauptversammlungen der Dax-Unternehmen in den vergangenen Tagen stattgefunden, und die Dividende ist auf den Konten der Aktionäre gutgeschrieben. Dividendenjäger können aber auf der Pirsch bleiben. Neben der Telekom steht an diesem Donnerstag auch die Hauptversammlung der Commerzbank an.
Am Freitag lädt der Einzelhandelskonzern Metro zum Aktionärstreffen. Zudem folgen noch Deutsche Börse (21. Mai), Allianz (25. Mai), Hypo Real Estate (27. Mai), Deutsche Bank (29. Mai) sowie zum Saisonausklang Linde und SAP am 3. Juni. Am attraktivsten erscheinen die Deutsche Bank, die 4,50 Euro je Aktie Dividende zahlt, und die Allianz mit 5,50 Euro Dividende je Aktie.
Damit erhalten Anleger, die zum heutigen Kurs kaufen, mit der Deutsche-Bank-Aktie eine Dividendenrendite von 5,9 Prozent und mit der Allianz-Aktie 4,3 Prozent. Mit beiden Titeln liegen die Aktionäre vor Steuern sogar vor Käufern von Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit, die derzeit 4,1 Prozent als jährliche Rendite erwarten dürfen.
Deutsche Telekom bietet hohe Dividendenrendite
Doch die Telekom-Aktie ist bezogen auf den aktuellen Kurs mit einer noch höheren Dividendenrendite ausgestattet als Allianz und Deutsche Bank. Wer am heutigen Handelstag zu Kursen um 11,70 Euro kauft, kommt nach der Dividendenzahlung von 78 Cent je Aktie auf eine Dividendenrendite von 6,7 Prozent.
Die Sache hat jedoch mehrere Haken. Die meisten Anleger müssen die Dividende versteuern. Und Aktien werden am Tag nach der Hauptversammlung mit einem Abschlag gehandelt, der oft der Höhe der Dividendenzahlung nahe kommt. Dies können zwei Gründe sein, Aktien erst nach der Hauptversammlung zu kaufen.
Allerdings ist noch Steuer fällig
Gleichwohl sind Dividenden in der Besteuerung in diesem Jahr noch gegenüber Zinseinnahmen bessergestellt. Wegen des Halbeinkünfteverfahrens muss ein Anleger nur die Hälfte der Dividendenzahlung der Einkommensteuer unterwerfen. Für Telekom-Aktionäre, die darüber hinaus keine weiteren Kapitaleinkünfte haben, bedeutet dies: Den in den vergangenen Jahren kräftig gekürzten Sparerfreibetrag von nunmehr 801 Euro (inklusive Werbungskostenpauschale) schöpft ein lediger Steuerpflichtiger aus, wenn er 2050 Telekom-Aktien hat und Dividenden von knapp 1600 Euro kassiert.
Gemeinsam veranlagte Ehegatten können die doppelte Dividendensumme steuerfrei einstreichen. Zinssparer hingegen können nur 801 Euro steuerfrei kassieren. Von 1602 Euro (Aktionäre) und 801 Euro (Zinssparer) an müssen die Kapitaleinkünfte versteuert werden. Steuerpflichtige zahlen für jeden zusätzlichen Euro an Kapitaleinkünften bis zu 45 Prozent (Reichensteuer) auf Zinsen und halbe Dividenden.
Dividenden lohnen sich nicht für alle
Deshalb sind viele Anleger, die ihren Sparerfreibetrag in diesem Jahr schon ausgeschöpft haben, gar nicht mehr auf weitere Dividenden erpicht. Wer allerdings zum Beispiel als Ruheständler von laufenden Einnahmen aus dem Kapitalvermögen lebt, für den kann die Jagd nach Dividenden weiterhin durchaus sinnvoll sein. Denn je größer die Dividendenzahlung, desto größer ist der Anreiz für Großanleger, der Dividendenzahlung auszuweichen und erst am Tag nach der Hauptversammlung zu kaufen.
Deshalb ist gerade nach hohen Dividendenzahlungen zwischen dem Kurs vom Tag der Hauptversammlung und vom Tag nach der Hauptversammlung (ex Dividende) der Unterschied - auf den ersten Blick paradoxerweise - gar nicht groß. Daher stürzen sich Kleinanleger anders als Großanleger gerade am Tag der Hauptversammlung oft noch auf dividendenstarke Werte.
Text: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
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