29. Januar 2008 Mit deutlichen Kursgewinnen erholen sich die Börsen seit kurzem von den vorhergehenden Kursverlusten. Die internationalen Anleger scheinen in ihrem Optimismus einmal mehr auf die magischen Zinskräfte der amerikanischen Zentralbank und der keynisanischen Politik der amerikanischen Regierung zu vertrauen, die schon in der Vergangenheit immer wieder die Wirtschaft mit drastischen Zins- und Steuersenkungen in Krisenzeiten frisch beflügeln konnten.
Ob die Anleger mit dieser Erwartung recht haben mögen, wird sich erst noch zeigen müssen. Denn die Daten von volkswirtschaftlicher Seite sind alles andere als begeisternd - und wenn, dann handelt es sich in der Regel um volatile oder rückwärtsgewandte Daten. Das gilt beispielsweise für die am Dienstag veröffentlichten Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter in Amerika, die im Dezember nach Angaben des Census Bureaus um 5,2 Prozent und damit überraschend stark zulegten.
Anhaltender Preisverfall bei Wohnimmobilien
Dagegen fielen die Preisrückgänge bei den amerikanischen Eigenheimen im November mit einem Minus von durchschnittlich 7,7 Prozent deutlicher aus als erwartet. Zusammen mit der geringen Anzahl an wiederverkauften und neuen Häusern im Dezember zeichnet sich ein anhaltend schwaches Bild am amerikanischen Immobilienmarkt ab, das auch durch einen weiteren Rückgang des amerikanischen Konsumentenvertrauens im Januar bestätigt wird.
Hatten sich die Konsumenten in den vergangenen Jahren nicht nur stark verschuldet, sondern seit dem Jahr 2000 von den zunächst stark steigenden Immobilienpreisen profitieren können, indem sie Kapital aus ihren Immobilien schlagen und verbrauchen konnten, so hat sich das inzwischen ins Gegenteil verkehrt. Da die Hauspreise inzwischen immer weiter vom zuvor völlig überzogenen Niveau zurückkommen, geraten immer mehr fremdfinanzierte Hauseigner in Zahlungsschwierigkeiten.
Mit entsprechend negativen Folgen für den gesamten Immobilien-, Bau- und vor allem auch dem Finanzsektor und all den damit verbundenen Zulieferern. Längst ist das Geschäft mit der Verbriefung und der Vermarktung von Hypothekar- und Konsumentenkrediten zusammengebrochen, da die Papiere bei den Anlegern zu massiven Verlusten geführt hatten. Viele Finanzunternehmen und Anleger dürften ihre Finanzleichen in ihren Kellern noch gar nicht realisiert oder offen gelegt haben. Aus diesem Grund ist der Reigen negativer Nachrichten sehr wahrscheinlich noch lange nicht abgeschlossen.
Finanz-, Immobilien- und Baubranche: Korrektur der Exzesse steht an
Auf der anderen Seite hatte gerade die Finanzbranche vom Immobilienboom profitieren und überaus profitabel wachsen können. Auf diese Weise wurden sowohl die Wachstumsdaten als auch die Unternehmensgewinne im Durchschnitt in weiten Teilend der Welt künstlich nach oben getrieben, was Aktien in Verbindung mit hoher Liquidität attraktiv machte und ihre Kurse beflügelte. Da der optisch positive Zyklus inzwischen zu einem negativen geworden ist, dürften auch hier Korrekturen anstehen. Die amerikanische Wirtschaft wird in diesem Rahmen mit einiger Wahrscheinlichkeit in die Rezession geraten und möglicherweise sogar längere Zeit unterdurchschnittlich wachsen, wenn überhaupt.
Zinssenkungen und Konjunkturprogramme können das sehr wahrscheinlich nicht verhindern. Keynesianische Impulse haben ind er Vergangenheit immer nur zu Strohfeuern - wenn überhaupt - und zur sinnlosen Zunahme der Verschuldung geführt. Zinssenkungen sind dann wirkungslos, wenn nicht das Zinsniveau über einen Kredit entscheidet, sondern die Kreditwürdigkeit. Genau an diesem Punkt sind die Kreditgeber inzwischen kritischer geworden als in der Vergangenheit. Die Banken trauen sich sogar gegenseitig kaum noch über den Weg. Aus diesen Gründen dürfte es ratsam sein, kurzfristige Kurgewinne an den Börsen mit der nötigen Skepsis zu betrachten.
Taktische Aktienrückkäufe können die Märkte kurzfristig nach oben ziehen
Da in den vergangenen Wochen jedoch einige Anleger massiv auf fallende Kurse gesetzt haben - das zeigt sich an den so genannten Short Interests -, kann es immer wieder aus risiko-taktischen Überlegungen zu massiven Kursrallys kommen, wenn sie ihre Aktien zurückkaufen müssen. Immerhin betrug das Verhältnis zwischen leer verkauften und umlaufenden Aktien bei einzelnen Werten im S&P-500-Index bis zu 42 Prozent (MBIA Inc.). Mit der fundamentalen Entwicklung hat das jedoch in der Regel wenig zu tun. Sehr wahrscheinlich stellen solche Rallys gute Verkaufsgelegenheiten dar.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: BEA, FED, Businessweek, F.A.Z., FAZ.NET, GMO, GMO, BEA, 30.9.2007