Charttechnik

Der Dax setzt seine Erholung fort

Von Hanno Mußler

23. Juli 2008 Seit einer Woche steigt der Deutsche Aktienindex Dax von Tag zu Tag. Technische Analysten sprechen von einem V-förmigen Verlauf. Denn so steil wie der Dax am Mittwoch vergangener Woche bis auf 5.999 Punkte gefallen ist, so steil scheint es ihn seitdem wieder nach oben zu ziehen. Gegen erste Gewinnmitnahmen zeigt sich der Dax robust. Am Mitwoch beendete der Dax den Handel auf 6.536 Punkten - 1,5 Prozent höher als am Dienstag.

Unter technischen Analysten herrscht indes die Meinung vor, dass es bei dem V-förmigen Anstieg nicht bleiben wird. Denn oft kam es in der Vergangenheit noch einmal zu einem Rücksetzer und einem „Test" des alten Tiefs. „Mittel- und langfristig ist der Abwärtstrend so lange intakt, bis der Dax nicht wenigstens 6.850 Punkte überwindet", sind sich Thomas Theuerzeit von der Postbank und Jörg Scherer von HSBC Trinkaus & Burkhardt einig.

„Vorsichtige Anleger warten auf einen Bruch der Widerstandszone“

Die Marke von 6.850 Punkten, bei deren Überwinden der Dax für Scherer „ein erstes Lebenszeichen" senden würde, ist deshalb von Bedeutung, weil hier der längerfristige Abwärtstrend verläuft. Der Trend lässt sich nachvollziehen, indem man das Dax-Hoch von Jahresbeginn von 8.150 Punkten verbindet mit dem Mai-Zwischenhoch von 7.230 Punkten. Bei 7.100 Punkten verlaufen zudem derzeit der fallende 200-Tage-Durchschnittskurs und ein wichtiger horizontaler Widerstand. „Vorsichtige Anleger warten auf einen Bruch der Widerstandszone, die von 6.800 bis 7.100 Punkten reicht", sagt Scherer. Denn seit Januar habe sich das längerfristige Bild so stark verschlechtert, dass es eines großen Schritts des Dax bedürfe, um das Bild nachhaltig positiv zu wenden.

Gleichwohl stehen nach Ansicht von Scherer die Chancen nicht schlecht, dass das Tief von 5.999 Dax-Punkten auch auf Dauer tragen werde. „Am vergangenen Mittwoch gab es ein wirklich bemerkenswertes Reversal", sagt Scherer. Gerade in den amerikanischen Bankaktien Fannie Mae und Freddie Mac habe es einen lehrbuchreifen Ausverkauf (Sell-out) gegeben. „Nachdem das Handelsvolumen an einem Tag die Marktkapitalisierung überstieg, dürften nun alle, die ans Verkaufen denken, verkauft haben", wertet Scherer den Sell-out als für die Zukunft positives, reinigendes Gewitter. Auch Michael Riesner von der UBS in Zürich ist bis in das erste Quartal 2009 nun optimistisch für Aktien. "Der vergangene Mittwoch war ein sehr markanter Handelstag", sagt Riesner, darauf verweisend, dass der breitere amerikanische Aktienmarkt neue Tiefstände habe vermeiden können.

Theuerzeit, technischer Analyst der Postbank, ist dagegen eher der Ansicht, dass Anleger die laufende Erholung des Dax noch zum Ausstieg nutzen sollten. Am vergangenen Mittwoch habe der Dax sein früheres Jahrestief von 6.167 Punkten deutlich verletzt. Aus der „Bären-Flagge", eine Formation, die der Dax-Verlauf von Mitte März bis Mitte Mai herausgebildet habe, ergebe sich ein Abschlagspotential bis auf 5.400 Punkte. „Mein Hauptszenario ist immer noch, dass der Dax nochmals unter 6.000 Punkte fällt, um die Baisse komplett abschließen zu können", sagt Theuerzeit.

Fällt der Ölpreis weiter - oder nicht?

Die jüngste Erholung des Dax ermöglicht nach Ansicht vieler Marktteilnehmer der Ölpreis, der seit Monaten gegenläufig zum fallenden Dax kräftig gestiegen ist und nun seit ein paar Tagen deutlich fällt. Inzwischen ist der Ölpreis wieder in seinen längerfristigen Aufwärtstrendkanal zurückgefallen, aus dem er im Mai nach oben ausgebrochen war. Technische Analysten werten das Zurückkehren in den Kanal als Zeichen nachlassender Dynamik, zum Teil sogar als Verkaufssignal. Theuerzeit meint, dass der Ölpreis dabei ist, einen langfristigen, nach oben gerichteten fünfteiligen Impuls abzuschließen. „Es steht eine heftige Korrektur bevor. Ich rechne mittelfristig damit, dass der Ölpreis von derzeit 130 Dollar je Barrel auf 75 Dollar fällt", sagt Theuerzeit.

Käme es tatsächlich zu einem kräftigen Verfall des Ölpreises, gehörten Luftfahrt- und Automobilaktien vermutlich in den kommenden Monaten mit zu den Gewinnern. Die VW-Aktie, die seit Monaten wegen der Zukäufe von Porsche eine Ausnahmestellung innehat, erreichte am Mittwoch ein Allzeithoch. Und die Aktie von Daimler hat sich von ihrem Tief von 35,40 Euro kräftig auf 42,40 Euro erholt. „Daimler steht aber exemplarisch für den Gesamtmarkt", sagt Scherer. Erst nach Überwinden von Kursen um 47,50 Euro sei die Baisse für Daimler beendet.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Bloomberg, FAZ.NET

 
IndexPunkteProzent
Europa
Dax 5.416,83 -32,68
STOXX 50 2.905,22 -35,61
FTSE 100 4.606,18 -30,42
CAC 40 3.759,02 -36,47
Welt
DowJones 9.955,50 -29,22
Nasdaq 1.862,96 -32,99
Nikkei 225 10.155,90 -38,63
Hang Seng 16.803,76 -39,62
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Länder Performance
Top Indizes1 Jahr
I.G.P.A. INDEX -21,45
MEXICO IPC INDEX -26,27
KUALA LUMPUR KLSE COMPOSITE IN -27,37
IBEX 35 INDEX -27,98
SWISS MARKET INDEX(SMI) -28,83
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Branchen Performance
Top CDax Branchen1 Jahr
DAXSECTOR TELECOMMUNICATION -12,97
DAXXSECTOR PHARMA & HEALTHCARE -12,99
DAXSECTOR CHEMICALS -22,12
DAXSECTOR UTILITIES -22,31
DAXSECTOR CONSUMER -29,91
Proz. Veränderung nach 1 Jahr
Fonds Performance
Top Kategorien1 Jahr
Renten CZK +15,97
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Renten Europa Emerging Market +5,03
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