14. April 2008 Es ist immer wieder dasselbe. So lange Kurse von Wertpapieren und Preise von Vermögenswerten nach oben laufen, so herrscht unter Anlegern Friede, Freude, Eierkuchen. Wertpapiere mögen noch so überbewertet, riskant finanziert oder spekulativ überhitzt sein. Der Markt hat immer recht, heißt es dann unisono.
Das galt in der Vergangenheit für Tulpen, Immobilien, Kunstwerke, Devisen, Rohstoffe und nicht zuletzt auch für Aktien. Während des Internet-, Technologie- und Kommunikationshypes war beinahe ganz Deutschland begeistert, als die T-Aktie von Hoch zu Hoch lief. Als sie dann nach unten drehte, vergaßen viele rechtzeitig zu verkaufen. Aber auch das gehört zu diesem Spiel. Heute wollen sie sich die Kursverluste auf gerichtlichem Weg ersetzen lassen.
Short-Seller geraten in Baissephasen regelmäßig in die Kritik
In Baissephasen geraten die so genannten Short-Seller regelmäßig in die Kritik. Das sind jene Anleger, die sich überbewerte Aktien ausleihen, um sie in einer Spekulation auf fallende Kurse am Markt zu verkaufen, um sie später günstiger zurückkaufen zu können. Anleger dieser Art seien der Grund dafür, dass die Kurse so stark fielen, heißt es zu Begründung. Das mag zwar sein. Allerdings fallen die Kurse von Wertpapiere vor allem dann stark, wenn sie zuvor deutlich gestiegen und entsprechend ambitioniert bewertet waren oder wenn die betreffenden Unternehmen in operativen Schwierigkeiten stecken.
In den Tagen vor dem Beinahe-Zusammenbruch der Investmentbank Bear Stearns waren Leerverkäufe von Bear-Stearns-Aktien und ungewöhnlich hohe Handelsvolumina in Aktienoptionen der Bank verzeichnet worden. Dies veranlasste Barney Frank, den Vorsitzenden des Finanzdienstleisterausschusses im amerikanische Repräsentantenhaus, sich in einem Brief an Christopher Cox, den Chef der amerikanische Finanzmarktaufsicht SEC, zu wenden und eine umfassende Untersuchung zu Aktienleerverkäufen zu fordern. Die SEC hatte im März angekündigt, Ermittlungen aufzunehmen. Die Untersuchung soll klären, ob Hedge-Fonds falsche Gerüchte verbreitet und versucht haben, von fallenden Kursen zu profitieren.
Gerüchte fallen nur im passenden Umfeld auf fruchtbaren Boden
Sehr wahrscheinlich wird nicht viel dabei herauskommen. Denn Gerüchte fallen nur im passenden Umfeld auf fruchtbaren Boden. Aufgrund der Kreditkrise, der damit zusammen hängenden Ereignisse im Finanzbereich und nicht zuletzt aufgrund des intransparenten Gebarens vieler Finanzinstitute sind die Unternehmen der Branche anfällig für alle nur denkbaren Spekulationen. Immerhin sind ihre realen Probleme kaum verkennbar und die Kursverluste gerechtfertigt. Aus diesem Grund würden ihre Aktien in die Defensive geraten, ob Short-Seller nun involviert wären oder nicht. So gesehen wirken Hedge-Fonds dieser Art wie Katalysatoren, indem sie eine ohnehin zu erwartende Entwicklung forcieren. Ein gesundes Unternehmen mit fair bewerteter Aktie wird kaum ins Visier aggressiver Anleger geraten, weil es nichts zu spekulieren gibt.
Es könnte reizvoll sein, als Anleger die Möglichkeiten des taktischen Short-Sellings selbst auszuloten, statt gegen sie zu wettern. Denn erstens verbuchen die soliden unter den so genannten Long-Short-Fonds langfristig überdurchschnittliche Erträge bei unterdurchschnittlichem Risiko. Zweitens gibt es immer mehr einfache und günstige Instrumente, mit denen sich solche Strategien umsetzen lassen. So kann man beispielsweise mit dem Shortdax-ETF der Deutschen Bank (Isin LU0292106241) zu einer Jahresgebühr von 0,4 Prozent auf einen fallenden Markt setzen. Der ShortDax der deutschen Börse entwickelt sich gegenläufig zum Dax-Index.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
| Top Indizes | 1 Jahr |
|---|---|
| +3,56 | |
| -1,19 | |
| -5,02 | |
| -6,80 | |
| -13,57 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
| Top CDax Branchen | 1 Jahr |
|---|---|
| -0,76 | |
| -1,71 | |
| -10,23 | |
| -13,66 | |
| -14,73 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
| Top Kategorien | 1 Jahr |
|---|---|
| +23,51 | |
| +6,69 | |
| +6,60 | |
| +3,53 | |
| +3,26 | |
| Proz. Veränderung nach 1 Jahr | |
