Schwellenländer

Aktienrally in Vietnam: Ende wegen Kapitalverkehrskontrollen?

12. Februar 2007 Mit einem Kursgewinn von satten 40,2 Prozent in Euro seit Beginn des laufenden Jahres ist der vietnamesische VN Index nicht nur der beste Index weltweit, sondern setzt damit auch die Erfolgsgeschichte der beiden vergangenen Jahre fort. Immerhin hat der Markt seit Mitte des Jahres 2005 knapp 350 Prozent zugelegt.

Diese Entwicklung dürfte kaum verwundern. Denn erstens wächst das Nachbarland Chinas mit einer Wachstumsrate von voraussichtlich knapp acht Prozent im vergangenen Jahr deutlich, zweitens war der Markt lange Zeit von den internationalen Anlegern kaum beachtet worden, obwohl er relativ günstig war, und drittens sind die Finanzmärkte des Landes noch relativ schwach entwickelt und aus diesem Grund noch nicht sonderlich liquide.

VN Index hat in den vergangenen Monaten massiv zugelegt

So dürfte es kaum verwundern, dass der Index in dem Moment rasch und deutlich nach oben zu laufen begann, als die internationalen Anleger anfingen, auf der Suche nach attraktiven Renditen in größerem Stile einzusteigen. Die Tatsache, dass das so war, zeigte sich unter anderem an mehreren Zertifikaten, die in den vergangenen Monaten alleine in Deutschland auf den Markt kamen (siehe auch: Zertifikate: DWS bietet neue Vietnam-Wette).

So positiv die deutlichen Kursgewinne und die durch die Kapitalströme ausgelösten Währungsaufwertungen für die beteiligten Anleger auch sein mögen, sie führen auch zu Risiken. Diese zeigten sich in der Vergangenheit immer wieder in Form von deutlichen Turbulenzen, sobald die internationalen Anleger ihre Gelder rasch wieder abziehen wollten. Zuletzt zeigte sich das Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

So dürfte es kaum verwundern, dass manche Staaten dazu neigen, überproportional starke und ökonomisch in ihrer Höhe wenig sinnvolle Währungsreserven zu halten oder gar zu strikteren Maßnahmen greifen. Thailand führte in den vergangenen Wochen sogar Kapitalverkehrskontrollen ein. Ähnliche Überlegungen scheint es nun auch in Vietnam zu geben, glaubt man einer Analyse der ANZ Bank.

Die Regierung werde wahrscheinlich zum ersten März Beschränkungen für ausländisches Kapital erlassen, um Spekulanten abzuschrecken und den Anstieg der vietnamesischen Währung zu bremsen, schreiben die Analysten der australischen Bank. Dabei berufen sie sich auf nicht genannte Berichte finanzieller Institutionen.

„Die Behörden sind offenbar bereit, ein sehr stumpfes Instrument zu nutzen“, zitiert die Nachrichtenagentur Bloomberg eine von den Ökonomen Alex Joiner und Amy Auster verfasste Analyse. „Es gibt definitiv Abwärtsrisiken.“ Der ANZ-Studie zufolge dürften ausländische Investoren in Vietnam gezwungen werden, ihre Kapitalanlagen in Aktien und Anleihen mindestens zwölf Monate halten. Danach müsste ein Abzug des Kapitals 30 Tage im Voraus beantragt werden. Zu einem ähnlichen Schluss war Sriyan Pietersz, Analyst bei JPMorgan Chase in Bangkok, am 7. Februar in einer Studie gekommen, heißt es bei Bloomberg weiter.

Kapitalverkehrsbeschränkungen wie in Thailand?

Befürchtungen hinsichtlich möglicher Kapitalkontrollen haben den vietnamesischen VN Index am Donnerstag und Freitag um knapp sechs Prozent gedrückt, bevor er sich am Montag davon wieder erholen konnte. Der vietnamesische Dong legte gleichzeitig gegen den Dollar weiter auf 15.980 Dong zu. Die Währung des Landes hat seit November des vergangenen Jahres rund 0,7 Prozent zugelegt und dabei den langfristigen Abwertungstrend durchbrochen. Allerdings sollten solche charttechnischen Betrachtungen nicht überschätzt werden, wird doch der Wechselkurs bisher nicht frei am Markt bestimmt. Gleichzeitig sei die vietnamesische Zentralbank nicht unabhängig von der Regierung, die eine stärkere Währung als „ernste Angelegenheit“ ansehe, so die Analysten.

Ähnlich wie in anderen Teilen Asiens dürfte sich aber auch hier langfristig eine Aufwertung der Währung nicht vermeiden lassen, sollte das Land noch stärker als bisher auf seine Exportindustrie setzen und dadurch die Leistungsbilanz noch positiver als bisher werden zu lassen. Der Eintritt des Landes in die Welthandelsorganisation WTO hat jedenfalls Spekulationen auf ein schnelleres Wirtschaftswachstum angeheizt.

Tatsache ist, dass die Geldanlage in Vietnam aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung und der entsprechenden Perspektiven - Nachholbedarf, junge Bevölkerung - langfristig gewisse Reize bietet. Allerdings dürfte ein langer Atem nötig sein, um alle denkbaren Turbulenzen zu ertragen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.



Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET, www.bsc.com.vn

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