Von Sam Stovall
06. Dezember 2007 Unter Anlegern dürfte der diesjährige November in unguter Erinnerung bleiben. Seit 1945 verzeichnete der Aktienindex S&P-500 im elften Monat des Jahres üblicherweise seine im Schnitt viertbeste monatliche Wertentwicklung. Diesmal wurde dieser Trend jedoch nicht bestätigt. Der S&P-500 sank bis zum 29. November um 5,1 Prozent, was der schlechtesten Monatsperformance seit Dezember 2002 entspricht.
Seit Jahresbeginn zeigte der S&P-500 vier Monate mit rückläufiger Kursentwicklung, was interessanterweise nicht weit von dem seit 1929, 1945 und 1970 beobachteten jahresdurchschnittlichen fünf Monaten entfernt ist. Im diesjährigen November war der Rückgang jedoch stärker ausgeprägt als in der Vergangenheit: Acht der zehn Sektoren des S&P-500 und 83 Prozent (107 von 129) der in diesem marktbreiten Aktienindex abgebildeten Branchen verzeichneten Rückgänge. Die größten Verlierer waren Hypothekenfinanzierer (mit einem Monatsminus von 38 Prozent), Wohnungsbau (mit einem Einbruch von 28 Prozent im November, einem Minus von 67 Prozent seit Jahresbeginn und einem Rückgang von mehr als 77 Prozent seit dem Branchenhoch im Jahr 2005) sowie IT-Beratung und andere Dienstleistungen (mit einem Monatsrückgang von 23 Prozent).
Doch der November bot auch Lichtblicke. Die defensiven Sektoren Verbrauchsgüter, Gesundheitswesen und Versorger zeigten sich in der besten Verfassung, wobei Gesundheitswesen klar den ersten Platz einnahm. Die Branche Gesundheitseinrichtungen verbuchte einen sprunghaften Anstieg um 30 Prozent, während Gesundheitsdienstleistungen um 7,3 Prozent zulegte und die Branchengruppe der Gesundheitsversorgungsunternehmen 5,5 Prozent im Plus lag.
An Thanksgiving tanzen die Bären, an Weihnachten die Bullen
Nach einem alten Wall-Street-Sprichwort haben die Bullen an Weihnachten Grund zum Jubeln, wenn die Bären an Thanksgiving Anlass zum Feiern hatten. Da seit 1945 sowohl der November als auch der Dezember überdurchschnittlich hohe Monatserträge und unterdurchschnittlich geringe Monatsrückgänge verzeichneten, ist zu vermuten, dass dieses Sprichwort auf die Tage genau vor den jeweiligen Feiertagen und nicht auf den jeweiligen Monat anspielt. Nach meiner Meinung ist es relativ leicht zu erklären, weshalb der Optimismus im letzten Monat des Jahres zunimmt: Während sich das alte Jahr dem Ende entgegen neigt, richtet sich Blick bereits auf das neue Jahr, verbunden mit optimistischen Prognosen zu Gewinnwachstum und Kurssteigerungen.
Doch wie sieht es in diesem Dezember aus? Für den S&P-500 hat das S&P Investment Policy Committee ein Jahresendziel von 1.560 Punkten formuliert, was einer zehnprozentigen Kurssteigerung für das Gesamtjahr und einem sechsprozentigen Kurssprung im laufenden Monat entspricht. Dieses Ziel scheint zwar hoch gesteckt, ist nach unserer Ansicht jedoch nicht unrealistisch, da der S&P-500 seit 1945 in drei Dezembermonaten um mehr als sechs Prozent zulegte und zehn Mal um mehr als fünf Prozent anstieg.
Zu den Triebkräften einer Aufwärtsbewegung zählt eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte durch die amerikanische Notenbank während ihrer Sitzung am 11. Dezember (an der Wall Street wird mittlerweile auch verstärkt auf einen großen Zinsschritt von 50 Basispunkten gewettet), nachdem wir noch vor einiger Zeit davon ausgingen, dass sich die Fed hierfür bis Januar Zeit lassen würde. Eine weitere treibende Kraft könnte ein Rückgang der Ölpreise auf unseren für das Gesamtjahr 2008 geschätzten Durchschnittswert von 84,67 Dollar pro Barrel sein.
Ein Blick auf die historischen Werte
Die historischen Durchschnittswerte seit 1990 zeigen, dass die S&P-500-Sektoren Industrie und Finanzdienstleistungen im Dezember die beste Wertentwicklung aufwiesen, während Informationstechnologie und Energie traditionell hinterherhinkten. Es sei natürlich wie immer daran erinnert, dass Wertentwicklungen in der Vergangenheit keine Garantie für zukünftige Ergebnisse darstellen.
S&P Equity Strategy empfiehlt eine Untergewichtung des S&P-500-Sektors Finanzdienstleistungen, da wir davon ausgehen, dass diese Gruppe in den kommenden sechs bis zwölf Monaten aufgrund von Unwägbarkeiten bei den Gewinnen pro Aktie weiterhin hinter der Wertentwicklung des Index' zurückbleiben wird. Daneben raten wir zu einer Übergewichtung des S&P-500-Sektors Informationstechnologie, da wir für 2008 mit einem starken Wachstum der Gewinne pro Aktie und einem Schub durch überdurchschnittliche internationale Umsätze rechnen.
Auf Branchenebene verzeichneten Wohnungsbau, Medizintechnik und Rundfunk & Kabelfernsehen seit 1990 die häufigsten überdurchschnittlichen Wertentwicklungen, während bestimmte Einzelhändler und konsumorientierte Branchen in den vergangenen 17 Dezembermonaten im Schnitt die geringsten Erträge und die geringste Häufigkeit überdurchschnittlicher Wertentwicklungen aufwiesen.
Es mag zwar spannend und bisweilen sogar profitabel sein, sich in jenen Gruppen zu engagieren, die in der Vergangenheit in einem bestimmten Monat gut abschnitten, wir würden jedoch davon abraten, sein sauer erspartes Geld allein auf Grundlage vergangener Monatsperformance zu investieren.
Sam Stovall ist Chefstratege von Standard & Poor's Equity Research Services.
Text: Business Week Online
Bildmaterial: FAZ.NET, S&P
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