10. Oktober 2007 Nach einem lebhaften ersten Halbjahr ist die Kette an Börsendebüts abgerissen. Die Sommerpause auf dem Markt für Aktienneuemissionen hat in diesem Jahr länger gedauert als üblich. Die Gründe für die Flaute sind vielfältig.
Die Turbulenzen an den Kreditmärkten haben auch den stimmungsanfälligen Markt für neue Aktien getroffen. Hinzu kommt, dass das erste Halbjahr den Anlegern keine Lust auf weitere Neuemissionen gemacht hat. Denn die meisten der neu auf den Markt gekommenen Anteilsscheine liegen unter dem Ausgabepreise.
Börsengangs- beziehungsweise die IPO-Stimmung hat sich verschlechtert
Die Banken und Altgesellschaften haben trotzdem gut verdient. 16 Börsenneulinge im Prime Standard und zwei weitere im General Standard sammelten 5,7 Milliarden Euro ein. Das Volumen des Vorjahres - mit 7,5 Milliarden Euro das höchste seit dem Jahr 2000 - dürfte im Gesamtjahr übertroffen werden. 2007 ist insgesamt ein gutes Jahr für Börsengänge, sagte jüngst Georg Hansel, der das deutsche Aktienemissionsgeschäft der Deutschen Bank leitet. Einige Emittenten hätten die gute Marktlage im ersten Halbjahr genutzt und ihren Börsengang vorgezogen. Bis Jahresende rechne er daher mit einem ruhigen Verlauf.
Das dritte Quartal des Jahres 2007 lag mit neun Neuemissionen deutlich unter dem entsprechenden Vergleichswert des Vorquartals. Dieser Rückgang wurde vom IPO-Sentimentindikator richtig prognostiziert. Mit einem Gesamtemissionsvolumen von 2,8 Milliarden Euro gegenüber 3,3 Milliarden Euro im Vorquartal gehörte der Berichtszeitraum aber dennoch zu den stärkeren Quartalen. Allerdings ist dieser Wert zu einem Großteil auf eine einzige Emission zurückzuführen: Bei der Tognum AG lag das Emissionsvolumen bei 2 Milliarden Euro.
Die Börsengangs- beziehungsweise die IPO-Stimmung hat sich denn auch nach einer regelmäßig alle drei Monate stattfindenden Untersuchung der Börse Frankfurt zusammen mit dem Center for Entrepreneurial and Financial Studies der TU München unter der Leitung von Professor Christoph Kaserer gegenüber dem zweiten Quartal des laufenden Jahres spürbar verschlechtert.
Die aktuelle Erhebung hat gezeigt, dass das IPO-Klima von 35,66 deutlich auf 34,13 Punkte gefallen ist. Besonders ausgeprägt ist der Stimmungseinbruch bei den Emittenten: Hier haben die Kursturbulenzen der vergangenen Wochen ihre Spuren hinterlassen. Bei den Konsortialbanken ist nur eine leichte Eintrübung der Stimmung zu konstatieren und das Sentiment der aktiven Anleger hat sich sogar verbessert. So scheint der gesamte Stimmungsrückgang im Wesentlichen darauf zurückzuführen zu sein, dass alle drei Gruppen eine deutlich rückläufige IPO-Aktivität für das laufende Quartal erwarten. Am stärksten ausgeprägt ist dieser Pessimismus bei den Emittenten. Hingegen schätzen die aktiven Investoren das derzeitige und zukünftige Bewertungsniveau auf den Aktienmärkten wieder positiver ein.
Weiterhin gedämpfte IPO-Aktivitäten zu erwarten
Das wahrgenommene Underpricing ist wie im Vorquartal erneut gefallen. Derzeit beträgt es circa ein Prozent - rund ein drittel Prozent weniger als zuvor. Grundsätzlich spricht man von Underpricing, wenn der erste Börsenkurs über dem Emissionspreis festgestellt wird - was im betrachteten Zeitraum bei immerhin sechs der neun IPOs der Fall war. Das Underpricing-Sentiment gibt wieder, wie erfolgreich die IPOs der Vergangenheit in den Augen der Marktteilnehmer gelaufen sind. Dazu wird die wahrgenommene Differenz zwischen Emissionspreisen und den ersten Marktpreisen ermittelt. Die Stärke der Wahrnehmung ist nicht rein rational, sondern wird von Faktoren wie dem zeitlichen Abstand beeinflusst.
Bei einem hohen wahrgenommenen Underpricing steigt die Attraktivität eines Börsengangs für die Unternehmen und das Zeichnungsinteresse der Investoren. Empirische Untersuchungen haben ergeben, dass die Emissionstätigkeit zeitlich versetzt zum wahrgenommenen Underpricing zyklisch schwankt. Der Rückgang der Emissionstätigkeit im drittel Quartal waren zuvor sowohl von der Marktstimmung als auch vom wahrgenommenen Underpricing angezeigt worden. Dieser Trend setzt sich fort, denn der insgesamt niedrige Wert des IPO-Sentimentindikators deutet auf weiterhin gedämpfte IPO-Aktivitäten hin.
IPO-Sentimentindikator
Alle drei Monate veröffentlicht die Börse Frankfurt mit der TU München den IPO-Sentimentindikator zur Stimmung am Primärmarkt. Dieser besteht aus zwei Komponenten, dem IPO-Klima sowie dem wahrgenommenen Underpricing, und wird in Punkten ausgedrückt. Zur Ermittlung des IPO-Klimas werden Investoren, Konsortialbanken und Wagnis-Kapitalisten (für die Unternehmensseite) befragt.
Text: @cri
Bildmaterial: FAZ.NET