15. Juni 2005 Der Rohstoffboom der vergangenen Monate hinterließ auch an den Finanzmärkten unübersehbare Spuren. Wenn man einen Blick auf die wertvollsten Unternehmen der Welt wirft, dann haben die Rohstoff- und Energieunternehmen ganz schön an Gewicht gewonnen.
Gemessen an der Marktkapitalisierung liegt im Moment zwar das amerikanische Firmenkonglomerat General Electric auf dem ersten Platz. Allerdings wird es vom Ölriesen Exxon Mobil bedrängt. Er hatte im Frühjahr zwar schon einmal den ersten Platz errungen, mußte ihn allerdings in den vergangenen Wochen auf Grund von Gewinnmitnahmen wieder abgeben.
44 Prozent der weltgrößten Unternehmen sind amerikanisch
Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die hohe Nachfrage nach Rohstoffen dürfte in Verbindung mit einem beschränkten Angebot und einer hohen internationalen Geldmenge zu steigenden Preisen führen. Davon dürfte das Unternehmen mittel- und langfristig in Form von steigenden Gewinnen profitieren. Das läßt vermuten, daß der Aktienkurs künftig deutlicher zulegen wird als der von General Electric. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis Exxon Mobil wieder die höchste Marktkapitalisierung weltweit haben wird.
Der Blick auf die nach Marktkapitalisierung größten 500 Unternehmen weltweit und die Veränderungen innerhalb dieser Liste in den vergangenen zwölf Monaten macht verschiedene Trends deutlich. Die Liste der Unternehmensschwergewichte wird von amerikanischen Unternehmen dominiert. 44 Prozent der vertretenen Unternehmen haben ihr Domizil in den Vereinigten Staaten. Die zweitgrößte Unternehmernation in diesem Sinne ist Japan, gefolgt von Großbritannien, Frankreich, Kanada und dann schließlich Deutschland an sechster Stelle.
Kein einziges deutsches Unternehmen ist unter den ersten 50 zu finden - dafür unzählige amerikanische, mehrere britische, französische, schweizer und japanische Unternehmen. Mit Petrochina steht das wertvollste Unternehmen Chinas gemessen in Euro und in einer Auswertung nach Bloomberg auf Platz 23 weltweit. Mit einer Marktkapitalisierung von etwas mehr als umgerechnet 100 Milliarden Euro ist das Unternehmen etwa 62 Prozent mehr wert als die Deutsche Telekom. Die steht als teuerste deutsche Aktiengesellschaft auf Rang 51 und damit noch hinter dem saudischen Chemie- und Stahlunternehmen Sabic und auch hinter Google.
Aufsteiger aus der Energie- und Rohstoffbranche - und aus Schwellenländern
Viele der Aufsteiger lassen sich unter den Energie- und Rohstoffwerten finden. Daneben fallen aber auch Aktiengesellschaften aus den Schwellenländern auf. Neben Petronchina sind das Sabic, Saudi Telecom, Al-Rahji Banking, Etisalat oder auch die Samba Financial Group aus Saudi Arabien. Auf Grund der jüngsten Kursgewinne ist auch Apple Computer wieder relativ weit vorne zu finden.
Auf der anderen Seite gibt es auch Unternehmen, die stagnieren oder sogar an Gewicht einbüßen. Dazu zählen einige Finanzwerte. Grund dafür mögen sowohl steigende Zinsen oder auch Finanzskandale sein. Solche oder zumindest entsprechende Verdächtigungen gab es sowohl bei der Citigroup, bei AIG oder auch bei Freddie Mac und Fannie Mae.
Trends wie etwa der Rohstoffboom, aber auch das höhere Wachstum in den Schwellenländern verändern auch die internationale Unternehmenslandschaft. So können in Schwellenländern ansässige oder aktive Unternehmen rascher wachsen als ihre europäischen oder amerikanischen Konkurrenten. Aus diesem Gründ könnte in der Zukunft an der Spitze der Rangliste auch einmal ein nicht-amerikanisches Unternehmen stehen.
Jedoch sollte man solche Tabellen nicht überbewerten. Die Datenbanken enthalten Doppelungen im Zusammenhang mit Fusionen und Übernahmen. In einigen wenigen Fällen dürfte es auch zu Irrtümern bei der Währungsumrechnung gekommen sein. Aus diesem Grund ist eine vereinzelte Verzerrung der Rangliste nicht ausgeschlossen. Das ändert jedoch nichts an den zu beobachtenden Basistrends.
Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET
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